Geschäft über Nacht geräumt Pohland schließt Filiale in Osnabrück wegen Insolvenz

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Das zweite Obergeschoss im neuen Modehaus in der Osnabrücker Fußgängerzone steht leer, seit Pohland seine Filiale in einer Nacht- und Nebelaktion geräumt hat. Foto: Jörn MartensDas zweite Obergeschoss im neuen Modehaus in der Osnabrücker Fußgängerzone steht leer, seit Pohland seine Filiale in einer Nacht- und Nebelaktion geräumt hat. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Konkurs mit Folgen: Die Herrenausstatter-Kette Pohland macht ihre gerade erst eröffnete Filiale in Osnabrück nach nicht einmal vier Monaten wieder dicht. Die angemietete Etage im neuen Modehaus an der Großen Straße wurde bereits geräumt – offenbar in einer Nacht- und Nebelaktion.

Die Pohland Herrenkleidung GmbH & Co. KG hatte Mitte Mai nach dem Rückzug des strategischen Investors Clinton Großhandels-GmbH Insolvenz angemeldet. Seitdem hing die Zukunft der Osnabrücker Niederlassung am seidenen Faden. Am Dienstagmittag gab die für Pohland beratend tätige Kanzlei Kübler (Köln) nach einer „umfänglichen betriebswirtschaftlichen Analyse“ das Aus für den Standort bekannt.

„Leider arbeitet die Filiale nicht kostendeckend“, wird Rechtsanwältin Bettina Breitenbücher in einer Pressemitteilung zitiert. Auch sei die Filiale dauerhaft nicht mehr finanzierbar. Das Unternehmen habe deshalb beschlossen, die seit Mitte März betriebene Niederlassung in der Fußgängerzone aufzugeben. Der Gläubigerausschuss habe dem zugestimmt. Nur wenn Pohland wieder Geld erwirtschafte, könne eine Sanierung gelingen, heißt es weiter.

Vermieter überrascht

Den Angaben der Kanzlei Kübler zufolge wurde Pohland Osnabrück als Teil von „The Store“ bereits zum 30. Juni geschlossen. Ein Datum, das den Vermieter überrascht: „Offiziell wissen wir von gar nichts“, sagte Ronald Michalski, Prokurist der IBS Vermögensverwaltung, am Dienstag auf Nachfrage unserer Redaktion. Ein Auszug von Pohland, das im zweiten Obergeschoss des Modehauses an der Großen Straße 57-60 neue Männermode-Trends zeigte, sei dem Sutthauser Hauseigentümer „bisher nicht mitgeteilt“ worden.

Gleichwohl sei das Verschwinden des Mieters nicht unbemerkt geblieben: Anfang Juli sei der Laden „über Nacht ausgeräumt“ worden, berichtete Michalski. „Am nächsten Morgen war die Etage leer, nur das Licht brannte noch.“ Kunden hätten seitdem keine Möglichkeit mehr, in die frühere Pohland-Filiale zu gelangen: Die Rolltreppe sei abgeschaltet und zugestellt worden.

Gespräche über Neuvermietung

Was das Pohland-Aus für IBS finanziell bedeute, wollte Michalski nicht im Detail kommentieren. Der Hauseigentümer habe jedoch vertragliche Regelungen getroffen, die das Risiko absichern. Von der Posse um die Filialschließung unberührt, laufen die Geschäfte im übrigen Teil des Modehauses derweil wie gewohnt weiter. In „The Store“ wird Ware der Marken Camp David und Soccx verkauft, nebenan gibt es die eigenständige Tommy-Hilfiger-Filiale.

Was „The Store“-Betreiber Clinton zur Pohland-Schließung und zu möglichen Auswirkungen auf sein bislang einzigartiges Osnabrücker Handelskonzept zu sagen hat, war am Dienstag zunächst nicht zu erfahren. Mit einem langen Leerstand in dieser 1A-Lage rechnet IBS-Prokurist Michalski jedenfalls nicht. Der Vermieter befinde sich bereits mit mehreren Interessenten im Gespräch. „Eine Neuvermietung kann ganz schnell gehen.“


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