„Spielhaus“ in Arbeit Wie steht‘s um Til Schweigers Flüchtlingshilfe in Osnabrück?

Von Wilfried Hinrichs


Osnabrück. Schauspieler Til Schweiger hat versprochen, das Flüchtlingshaus in Osnabrück mit Hilfe seiner Stiftung zu einem Vorzeigehaus zu machen. Was wurde bislang davon umgesetzt? Und wie sieht es jetzt aus – im fast leeren Haus?

Das Flüchtlingshaus am Natruper Holz in Osnabrück ist zurzeit mehr Baustelle denn Herberge. An allen Ecken wird gewerkelt, und nur 80 Flüchtlinge leben aktuell in der Erstaufnahmestelle des Landes, das bis zu 680 Menschen aufnehmen kann. In den Hochzeiten der Fluchtbewegung, vor der Abriegelung der Balkanroute an der mazedonischen Grenze, war das ehemalige Bundeswehrkrankenhaus zeitweise mit über 500 Menschen belegt. Das war auch die Zeit, als Schauspieler Til Schweiger zusammen mit Sänger Thomas D („Die Fantastischen Vier“) die Til-Schweiger-Foundation ins Leben rief und ankündigte, das Flüchtlingshaus in Osnabrück tatkräftig zu unterstützen.

Das größte Projekt der Schweiger-Foundation ist der Bau eines „Spielhauses“ mit zwei Gruppenräumen von jeweils 50 Quadratmetern und einem Bewegungsraum. Diese Kindertagesstätte soll auf dem ehemaligen Hubschrauberlandeplatz entstehen. Ein großer Spielplatz ist direkt nebenan. Der erste Spatenstich war eigentlich schon in diesem Frühjahr geplant. Wie ein Sprecher des Innenministeriums in Hannover erklärte, hat das Staatliche Baumanagement inzwischen die Planungen abgeschlossen. Ziel sei es, die Kindertagesstätte im November in Betrieb zu nehmen. Es wird in modularer Bauweise entstehen, sodass es je nach Bedarf in Einzelteilen um- oder abgebaut werden. Über die Kosten macht die Foundation keine Angaben.

Musikinstrumente und Fitnessgeräte

Aus Mittel der Schweiger-Stiftung sind Musikinstrumente wie Trommeln, Tamburins, Bongos, Schlaghölzer und Keyboards angeschafft worden. Sie stehen in einem Musikzimmer zur Verfügung. Im März hat die Stiftung einen Fitnessraum mit 20 Trainingsgeräten in einer ehemaligen Fahrzeughalle einrichten lassen. Die Betreuung übernehmen Übungsleiter aus verschiedenen Sportvereinen der Stadt, die Koordination obliegt dem Stadtsportbund. Angesichts der schwachen Belegung des Flüchtlingshauses ist die Nachfrage zurzeit gering, wie Ralf Dammermann vom Stadtsportbund sagt. Es gebe Bemühungen, den Fitnessraum auch für andere Sportinteressierte zu öffnen, etwa für Flüchtlinge, die nicht in der Erstaufnahmeeinrichtung leben, und auch für Osnabrücker. Das Fitnessstudio soll mittelfristig aus der Garage in einen passenderen Raum umgesiedelt werden. Dieser Raum sei aber noch nicht fertig, sagt der Leiter der Landesaufnahmestelle, Conrad Bramm.

Weitgehend fertig sind dagegen die Büros für die Mitarbeiter der Ausländerbehörde, die zum Teil in beengten Verhältnissen in Containern arbeiten. Vor der Vollendung stehen die Unterrichtsräume und die medizinischen Bereiche für die Erstuntersuchung der Flüchtlinge nach ihrer Ankunft in der Aufnahmeeinrichtung. An allen Ecken und Enden des ehemaligen Krankenhaus-Komplexes arbeiten die Handwerker. Das Haus wird in drei Schritten umgebaut, zurzeit wird der zweite Bauabschnitt umgesetzt. „Die niedrige Belegungszahl macht es natürlich leichter“, sagt Bramm. Küche und Speisesaal sind noch eine große Baustelle, deshalb wird das Essen in zwei Zelten auf dem Rasenplatz vor dem Krankenhaus ausgegeben. Auch langfristig sei nur eine Ausgabeküche geplant, sagt Bramm. Die Mahlzeiten werden im Hermann-Bonus-Haus vorgekocht und ins Flüchtlingshaus gebracht. Im Küchenzelt findet am 5. Juli mit Unterstützung vieler ehrenamtlicher Helfer aus Osnabrücker Kirchengemeinden das Zuckerfest zum Ende des Ramadan statt.

Diakonie bleibt bis Ende 2016

Das Flüchtlingshaus ist fast eine „kleine Jobmaschine“, wie Conrad Bramm erklärt. In dem Komplex arbeiten 34 Menschen für die Landesaufnahmebehörde, 45 für die Diakonie, mindestens 60 stehen im Dienst des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, etwa 60 Beschäftigte sorgen rund um die Uhr für Sicherheit auf dem Gelände, die Arbeitsagentur ist hier mit zwei Beratern vertreten. Macht zusammen über 200 Arbeitsplätze.

Vor wenigen Tagen hat das Land Niedersachsen den Betreibervertrag mit der Diakonie um ein halbes Jahr bis Ende 2016 verlängert. Der Vertrag lief Ende Juni aus, und bis vor zwei Wochen war nicht sicher, wie es nach dem 30. Juni weitergehen würde. Die Verunsicherung unter den 45 Beschäftigten der Diakonie im Flüchtlingshaus wuchs, ist aber jetzt einer gewissen Zuversicht gewichen, langfristig im Haus arbeiten zu können. Das Land hat den Betrieb der Erstaufnahmeeinrichtung zum 1. Januar 2017 ausgeschrieben. Die Diakonie hat sich an der Ausschreibung beteiligt, wie Diakonie-Vorstand Gerhard Töller sagte.

Als das Land unter dem Druck der rasch wachsenden Flüchtlingszahlen 2014 am Natruper Holz eine weitere Erstaufnahmeeinrichtung schuf, übertrug es erstmals einer Wohlfahrtsorganisation den Betrieb des Hauses. Die Diakonie hatte damit keine Erfahrung. „Das war eine spannende Zeit, wie haben viel gelernt“, meint Gerhard Töller. Über die nun eineinhalb Jahre sei eine enge Bindung der Mitarbeiter zu der Aufgabe und zum Haus gewachsen.