Wie groß ist die Gefahr für Kinder? Ärger um Kippen auf Osnabrücker Spielplätzen

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Osnabrück. Auf den Spielplätzen in Osnabrück hat sich nicht erst in diesem Jahr eine neue Beschäftigung für Eltern aufgetan: Während der Nachwuchs im Sandkasten Sand und Steine sortiert, suchen Mama und Papa Zigarettenkippen aus dem Boden. Doch wie gefährlich sind die Stummel eigentlich für Kinder?

Nadine Nuxoll ist sauer. Die Belmerin hat vor einigen Tagen den Koggespielplatz in der Osnabrücker Innenstadt besucht, doch genießen konnte sie die Atmosphäre nicht. Der Grund: Immer wieder musste sie ihrem einjährigen Sohn Zigarettenkippen wegnehmen, die Raucher in die Sandkästen geworfen hatten. „So wunderschön und gleichzeitig kinder- und elternfreundlich dieser Spielplatz auch ist – ich habe mich ziemlich über die Vielzahl der herumliegenden Zigarettenkippen geärgert“, sagt Nuxoll im Gespräch mit unserer Redaktion.

Verunreinigungen auf weiteren Spielplätzen

Nun ist der Koggestrand kein Einzelfall in Osnabrück – auch andere Spielplätze dienen immer wieder als großer Aschenbecher. Eine Anfrage unserer Redaktion beim Osnabrücker Servicebetrieb (OSB), der für die Reinigung der Spielplätze zuständig ist, hat ergeben: Je frequentierter ein Spielplatz ist, desto größer ist logischerweise der Reinigungsbedarf. Im Fokus stehen neben dem Koggestrand vor allem der Großspielplatz Lerchenstraße, der Quartiersspielplatz am Bierbaumsweg und der Spielplatz am Rubbenbruchsee.

OSB reinigt wöchentlich

„Die Spielplätze werden bedarfsgerecht beziehungsweise in einem wöchentlichen Turnus gereinigt“, sagt Hartmut Damerow, Abteilungsleiter Planung und Bau beim OSB. Das Problem der Zigarettenkippen und anderen Mülls sei mehr oder weniger auf allen Spielplätzen ausgeprägt. Dabei ist das Rauchen dort überhaupt nicht erlaubt: Die Stadt Osnabrück hat in ihrer Satzung über die Benutzung der öffentlichen Grünflächen das Rauchen auf Spielplätzen untersagt, worauf auch auf den dort angebrachten Schildern mit einem Piktogramm hingewiesen wird. Das Wegwerfen von Kippen kostet laut Bußgeldkatalog mindestens 10 Euro. (Weiterlesen: Besondere Spielplätze in der Region)

OS-Team kontrolliert

„Die Spielplätze stehen im Fokus des OS-Teams und werden im Rahmen der personellen Möglichkeiten überprüft.“, sagt Damerow. „Sünder“ werden jedoch selten bei ihrem Tun angetroffen. Allerdings verhindere schon die Ansprache der auf den Flächen angetroffenen Personen vielfach mögliche Verstöße.

Zigarettenkippe ist nicht tödlich

Nuxoll, die nach eigenen Angaben selber zehn Jahre lang Raucherin war, macht sich indes Sorgen um die Gesundheit ihrer Kinder. Dass das Schlucken von nur einer Zigarettenkippe tödlich ist, so wie es auf einigen Internetportalen zu lesen ist, verweist Dr. Andreas Schaper allerdings ins Reich der Gerüchte. „Die Toxizität von Zigarettenkippen wird häufig überschätzt“, relativiert der Leiter des Giftinformationszentrums-Nord (GIZ) im Gespräch mit unserer Redaktion. Er betreut den telefonischen Giftnotruf für die nördlichen Bundesländer, der pro Tag etwa 100 bis 150 Mal angerufen wird. „Direkt tödlich ist eine Zigarette für Kleinkinder nicht, ebenso wenig ein benutzter Filter. Erst wenn zwei oder mehr Kippen gegessen werden, wird es ernster. Das ist jedoch selten der Fall, weil der Geschmack für viele Kinder ziemlich abstoßend ist und die Kippe oft ausgespuckt wird“, so Schaper. Freilich: Jeder benutzte Filter enthalte Nikotin und andere Stoffe, die gesundheitsschädlich sind.

Giftnotruf hilft im Ernstfall

Im Jahr 2014 hatte der Giftnotruf mit 605 Fällen zu tun, in denen Tabak eine Rolle spielte. 344 davon betrafen Kinder im Alter von ein bis vier Jahren, 157 Säuglinge. 19 Fälle wurden mit dem Attribut „mittel“ versehen, mehr als die Hälfte verlief symptomlos. Der Mediziner nennt einige wichtige Regeln für Eltern, wenn das Kind eine Zigarette oder einen Filter geschluckt hat: „Sinnvoll ist es, den Giftnotruf zu kontaktieren. Keinesfalls sollte das Kind auf irgendeine Art und Weise zum Erbrechen gebracht werden. Das ist weitaus gefährlicher, als das Schlucken einer Kippe.“ Oft würden Eltern gar nicht merken, dass das Kind eine Kippe verschluckt hat. Erst wenn sie durch natürliches Erbrechen zum Vorschein komme, sei der Schreck groß. Im Zweifelsfall müsse das Kind jedoch einige Zeit medizinisch überwacht werden.

Eher noch als Kippen stellt der sogenannte Nikotinsud eine Gefahr vor allem für Kleinkinder und Säuglinge dar. Er entsteht beispielsweise, wenn Kippen in Getränkedosen geworfen werden und sich das Nikotin in der Restflüssigkeit löst.


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