Hasefriedhof Osnabrück Erinnerungstafel für die Kunsterzieherin Lotte Klemm

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Osnabrück. Auf dem Hasefriedhof ist in dieser Woche die zweite Erinnerungstafel in der Reihe „Frauen der Osnabrücker Stadtgeschichte“ enthüllt worden. Nach der Möser-Tochter Jenny von Voigts im Mai wurde jetzt der Künstlerin und Kunsterzieherin Lotte Klemm (1897– 1989) nach erfolgter Restaurierung ihres Grabes eine besondere Würdigung zuteil.

Lotte Klemm hat keine Nachkommen. Sie fand 1989 ihre letzte Ruhestätte in der Grabanlage der mit ihr verbundenen Familie Pohlmann in der V. Abteilung des Hasefriedhofs. Der Zahn der Zeit hatte am Grabkreuz genagt und es abstürzen lassen. Seine Wiederherstellung und die Sanierung der Pohlmann-Grabsteine finanzierten aus Spendenmitteln der Förderkreis Hasefriedhof - Johannisfriedhof und die an die Bürgerstiftung angelehnte Treuhandstiftung Historisches Bewahren.

Für Lotte Klemm selbst gibt es keinen Grabstein. Die bescheidene Frau wollte keinen. An sie erinnerte bislang nur ein Rosenbusch inmitten der Pohlmann-Grabsteine. Mit dem hat es eine besondere Bewandtnis. Er stammt aus der mecklenburgischen Heimat, die der Künstlerin durch die deutsche Teilung verloren gegangen war. Von einer Cousine erhielt Lotte Klemm nach dem Krieg einen Ableger der weißen Strauchrose. Sie pflanzte ihn in ihren Garten hinter dem Haus in der Schöneberger Straße. Der Garten war ihr ein und alles, Rückzugsort und zugleich Inspirationsquelle für ihr künstlerisches Schaffen. Die Rose spielte darin eine besondere Rolle. Sie war für Klemm nicht nur das Bindeglied zur Heimat, sondern der Inbegriff der Schönheit in der Natur überhaupt.

Die weiße Rose blieb zunächst anonym

Nach Lotte Klemms Tod sorgten Neffe Dietrich Düring und dessen Frau Dorothea dafür, dass ein Ableger der Alba-Rose auf ihr Urnengrab auf dem Hasefriedhof gepflanzt wurde. Aber, wie gesagt, von all diesen Zusammenhängen erfuhr der Besucher bislang nichts, die Rose blieb anonym. Bis jetzt der Förderkreis die Informationstafel aufstellte. Dorothea Düring steuerte Bildmaterial und biografische Daten bei.

Lotte Klemm kam am 10.Februar 1897 in Bützow, Mecklenburg, zur Welt. Sie besuchte ab 1914 die „Königliche Kunstschule“ in Berlin, die junge Frauen für den Höheren Schuldienst ausbildete. Sie machte dort ihr Examen in Kunstpädagogik und Sport. Schon in der Schulzeit hatte Klemm Kontakt zur „Wandervogel“-Jugendbewegung, die den Idealen der Romantik folgte, vielfache musische Betätigung förderte und in freier Natur eine eigene Lebensart entwickelte. Die damals erhaltenen reformpädagogischen und künstlerischen Impulse sollten ihr gesamtes Wirken beeinflussen.

In Berlin und Posen tätig

Beruflich war Lotte Klemm zunächst als Zeichenlehrerin an privaten Schulen in Berlin und Posen tätig, bis sie 1919 eine Stelle an der Bürgerschule in Osnabrück – der späteren Möser-Mittelschule – erhielt. Bis zum Eintritt in den Ruhestand 1959 blieb sie 40 Jahre an dieser Schule.

Als Stadtarchivar Ludwig Bäte nach dem Krieg die Tradition des Steckenpferdreitens zum Gedächtnis des Westfälischen Friedens wiederbelebte, wurden unter Lotte Klemms Anleitung in der Möser-Mittelschule die ersten hölzernen Steckenpferde bemalt.

Als Kunstschaffende beherrschte Klemm verschiedene handwerkliche Techniken und war stets mit eigenen künstlerischen Arbeiten beschäftigt. So stellte sie Holz- und Linolschnitte, Glasbilder, Scherenschnitte, Plastiken in Holz und Ton, Bücher mit künstlerischen Schrifttypen und Illustrationen sowie gewebte Wandteppiche her. Im Osnabrücker Schulmuseum an der Rolandsmauer, unweit von Lotte Klemms schulischer Wirkungsstätte, wird ein repräsentativer Ausschnitt aus ihrem Schaffen gezeigt. Privat lebte sie sehr zurückgezogen und sah sich selbst weniger als autonome Künstlerin, sondern in erster Linie als Kunsterzieherin, deren Werke ihren Schülerinnen als Anregung dienen sollten. Lotte Klemm starb am 16. Januar 1989 in Osnabrück.

Ehemalige Schülerinnen erinnern sich gern an sie

Bei der Enthüllung der Erinnerungstafel übergab Dorothea Düring dem Schatzmeister des Förderkreises, Ernst Kosche, einen Umschlag mit Samen der weißen Rose – sozusagen als Sicherungskopie für alle Fälle. Der Historiker Kosche wusste von den öffentlichen Führungen, die er auf dem Hasefriedhof anbietet, zu berichten, dass er schon des Öfteren ehemalige Schülerinnen der Lotte Klemm unter den Gästen hatte, die stets von dem pädagogischen Geschick und der Herzensgüte der Kunstlehrerin berichtet hätten.

Als Vertreter des für die Friedhöfe zuständigen Osnabrücker Servicebetriebs (OSB) dankte Stefan Langkamp den Initiatoren im Förderkreis, von denen Henning Sannemann, Rainer Hafke, Niels Biewer, Marianne Stiehl und Ernst Kosche zugegen waren. Der OSB begrüße es sehr, dass die neue Reihe von Gedenktafeln zur kontinuierlichen Unterstützung und Belebung der alten Friedhöfe beitrage.

Hafke stellte bei der Gelegenheit die Neuauflage der Broschüre „Sanierungsbedürftige Grabmale auf Hasefriedhof und Johannisfriedhof“ vor. Sie listet auf, welche künstlerisch und stadtgeschichtlich besonders wertvollen Grabmale vom Verfall bedroht sind und welche Maßnahmen zur Sanierung dringend ergriffen werden müssen – verbunden mit der Bitte um Spenden.


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