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Universität ist besorgt Osnabrücker Studenten sagen Auslandssemester in Türkei ab

Von Sebastian Stricker

Die Uni Osnabrück protestiert gegen den Umgang mit Wissenschaftlern in der Türkei und beklagt „gravierende Einschnitte in die akademischen Freiheiten“. Foto: Sebastian StrickerDie Uni Osnabrück protestiert gegen den Umgang mit Wissenschaftlern in der Türkei und beklagt „gravierende Einschnitte in die akademischen Freiheiten“. Foto: Sebastian Stricker

Osnabrück. Die Universität Osnabrück protestiert gegen den Umgang mit Wissenschaftlern in der Türkei. „Gravierende Einschnitte in die akademischen Freiheiten“ durch die Regierung Erdoğan seien nicht hinnehmbar. Derweil ziehen betroffene Forscher und Studenten in Osnabrück erste Konsequenzen.

„Mit großer Sorge“ schaue die Universität Osnabrück auf die aktuellen Entwicklungen an türkischen Hochschulen, heißt es in einer am Dienstag verbreiteten Pressemitteilung, mit der die Uni auf eine Anfrage unserer Redaktion vom Vortag reagierte. In Übereinstimmung mit der Hochschulrektoren-Konferenz (HRK) und der European University Association (EUA) verurteile die Universität Osnabrück das Vorgehen der Regierung Erdoğan gegen türkische Wissenschaftler und die „gravierenden Einschnitte in die akademischen Freiheiten“.

Nach dem gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli und dem daraufhin verhängten Ausnahmezustand wurden in der Türkei 15.000 Bedienstete im Bildungswesen vom Dienst suspendiert. Zudem verbot der türkische Hochschulrat Wissenschaftlern die Ausreise. Türkische Forscher, die bereits im Ausland tätig sind, wurden aufgefordert, in ihr Heimatland zurückzukehren.

„Vernichtung des freien Geistes“

Das Präsidium der Universität Osnabrück protestiere dagegen „auf das Schärfste“ und erkläre sich mit den betroffenen Hochschulangehörigen solidarisch. Es schließe sich einer Stellungnahme des HRK-Präsidenten Horst Hippler vom 20. Juli an. Dieser hatte eine „systematische Einschüchterung“ von Hochschulangehörigen in der Türkei und „die Vernichtung des freien Geistes“ beklagt.

„Wissenschaft lebt von Internationalität, Begegnungen und Austausch“, wird der Osnabrücker Universitätspräsident Wolfgang Lücke zitiert. Die Freiheit von Forschung und Lehre sei „unerlässliche Voraussetzung“ jedes wissenschaftlichen Handelns. „Hoffentlich ist sich die türkische Regierung bewusst, dass unter diesen Repressalien viele begabte Nachwuchswissenschaftler der Türkei den Rücken kehren werden.“

Türkische Professoren schweigen

Ferner unterstütze die Uni Osnabrück ein Protestschreiben des Vorsitzenden der Niedersächsischen Hochschulkonferenz, Wolfgang-Uwe Friedrich, an das Türkische Generalkonsulat. „Die Verantwortung für die Fortsetzung der guten Wissenschaftsbeziehungen liegt heute bei der türkischen Regierung und Staatspräsident Erdoğan“, heißt es in dem Anfang der Woche verschickten Brief, der unserer Redaktion auszugsweise vorliegt. Insgesamt würden mehr als 40 türkische Wissenschaftler an niedersächsischen Hochschulen arbeiten.

Die Universität Osnabrück hat nach eigenen Angaben 21 Partnerschaftsverträge mit den Universitäten in Istanbul, Ankara, Adana, Anatalya, Bursa, Canakkale, Diyarbakir, Izmir und Mersin. Derzeit seien drei Professoren und fünf Nachwuchswissenschaftler mit türkischer Nationalität an der Uni Osnabrück beschäftigt. Für Interviews standen sie unserer Redaktion jedoch nicht zur Verfügung: Laut Uni-Pressestelle wolle sich gegenwärtig keiner von ihnen persönlich zur Lage in der Türkei äußern.

30 Studenten im Austausch

Das International Office (vormals Akademisches Auslandsamt) berichtet derweil von neun Studenten türkischer Partneruniversitäten, die derzeit ein Auslandssemester an der Universität Osnabrück verbringen. Im Gegenzug würden 21 Studenten aus Osnabrück zum Wintersemester 2016/17 einen Auslandsaufenthalt in der Türkei planen. „Ob sie diesen wirklich antreten werden, ist noch nicht klar“, heißt es. Es habe schon mehrere Absagen gegeben. (Weiterlesen: Türkischer Austauschstudent erhält DAAD-Preis 2015 der Uni Osnabrück)