Prozess gegen Osnabrücker Mit Baseballschläger erschlagen: Täter schuldunfähig

Von Heiko Kluge

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Die Akten werden nur vorläufig geschlossen – die Verteidigerin des 28-Jährigen will Revision einlegen. Symbolfoto: Michael GründelDie Akten werden nur vorläufig geschlossen – die Verteidigerin des 28-Jährigen will Revision einlegen. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Ein 28-jähriger Osnabrücker hat im vergangenen November einen Mitbewohner in einer Wohngemeinschaft an der Leyer Straße mit einem Baseballschläger erschlagen. Zu diesem Urteil ist am Donnerstag das Landgericht Osnabrück gekommen. Der Mann muss nun dauerhaft in die Psychiatrie.

Am Ende einer umfassenden Beweisaufnahme war für die Richter die Sache klar: „Die Kammer hat in der Gesamtschau keinen Zweifel, dass der Beschuldigte die Tat begangen hat, auch wenn seine Motivation unklar geblieben ist“, fasste der Vorsitzende zusammen. Der 28-Jährige habe die Tat zwar bestritten, doch sei seine Einlassung im Verlauf der Hauptverhandlung in wesentlichen widerlegt worden.

Zur Überzeugung der Richter zertrümmerte der Mann irgendwann zwischen kurz nach Mitternacht und den Morgenstunden des 12. November 2015 dem auf seiner Matratze liegenden Mitbewohner durch mindestens neun heftige Schläge den Schädel. Insbesondere stützte das Gericht seine Überzeugung auf den Umstand, dass Hose und Hemd des 28-Jährigen bei seiner Festnahme mit Blut- und Gewebeanhaftungen des Opfers bespritzt waren. Das Muster der Blutspritzer hatte ein Gutachter mit den Blutspuren im Zimmer des Getöteten in Einklang bringen können. „Der Beschuldigte hatte die Gelegenheit, die Tat zu begehen“, so der Vorsitzende. Während des Tatzeitraums habe er sich zwar nicht durchgehend, aber zumindest zeitweise in der Wohngemeinschaft befunden.

„Nicht in der Lage, das Unrecht einzusehen“

Wegen einer paranoid-halluzinatorischen Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis sowie einer erheblichen Alkoholisierung während der Tatbegehung befand das Gericht den 28-Jährigen für nicht schuldfähig. „Er war nicht in der Lage, das Unrecht seiner Tat einzusehen, sodass er sich folglich nicht normgerecht verhalten konnte“, begründete der Vorsitzende. Dennoch zeigten sich die Richter davon überzeugt, dass der Beschuldigte die Tatsituation als solche habe wahrnehmen können und daher auch erkannt habe, dass er den Mitbewohner mit den Schlägen tödlich verletzte, „was er billigend in Kauf nahm“.

Die Kritik, die die Verteidigerin in ihrem Plädoyer an dem Sachverständigen geübt hatte, der das forensisch-psychiatrische Gutachten erstellte, wiesen die Richter zurück. Es gebe keinen Zweifel an der Qualifikation des Fachmannes. Auch der These der Anwältin, dass ein anderer Mitbewohner der Hauptverdächtige für die Gewalttat sei, folgte das Gericht nicht. An der Kleidung des anderen Mannes seien keinerlei Blutspuren gefunden worden, hieß es zur Begründung.

„Gefahr für die Allgemeinheit“

„Aus Sicht der Kammer sind weitere Taten mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten“, sagte der Vorsitzende, gestützt auf das psychiatrische Gutachten. Dieses war zu dem Schluss gekommen, dass der Beschuldigte über keinerlei Krankheitseinsicht verfüge und deswegen seine Medikamente auch nur unzureichend einnehme. Auch künftig seien von ihm daher „erhebliche rechtswidrige Taten“ zu erwarten. Daher müsse der 28-Jährige als gefährlich für die Allgemeinheit eingestuft werden und in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden, so der Vorsitzende: „Ein milderes Mittel kommt nicht infrage.“

Während der Urteilsbegründung brach der 28-Jährige immer wieder in ein amüsiert wirkendes Prusten aus. Seine Verteidigerin interpretierte dies später als „Übersprungshandlung“, die unter anderem wohl auch durch Verständnisschwierigkeiten hervorgerufen worden sei. Sie kündigte an, gegen die Entscheidung in Revision zu gehen.


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