Umzug oder Abzug Sinn-Leffers legt sich mit Osnabrücker Politik an

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Sinn-Leffers schätzt Osnabrück, aber nicht den Standort an der Johannisstraße. Foto: Jörn MartensSinn-Leffers schätzt Osnabrück, aber nicht den Standort an der Johannisstraße. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Sinn-Leffers hat bestätigt, dass das Modehaus von der Johannisstraße ins neue Einkaufszentrum am Osnabrücker Neumarkt umziehen will. Klappt das nicht, will sich das Unternehmen ganz aus Osnabrück zurückziehen. Und es will sich nicht von der Politik ins Geschäft reinreden lassen.

Die Verträge mit dem Centerinvestor Unibail Rdamco Germany seien unterzeichnet, sagte der Geschäftsführer von Sinn-Leffers, Friedrich-Wilhelm Göbel, am Montag unserer Redaktion. „Wir sind rechtlich gebunden und warten jetzt auf Antwort von Unibail Rodamco.“ Das Modehaus, das zur Rudolf Wöhrl AG gehört, will 4800 Quadratmeter im geplanten Einkaufszentrum anmieten und würde damit der größte Mieter im Bekleidungssegment. Der Bebauungsplan lässt in der Warengruppe Bekleidung und Wäsche insgesamt maximal 8400 Quadratmeter Verkaufsfläche zu .

Keine Zukunft an der Johannisstraße

Den Standort Johannisstraße wird Sinn-Leffers auf jeden Fall aufgeben. „Wir schätzen Osnabrück sehr“, versicherte Göbel, allerdings sei ein Verbleiben in der derzeitigen Immobilie an der Johannisstraße unmöglich. Dieser Teil der Innenstadt sei in einem „extrem beklagenswerten Zustand“, weil von der Politik über Jahrzehnte vernachlässigt. Der Busverkehr sei daran nicht schuld, so Göbel, im Gegenteil: „In den Bussen sitzen Menschen. Lieber 20 Busse mehr.“

Der Mietvertrag für die 5700 Quadratmeter große Fläche an der Johannisstraße läuft am Ende des Jahres aus . Sinn-Leffers hat nach Angaben des Geschäftsführers die Möglichkeit, auf einer verkleinerten Fläche zu bleiben, bis das Einkaufszentrum am Neumarkt fertiggestellt ist. Nur zwei der heute vier Etagen will das Modehaus in dieser Übergangszeit mieten. Sollte der Vermieter, eine dänische Immobiliengesellschaft, andere Absichten haben, gibt es nach den Worten Göbels auch einen Plan B: „Wir hätten ein Zwischenquartier in Aussicht.“ Ziel sei, die Stammkundschaft in dieser etwa zweijährigen Zwischenphase zu halten, „damit die Kunden uns nicht vergessen“.

Gewinn für Osnabrück

Der Geschäftsführer ist davon überzeugt, dass das Einkaufscenter den Handelsstandort Osnabrück stärkt und den Bereich südlich des Neumarktes deutlich aufwerten wird. Wo Einkaufscenter entstünden, siedelten sich im nahen Umfeld in der Regel Fachgeschäfte an, die die Frequenz brauchen, aber die relativ hohen Mieten in den Centern nicht zahlen wollen.

Gegen Einflussnahme der Politik

Göbel zeigte sich irritiert über die Äußerungen von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, der einen Wechsel von Sinn-Leffers in das Center eher kritisch sieht. Sinn-Leffers fühle sich in Osnabrück sehr wohl und würde gerne bleiben. Göbel: „Jedoch muss es uns überlassen sein, wo wir unsere Filiale in Osnabrück betreiben. Als Einzelhändler betreiben wir keine Standortentwicklungspolitik, sondern passen uns den manchmal besseren, manchmal schlechteren Entwicklungen, die durch die Verwaltung und Politik beeinflusst werden, an. Sollte uns diese Freiheit genommen werden, dann müssen wir als Unternehmen unsere Konsequenzen ziehen.“

Griesert hatte in einer ersten Stellungnahme auf den Durchführungsvertrag zwischen der Stadt und dem Centerinvestor verwiesen, der eine Neuvermietungsquote von 50 Prozent vorsieht. Die Attraktivität des Einkaufszentrums hänge nicht nur von einer spannenden Architektur und Inszenierung ab, sondern maßgeblich von neuen Sortimenten und Angeboten, die eine größere Kundschaft und damit Kaufkraft aus der Region in die Stadt lenkten, so Griesert. „Eine Verlagerung von Sinn-Leffers würde dieses Ziel nicht erfüllen, zumal damit auch ein Großteil des Textil-Angebotes im Einkaufszentrum tatsächlich nicht neu wäre.“

Schlupflöcher

Der von der Regenbogenmehrheit im Rat verabschiedete Durchführungsvertrag lässt einen Umzug von Sinn-Leffers vermutlich zu, weil der Mietvertrag ausläuft. Der Vertrag enthält eine entsprechende Klausel. Griesert erinnert daran, dass er dem Durchführungsvertrag im Rat nicht zugestimmt hatte, weil dieser nach seiner Meinung zu viele Schlupflöcher enthält.


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