Das hätte es früher nicht gegeben Mädchen ziehen mit Nachtwächterin durch die Altstadt

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In der Mitte der Gasse mochten die Mädchen mehr gerne gehen, nachdem ihnen Nachtwächterin Marion Hotfilter berichtet hatte, dass im Mittelalter alles Abwasser über eine Rinne in der Straßenmitte abgeleitet wurde.Foto: Elvira PartonIn der Mitte der Gasse mochten die Mädchen mehr gerne gehen, nachdem ihnen Nachtwächterin Marion Hotfilter berichtet hatte, dass im Mittelalter alles Abwasser über eine Rinne in der Straßenmitte abgeleitet wurde.Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Wissenswertes über Osnabrück erfuhr eine Gruppe Mädchen, die mit der Nachtwächterin durch die Altstadt zog. Früher hätte es das nicht gegeben.

„Ich bin der Nachtwächter“, stellte sich Marion Hotfilter bewusst in der männlichen Form den Kindern vor, die mit dem Mädchenzentrum ins Rathaus gekommen waren. Die Mitarbeiterin von Zeitseeing war ins Nachtwächter-Kostüm geschlüpft. Die große Zeit der wirklichen Nachtwächter war im 19. Jahrhundert, erzählte sie. „Nachtwächterinnen hat es damals nicht gegeben.“

Zu den Aufgaben der Nachtwächter gehörte es, in die Häuser der Bürger zu schützen und zu schauen, ob darin nach 22 Uhr noch Feuer brennt. Nach einer Feuersbrunst hatten die Osnabrück Angst, das noch einmal die aus Holz gebauten Fachwerkhäuser in der Altstadt abbrannten. Die Nachtwächter passten außerdem darauf auf, dass sich keine Menschen ohne triftigen Grund in den Gassen der Stadt herumtrieben oder gar Unzucht trieben. Wurden sie erwischt, wurden sie verhaftet.

In der Turmstraße zeigte die Nachtwächterin den Mädchen ein typisches Osnabrücker Fachwerkhaus, das 1587 erbaut wurde. Charakteristisch sind die Vorsprünge am Dach. Zu der Zeit, als das Haus errichtet wurde, gab es noch keine Kanalisation, wie wir sie heute kennen. „Die Bürger haben die Inhalte ihrer Nachttöpfe einfach aus dem Fenster entleert“, sagte Marion Hotfilter.

In der Mitte der Gasse gab es eine Abflussrinne, in der sich nicht nur menschliche Abfälle, sondern auch die von Schlachtungen wiederfanden. Es muss ziemlich gestunken haben. Die Rinne ist heute noch in den Gassen der Altstadt erkennbar. Da die Trinkwasserbrunnen der Osnabrücker in der Nähe der Abflussrinne lagen, kam es 1859 zum Ausbruch der Cholera. An dieser Krankheit starben viele Osnabrücker.

Nicht gestorben ist der Graf Johann von Hoya, obwohl der von 1441 bis 1447 im Bucksturm unter erbärmlichen Bedingungen gefangen gehalten wurde. Das massive Holzgefängnis im Wehrturm wird Johanniskasten genannt. Johann von Hoya wurde eingesperrt, weil er Krieg gegen die Osnabrücker führte. Viele Mädchen standen staunend vor dem Johanniskasten. Sie konnten sich kaum vorstellen, wie jemand dort sechs Jahre ohne ein Bett, ohne eine Wärmequelle und ohne richtiges Essen überleben konnte.

Nach einem Besuch im Turm Bürgergehorsam ging es die 192 Stufen rauf auf den Turm der Marienkirche. Da es schon dunkel war, konnten die Mädchen von oben nicht mehr so viel sehen. Loren (14) und Juliane (13) hätten ihren Heimatort Lechtingen auch nicht bei Tag sehen können, da der Piesberg die Aussicht versperrt. Die beiden waren nach Osnabrück gekommen, weil sie sich für die Geschichte der Stadt interessieren. Sie haben Dinge erfahren, die sie vorher noch nicht kannten und fanden den Rundgang mit richtig spannend. „Die Führung hat unsere Fantasie angeregt“, sagten sie.


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