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Kinder angeln im Nettetal Peta zeigt Osnabrücker Ferienpass-Angel-Aktion an

Von Jörg Sanders

Die Tierschutzorganisation Peta hat Anzeige gegen den Leiter einer Ferienpass-Angel-Aktion im Nettetal erstattet. Symbolfoto: Archiv/LewandowskiDie Tierschutzorganisation Peta hat Anzeige gegen den Leiter einer Ferienpass-Angel-Aktion im Nettetal erstattet. Symbolfoto: Archiv/Lewandowski

Osnabrück. Peta hat Anzeige gegen den Leiter einer Ferienpass-Angel-Aktion im Nettetal erstattet. Eine reine Quälerei, behauptet die Tierschutzorganisation. Alexander Specht, Leiter der Aktion, widerspricht.

Peta zufolge hätten die Angler bei der Aktion sämtliche Regeln missachtet. Das Fischen habe nicht dem Nahrungserwerb gedient, einige Fische seien verletzt zurück ins Wasser geworfen worden, und durch das Posieren der Kinder mit Fischen für Fotos sei den Tieren länger Leid zugefügt worden als nötig. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück bestätigte den Eingang der Anzeige nicht. Sie scheint „noch unterwegs zu sein“, sagt Staatsanwalt René von Münster auf Nachfrage unserer Redaktion.

Am 3. Juli hatten rund 30 Kinder an der Ferienpass-Aktion an den Forellenteichen teilgenommen. Die Tierschützer argumentieren, die Aktion habe als Werbemaßnahme des Veranstalters Alexander Specht gegen das Tierschutzgesetz verstoßen, der Inhaber eines Angelgeschäfts sei. Specht ist allerdings nur Mitarbeiter des Angelladens, sagt dieser auf Nachfrage unserer Redaktion. Dem Tierschutzgesetz zufolge dürfen Wirbeltiere nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden. Leid darf nicht aus Rohheit zugefügt werden, zudem muss ein Tier möglichst schnell getötet werden. Ferner müsse Fischen dem Nahrungserwerb dienen.

Fische gegessen?

„Es hört sich so an, als ob den Kindern die Fische mitgegeben wurden – ob sie wollten oder nicht –, und die Fische anschließend vielleicht im Mülleimer gelandet sind“, sagt Tanja Breining im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie ist Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei Peta. Zwei Kinder seien in einem Bericht unserer Redaktion so zitiert worden, dass sie lieber Fischstäbchen als Forelle essen würden. Damit sei die Rechtfertigung des Nahrungserwerbs weggefallen, argumentiert Breining. „Es ist doch unklar, ob die Fische gegessen wurden.“

Veranstalter widerspricht Vorwürfen

Alexander Specht widerspricht den Vorwürfen der Tierschützer. Die Kinder hätten den Fisch mit nach Hause nehmen können, um ihn dort zu essen. Sämtliche gefangene Forellen seien betäubt und getötet worden, versichert Specht – „und zwar so, wie man es machen muss“, sagt er. „Und die Fische, mit denen die Kinder für ein Foto posiert haben, waren schon tot.“ Sie seien folglich nicht länger gequält worden als nötig. Nur wenige kleine Fische, die keine Forellen waren, wurden zurück ins Wasser geschmissen, sagt Specht. „Schließlich ging es ums Forellenfischen. Und bevor ich die ohne Grund totschlage ...“.

Specht bleibt gelassen

Specht sieht der Anzeige offenbar gelassen entgegen. „Ich lasse mich von denen nicht ärgern.“ Ihm sei es wichtig, den Kindern den richtigen Umgang mit den Fischen beizubringen, damit diese eben nicht gequält werden.

Peta sieht das anders. „Wir lehnen es ab, Kinder zur Gewalt zu erziehen“, sagt Breining. In der Vergangenheit habe die Organisation schon Erfolg mit ähnlichen Anzeigen gehabt. „Es gab durchaus schon Geldbußen in Höhe von 6000 Euro“, sagt Breining.

Peta ist bekannt dafür, Anzeigen gegen Angler und Angelverstanstaltungen zu erstatten. Der Vorwurf lautet stets der sportliche und unterhaltende Charakter solcher Aktionen. In vielen Fällen verlaufen die Anzeigen im Sand. Auch Fußballweltmeister von 1990 Klaus Augenthaler zeigte Peta an. Er hatte einen Wels gefangen, ein Foto gemacht und ihn anschließend zurück ins Wasser gelassen. Peta ist der Ansicht, das habe gegen das Tierschutzgesetzt verstoßen, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“.


§ 17 Tierschutzgesetz

Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

1. ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder

2. einem Wirbeltier

a) aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder

b) länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.

Quelle: gesetze-im-internet.de