31 Prozent Frauenanteil Professorinnen an Uni Osnabrück auf dem Vormarsch

Von 218 Professoren an der Universität Osnabrück (hier eine Luftaufnahme vom Fachbereich Physik am Campus Westerberg) war Ende 2015 fast jeder dritte eine Frau – eine Quote, die weit über dem Bundesdurchschnitt liegt. Foto: David EbenerVon 218 Professoren an der Universität Osnabrück (hier eine Luftaufnahme vom Fachbereich Physik am Campus Westerberg) war Ende 2015 fast jeder dritte eine Frau – eine Quote, die weit über dem Bundesdurchschnitt liegt. Foto: David Ebener

Osnabrück. Der Frauenanteil in der Professorenschaft an deutschen Hochschulen wächst stetig, liegt aber weiterhin nur bei knapp einem Viertel. Rühmliche Ausnahme: die Universität Osnabrück. Von 218 Profs ist inzwischen knapp jeder dritte weiblich.

Mit einer Professorinnen-Quote von 30,7 Prozent (Stand 31. Dezember 2015) liegt die Universität Osnabrück weit über dem Durchschnitt. „Wir haben diese Entwicklung besonders gefördert“, sagt Sprecher Utz Lederbogen. Deutschlandweit beträgt der Mittelwert nach jüngsten Angaben des Statistischen Bundesamtes 23 Prozent. Die Hochschule Osnabrück erreicht ihn mit 21,7 Prozent nicht ganz – was vor allem an schwierigen Voraussetzungen liegt. Dazu später mehr.

Insgesamt hat sich die Zahl der Professorinnen an deutschen Hochschulen und Hochschulkliniken in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. 10.500 aller 46.300 Professorenstellen waren 2015 mit Frauen besetzt. Im Jahr 2005 waren es noch gut 5400 Professorinnen, und ihr Anteil war mit 14 Prozent deutlich kleiner.

Erfolgreiche Gleichstellungsarbeit

An der Universität Osnabrück wurde die Frauenquote in der Professorenschaft seit 2006 erheblich gesteigert: Damals betrug sie nach eigenen Angaben 17,7 Prozent, von 192 Profs waren 34 weiblich. Schon zwei Jahre später lag ihr Anteil über dem heutigen Durchschnitt. Der bisherige Höchstwert wurde 2014 erreicht (30,9 Prozent bei 220 Professuren). „Zurückzuführen ist der sehr gute Durchschnitt auf die erfolgreiche Gleichstellungsarbeit und eine gezielte Berufungspolitik“, erklärt Sprecher Lederbogen. (Weiterlesen: Mehr Frauen in Aufsichtsräten seit Einführung der Quote)

Bereits 2013 habe die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) der Universität Osnabrück höchste Qualität bei der Umsetzung „forschungsorientierter Gleichstellungsstandards“ bescheinigt. Zudem erhalte die Uni seit 2009 von Bund und Ländern zweckgebundene Fördermittel in Millionenhöhe. Vordringliche Ziele dieser sogenannten Professorinnenprogramme I und II: mehr Frauen auf allen wissenschaftlichen Qualifikationsstufen und mehr Wissenschaftlerinnen in Führungspositionen. Erreicht werde dies an der Uni Osnabrück durch besondere Rekrutierung, durch bessere Unterstützung von talentierten Studentinnen, Doktorandinnen und promovierten Akademikerinnen sowie durch Schaffung familienfreundlicher Studien- und Arbeitsbedingungen.

Gezielte Berufungspolitik

Auch die Hochschule Osnabrück nimmt an den Professorinnenprogrammen teil – „erfolgreich“, wie Präsident Andreas Bertram sagt. In beiden Runden sei es gelungen, jeweils drei freigewordene Professuren mit hoch qualifizierten Frauen zu besetzen. Darüber hinaus würden geeignete Kandidatinnen durch neu geschaffene Qualifizierungsstellen auf dem Weg hin zu einer Professur an einer Fachhochschule gezielt gefördert.

Die Einführung eines zweistufigen Berufungsverfahrens sowie die Einstellung einer Berufungsbeauftragten hätten ebenfalls zu einer höheren Chancengleichheit bei der Besetzung von Professuren an der Hochschule beigetragen, so Bertram weiter. „Außerdem konnten wir unsere Attraktivität als familienfreundlicher Arbeitgeber steigern.“ Dies werde seit 2013 durch das „Audit Familiengerechte Hochschule“ bescheinigt – ein Zertifikat, über das auch die Uni Osnabrück seit 2008 verfügt.

Strukturelle Unterschiede

Auf diese Weise sei es in den vergangenen zehn Jahren gelungen, den Professorinnenanteil an der Hochschule Osnabrück von 18,8 auf 21,7 Prozent zu erhöhen. So waren Ende 2006 von 213 Professoren 40 weiblich. Ende 2015 waren es 69 von 318. Angaben zur Entwicklung in der Zwischenzeit machte die Hochschule nicht.

Dass Professorinnen an der Universität Osnabrück insgesamt schneller auf dem Vormarsch sind, ist strukturell erklärbar: Erstens fehlt der Fachhochschule der wissenschaftliche Mittelbau. Sie kann etwa mangels Promotionsrecht ihre Professorinnen nicht selbst ausbilden und halten, sondern muss extern rekrutieren.

Werbung für technische Fächer

Zweitens sind viele der typischen FH-Studienfächer nach wie vor Männerdomänen – Stichwort: Ingenieurberufe. Laut Statistischem Bundesamt waren Ende 2015 von deutschlandweit 12.200 Lehrstühlen in Ingenieurwissenschaften nur 1400 mit Frauen besetzt. Die höchsten Anteile von Professorinnen gab es hingegen auf klassischen Gebiete von Universitäten: konkret bei Geisteswissenschaften (36 Prozent) sowie im Bereich Kunst und Kunstwissenschaft (32 Prozent).

Osnabrücks Hochschulpräsident Bertram bestätigt: „Wir merken, dass sich in vielen, insbesondere technischen Fächern immer noch wenige Frauen bewerben.“ Um dem entgegenzuwirken, fördere die Hochschule seit einigen Jahren das Interesse an Mint-Fächern (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) bereits bei Schülerinnen und Studieninteressierten. Dazu habe die Hochschule Osnabrück unter anderem im Jahr 2010 das Niedersachsen-Technikum ins Leben gerufen: eine inzwischen vielfach kopierte Mischung aus technisch orientiertem Betriebspraktikum und Gaststudium, die immer mehr jungen Frauen den Weg in Mint-Berufe ebnet.


0 Kommentare