Vom Kitsch befreit Michael Patrick Kelly rockt den Osnabrücker Rosenhof


Osnabrück. Die Familie braucht er nicht mehr: Songwriter Michael Patrick Kelly zelebrierte mit einer grundsoliden fünfköpfigen Rock-Band im restlos ausverkauften Rosenhof seine Emanzipation von der Kelly Family - ohne sie dabei aber zu vergessen.

Denn neben vielen Stücken aus seinem aktuellen Solo-Album „Human“ spielte er auch einige alte Hits - wobei es dem 37-Jährigen gelang, selbst Schmachtfetzen wie „An Angel“ mit neuen Arrangements behutsam verrockt zumindest musikalisch vom triefenden Kitsch zu befreien. Das Pathos in den Texten hat sich der Mann, der mal der kleine „Paddy“ war, allerdings auch in den neuen Songs mitunter bewahrt: Im traurig-ergreifenden Mitsumm-Mutmacher „Crisis“ etwa, dem er eine tatsächlich funktionierende Schweigeminute folgen ließ. Oder in „Flag“, einer Hymne auf das Bekenntnis, sei es zu einem Land oder einfach nur, „menschlich“ zu sein.

Friedensbotschaften

Das mehrheitlich kreischend weibliche, sich im beständigen Mitklatsch-, Mitsing- und gelegentlichem Mitschnipp-Modus befindliche Publikum unterstützte die Botschaft durch kollektiv hochgehaltene Friedens- und Menschlichkeitsbekundungen, was den Sänger sichtlich rührte und auch ein wenig durcheinander brachte. Nicht nur dem Altersdurchschnitt seiner vielen mitgewachsenen Fans begegnete er dagegen souverän mit charmanter Ironie: „Ihr seht noch genauso gut aus wie damals“.

Familien-Ballade

Nach einem vergleichsweise spirituellen Start mit „Ruah“ pendelten die überwiegend mitreißenden und dabei stets auch stark eingängigen Stücke musikalisch selbstbewusst zwischen Folk-, Pop- und gar erdigem Blues-Rock in Form von „No Fuzz“. Auch an den Instrumenten erwies sich der geborene Vollblutmusiker als vielseitig. Sowohl zum natürlich fröhlichen „Happiness“ als auch zur herzergreifend gleichzeitig abkühlenden und erwärmenden Familien-Ballade „Brother Brother“ griff er beherzt zur Akustik-, zum schlagkräftig treibenden, lateinamerikanisch angehauchten Evergreen „Ares Qui“ zur E-Gitarre. Das Cover „Joker Man“ geriet zur ersten stilechten Hommage an den unnahbaren Folk-Held Bob Dylan.

Freudscher Versprecher

Volksheld Kelly suchte hingegen stets die Nähe zum Publikum, bestellte sich zum Blues „Maranatha“ ein Bier an der Bar, die er anschließend zur Bühne umfunktionierte, ließ sich wohl nicht zufällig bei „Safe Hands“ via Crowdsurfing buchstäblich auf Händen tragen und mischte sich zur finalen A-capella-Zugabe „Knocking On Heavens Door“ vom Mischpult aus mitten ins Publikum. Mit „Shake Away“ bekannte er sich zuvor zwar programmatisch dazu, die Last der Vergangenheit abgeschüttelt und neue Wege gesucht und gefunden zu haben. Den alten Straßenmusikanten trägt er aber wohl auch immer noch im Herzen.

(Weiterlesen: Berühmte Musikerfamilien – Von den „Jackson Five“ bis zur „Kelly Family“)

Vor der sakralen Zugabe „Hope“ amüsierte er noch mit einem Freudschen Versprecher, indem er bekannte, dass es ein Geschenk sei, „Musiker zu machen“. Auch der Familiengedanke hat den vom Kinderstar zum Rocker konvertierten Michael Patrick Kelly offenbar also doch noch nicht ganz los gelassen.


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