Etappe auf Deutschland-Wanderung Führungskräfte-Coach simuliert Rettung im Nettebad

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Osnabrück. Seit knapp einer Woche wandert der Coach Markus Jotzo ohne Geld durch Deutschland – mit dem Ziel, die Zugspitze zu erreichen und jeden Tag etwas zu tun, was er noch nie getan hat. Bei seinem Halt in Osnabrück hat Jotzo nun die Rettung eines Ertrinkenden simuliert.

„#niezuvorgemacht“ ist der Hashtag, „Mit Vollgas in die Überforderung“ das Motto. Der Mann, der seine vierwöchige Deutschland-Tour derart zelebriert, heißt Markus Jotzo und schreibt Bücher wie „Der Chef, den keiner mochte“ oder „Loslassen für Führungskräfte“. Ums Loslassen geht es irgendwie auch im Osnabrücker Nettebad bei der Aufgabe, die Jotzo sich selbst gestellt hat: Einmal einen Ertrinkenden retten.

„Nie packen lassen“, ruft ihm Uwe Schürk zu, „du darfst dich nie packen lassen!“ Schürk ist Leiter der DLRG-Ortsgruppe Osnabrück, und der erfahrene Rettungsschwimmer weiß, welche Kräfte Ertrinkende entwickeln können. „Die packen alles, was sie zu packen kriegen, und dabei können sie dir auch alles brechen!“ Schürk und Jotzo stehen am Rand des Sportbeckens im Nettebad – und zwar in der Halle. Angesichts der hohen Temperaturen ist draußen die Hölle los, dort jetzt das Retten eines Ertrinkenden zu simulieren wäre unmöglich.

Von hinten ranschwimmen

Deshalb also in der Halle, und immer wieder mit der Warnung, sich nie von einem Ertrinkenden packen lassen. „Was mache ich denn dann, um das zu verhindern?“, fragt Markus Jotzo, der seine durchgeschwitzten Wanderklamotten gegen eine fesche Bermuda getauscht hat. „Sollte ich dann von hinten an ihn ranschwimmen und ihn dann überraschen?“ Uwe Schürk sagt, genauso könne er das machen. „Das wird auch klappen, der Patient ist ja mit dem Ertrinken beschäftigt.“ Einmal umschwimmen also und von hinten mit beiden Armen packen – den perfekten Griff zeigt Uwe Schürk Markus Jotzo noch an Land.

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Dann springt Schürk forsch mit einem Köpper ins Becken, wobei Markus Jotzo bemerkt, dass sich der DLRG-Ausbilder ja vorher überhaupt nicht abgeduscht habe. Der Führungskräfte-Coach springt dem Rettungsschwimmer-Coach dann hinterher, und als letzterer mit wilden Schlägen und Schreien einen Ertrinkenden simuliert, packt Jotzo ihn ziemlich souverän und schleppt ihn ab. „Für das erste Mal hat er das richtig gut gemacht“, gibt Uwe Schürk nachher zu Protokoll. Markus Jotzo hingegen sagt, hätte Schürk nicht irgendwann aufgehört, derart wild mit den Armen herumzuschlagen, hätte er ihn wohl nie aus dem Wasser bekommen.

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Lieber Rippenbruch als Herzstillstand

An Land muss sich Jotzo schließlich noch an der beliebten Puppe versuchen, die es wiederzubeleben gilt. „Wenn du nicht richtig fest drückst, ist es genauso, als würdest du gar nicht drücken“, sagt Uwe Schürk. Lieber Rippenbruch als Herzstillstand – an diesem Prinzip hat sich also, wenig verwunderlich, nichts geändert. Auch an der Puppe erledigt Markus Jotzo seinen Job ziemlich souverän, nur als er die Umstehenden bittet, die 110 zu rufen, muss Uwe Schürk korrigieren: „Eher die 112.“

Mit der Notrettung im Nettebad wollte Markus Jotzo übrigens auch darauf aufmerksam machen, wie viele Kinder jedes Jahr ertrinken, weil sie nicht ausreichend schwimmen können. Der Osnabrücker DLRG-Leiter Uwe Schürk kann das nur bestätigen: „Rutschen und hier im Nettebad im Pool rumliegen können die alle gut. Aber Schwimmen – das wird bei Kindern und Jugendlichen wirklich immer schlechter.“

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