Abschied mit Wehmut und Stolz Nach 25 Jahren endet Hilfe für Tschernobyl-Kinder

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Gasteeltern und Kinder hatten auch dieses Jahr wieder viel Spaß zusammenGasteeltern und Kinder hatten auch dieses Jahr wieder viel Spaß zusammen

Osnabrück. Mit einer Mischung aus Wehmut, Dankbarkeit und Stolz auf das Geleistete feierten Organisatoren, Gasteltern, Lehrer und Dolmetscher der Arbeitsgemeinschaft „Hilfe für Tschernobyl-Kinder“ den Abschluss der diesjährigen Ferienaktion. Zum letzten Mal waren Kinder aus der Region Gomel in Weißrussland zu Gast in Osnabrück, um sich vier Wochen lang von der hohen Strahlenbelastung in ihrer Heimat zu erholen. Die Aktion endet in diesem Jahr, weil die langjährigen Organisatoren keine Nachfolger finden.

„Es ist ein komisches Gefühl, dass jetzt alles zu Ende geht“, bemerkte Gastmutter Katja Holtgrefe, die zusammen mit ihrem Mann Jörg seit fünf Jahren bei der Aktion mitmacht. In diesem Jahr hatten sie Weronika (12), Walentina (10) und Ksenia (11) aus Gomel bei sich zuhause einquartiert. Zusammen mit den beiden eigenen Kindern des Paars haben sie viel Leben ins Haus gebracht. Am letzten gemeinsamen Abend wollen sie noch einmal zusammen im Garten grillen. 

„Wir haben uns überlegt, ob wir die Organisation zukünftig nicht übernehmen können“, sagte Katja Holtgrefe. Aber sie und ihr Mann seien beruflich zu sehr eingespannt, um das leisten zu können, was Hauptorganisator Karl-Heinz Rolfes mit seinem Team in den vergangenen Jahren auf die Beine gestellt haben. 

Rolfes hatte die Projektleitung von Pastor Christian Baethge übernommen, der die Aktion 1992, fünf Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe, ins Leben gerufen hatte. Die Idee, Kinder aus der stark verstrahlten Region in Weißrussland nach Deutschland einzuladen, kam damals aus der Landeskirche Hannover. Baethge hatte sie aufgegriffen und den Antrag zur Gründung des Arbeitskreises „Hilfe für Tschernobyl-Kinder“ beim evangelischen Kirchenkreis gestellt. Seitdem haben viele Ehrenamtliche die Ferienaktion mit persönlichem Engagement und Spenden unterstützt. 

Vier Sommerwochen lang konnten Kinder aus Weißrussland jedes Jahr Ferien in Osnabrück machen. Dabei waren Gasteltern und Organisatoren immer bemüht, den Kindern neben der Erholung in gesunder Umgebung etwas Besonderes zu bieten. „Der Schwimmunterricht im Schinkelbad gehört immer zu den beliebtesten Aktionen“, berichtete Rolfes. Aber auch Besuche im Zoo, in Spielparks oder auch Ausflüge an die Nordsee seien immer gut angekommen. 

„In den 25 Jahren haben wir hier nur Gastfreundschaft erlebt“, sagte Dolmetscherin und Lehrerin Tamara Bolsun, die die Aktion von Anfang an begleitet hat. Dank des Programms haben sie Deutschland kennen gelernt und Freundschaften geschlossen. „Das erscheint uns heute selbstverständlich, aber 1992, wenige Jahre nach dem Kalten Krieg, gehörten wir zu den ersten, die Brücken der Freundschaft gebaut haben.“ Diese Bande müssen unbedingt auch weiterhin bestehen bleiben, betonte Bolsun. 

30 Kinder aus Gomel waren in diesem Jahr zu Gast in Osnabrück

Am Rande des Abschlussfests im GZ Lerchenstraße ging ein Zettel herum, auf dem sich Gasteltern und Interessierte eintragen konnten, wenn sie 2017 an einem Gegenbesuch in Gomel teilnehmen möchten. „Allein und ohne Sprachkenntnisse würden wir uns das nicht zutrauen“, bemerkte Gastvater Jörg Holtgefe. Aber zusammen mit dem bewährten Team aus Osnabrück würden sie im nächsten Jahr gern einmal ihre Gastkinder bei ihren Familien besuchen.


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