NOZ Monatsrückblick Juni 2016 Unwetter, Parteiaustritte und United Tribunes

Von Frank Riehemann


Osnabrück. Ein heftiges Gewitter fegte über der Region und auch für die Stadt- und Gemeinderäte in Osnabrück und Umgebung war es ein recht stürmischer Monat. In den letzten Sitzungen vor der Sommerpause und kurz vor der Kommunalwahl im Herbst standen strittige Themen auf der Tagesordnung. Außerdem traten einige Kommunalpolitiker aus ihren Parteien aus. Die United Tribunes erhielten Besuch von der Polizei. Diese und weitere Themen bestimmten den Juni 2016. Ein Rückblick.

Am Monatsende zieht ein schweres Unwetter mit heftigen Gewittern und Starkregen über die Region Osnabrück und sorgt für umgestürzte Bäume, vollgelaufene Keller und Brände durch Blitzeinschläge. Verletzt wird zum Glück niemand. Polizei und Feuerwehr sind im Dauereinsatz. Einige Menschen haben sogar Spaß an den überfluteten Straßen. So nutzt ein junger Mann im Osnabrücker Stadtteil Voxtrup die überschwemmte Hannoversche Straße für eine Fahrt auf seinem Wakeboard.

In der letzten Sitzung des Osnabrücker Stadtrats vor den Sommerferien steht der Neumarkt wieder auf der Tagesordnung. SPD, Grüne, UWG, Piraten und die FDP lehnen einen Antrag von Michael Florysiak (Demokratische Mitte Deutschlands) ab, über den Verkehr auf dem Neumarkt eine Bürgerbefragung abzuhalten.

Bei einem Unfall auf der Martinistraße wird eine Radfahrerin schwer verletzt. Die Polizei schließt nicht aus, dass der Unfallfahrer mit erhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen ist. Im Internet kursieren Gerüchte über ein illegales Autorennen. Der Rat beschließt daraufhin, die Geschwindigkeitskontrollen auf der Martinistraße zu verstärken und eine stationäre Blitzanlage zu stationieren.

Im Fledder wird ein 2,5 Kilometer langes Teilstück des Haseuferwegs eröffnet. Zwischen der Schellenbergbrücke und dem Seilerweg haben Radfahrer jetzt eine Alternative zur viel befahrenen Mindener Straße. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) kritisiert die zu enge Fahrbahn an einigen Stellen sowie die Spurrillen und Wasserpfützen, die sich nach Regenfällen auf der Fahrbahn bilden.

Auch in Hellern wird die Vollendung eines wichtigen Verkehrsbauprojekts gefeiert. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert kann nach zweijähriger Bauzeit die Brücken am Hörner Weg über die Düte und die Eisenbahnlinie wieder freigeben. Der geplante Neubau der Brücke an der Hamburger Straße steht dagegen noch in weiter Ferne, da im Rechtsstreit mit der Zion GmbH keine Einigung in Sicht ist. Die Stadt prüft daher, ob die Brücke ausschließlich auf städtischen Grund entstehen kann.

In der Innenstadt sind wieder die Abrissbagger am Werk. Das Geschäftshaus in der Großen Straße, in dem früher Tchibo und Osnatel ihre Ladenlokale hatten, wird dem Erdboden gleich gemacht. Vermutlich noch in diesem Jahr werden die Arbeiten an einem Neubau beginnen, in dem das Telekommunikationsunternehmen Vodafon einziehen soll.

Fünf Schüler der Ruderriege des Ratsgymnasiums geraten bei einer Ruderwanderfahrt auf der Hochwasser führenden Donau unglücklich in eine Welle und kentern. Sie können sich unverletzt ans Ufer retten. Die Ingolstädter Polizei nennt es „völlig verantwortungslos“, dass die Schüler keine Rettungswesten trugen.

Für Schlagzeilen sorgt auch die rockerähnliche Gruppierung United Tribunes. Zunächst erhebt die Staatsanwaltschaft Osnabrück gegen sieben Mitglieder Anklage wegen Schutzgelderpressung. Wenige Tage später durchsuchen Spezialeinsatzkräfte der Polizei mehrere Wohnungen der United Tribunes nach Schusswaffen.

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert wird wegen Verletzung des Kunsturhebergesetzes angezeigt. Der Fotograf Sören Münzer wirft Griesert vor, ein Foto, ohne sein Einverständnis auf Facebook veröffentlicht zu haben.

Im Juni 2016 zeigt sich wieder einmal die Hilfsbereitschaft der Osnabrücker. 442 Bürger lassen sich für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei registrieren, um dem Baby Carolin zu helfen, das vor zwei Monaten mit einer schweren Immunerkrankung auf die Welt kam und dringend einen Stammzellenspender braucht. Auch zahlreiche Mitarbeiter des Kommunikationsdienstleisters KiKxxl lassen sich typisieren. Sie wollen einer Kollegin helfen, die an Blutkrebs erkrankt ist.

Beim Afrikanischen Markt vor dem Dom und dem Afrikamie-Festival vor dem Rathaus können die Besucher in die kulturelle Vielfalt des Kontinents eintauchen. Kunsthandwerk, Kulinarisches und Musik begeistern insgesamt mehr als 30.000 Besucher.

Rund um Osnabrück

Mit der Verlegung der B51 in Belm ergeben sich auch neue Möglichkeiten der Erschließung weiterer Gewerbegebiete. Während das ehemalige Hotel und jetzige Auktionshalle an der B51 abgerissen werden soll, könnte das alte Bahnhofsgebäude erhalten bleiben und für Büroräume umgebaut werden.

Der langjährige UWG-Fraktionsvorsitzende im Belmer Rat, Dieter Ewering, kündigt kurz vor der Kommunalwahl seine Mitgliedschaft bei der Wählergemeinschaft auf und tritt der SPD bei, für die er auch im September kandidieren will.

Auch in Wallenhorst wechselt ein Kommunalpolitiker die Partei. Alfons Börger, Gründungsmitglied der Grünen, will aus der Partei austreten und bei der Kommunalwahl in der Gemeinde und auf Kreisebene für die Wählergemeinschaft kandidieren.

Die Polizei ermittelt gegen den Abfallwirtschaftbetrieb des Landkreises (Awigo). Ein Nachbar des Awigo-Recyclinghofs in Wallenhorst-Hollage hatte Anzeige erstattet, weil er den Verdacht der Umweltverschmutzung hegt.

Der Wallenhorster Rat stimmt für eine Änderung des Bebauungsplans, damit Anfang 2017 das Töwerland-Gelände bebaut werden kann. Die Investoren planen einen dreiteiligen Komplex mit barrierefreien Wohnungen, einer Praxis und einem Büro im Erdgeschoss und einer Tagespflegeeinrichtung im hinteren Bereich. Der Rat stimmt auch für den Bebauungsplan „Westlich und nördlich Schwarzer See“. Damit können die Pläne für ein seit Jahren umstrittenes Gewerbegebiet auf dem Gelände umgesetzt werden.

Südkreis

Die Landkreis-FDP sorgt wieder für Schlagzeilen. Fünf Führungsmitglieder aus dem Ortsverband Osnabrück-Land-Süd einschließlich des Vorsitzenden Horst Blom treten aus der Partei aus. In den Gemeinderäten von Hilter und Bad Rothenfelde ist die FPD damit nicht mehr vertreten.

In Georgsmarienhütte soll das Rittergut Osthoff ausgebaut werden. Investoren reichen einen Antrag für den Bau eines Hotels im Bereich der ehemaligen Scheune ein. Auf einer Fläche von rund 1350 Quadratmetern werden 27 Zimmer mit einem „Bed & Breakfast“-Angebot sowie einem Büro und einem Garagenbereich entstehen.

Die St.-Peter-und-Paul-Kirche in Oesede wird nach sechsmonatiger Renovierung wieder geöffnet. Risse im Mauerwerk wurden beseitigt, Licht- und Akustikanlagen wurden modernisiert, und die Wände erhielten einen hellen Anstrich.

In Bad Iburg wird das Haus Kroneck-Salis nach umfangreicher Restaurierung als Café-Restaurant wieder eröffnet.

Bei einer groß angelegten Verkehrskontrolle auf der Kreisstraße 330 zwischen Bissendorf und Hilter-Borgloh registriert die Polizei zahlreiche Geschwindigkeitsübertretungen und erteilt drei Fahrverbote und zahlreiche Ermahnungen und Bußgeldbescheide. Die Straße hatte in den letzten Jahren wegen zahlreicher schwerer Verkehrsunfälle und Beschwerden der Anwohner wegen des unerträglichen Lärms der Motorräder für Schlagzeilen gesorgt.

Der Rat in Glandorf macht nach heftigen Auseinandersetzungen den Weg frei für Windkraftanlagen am Liener Landweg, an der Bever und der Averfehrdener Wüste. Anwohner wollen gegen den Flächennutzungsplan klagen.

In Dissen will Homann-Feinkost eine von drei Fabriken schließen. Die Produktion von Spezialsalaten soll auf die anderen beiden Fabriken in Dissen und auf andere Standorte der Gruppe verlagert werden. 70 Mitarbeiter sind betroffen.

In Bad Rothenfelde zieht die Hasselmann-Gruppe Konsequenzen aus den Protesten gegen den Bau einer 100-Betten-Klinik am Kurpark und nimmt die Pläne zurück. Jetzt sollen andere Möglichkeiten für die Realisierung einer Medical-Wellness-Klinik geprüft werden.

Ein anderes Projekt im Bad Rothenfelder Ortskern ist dagegen endlich vollendet. Nach neun Monaten Bauzeit wird die Frankfurter Straße als Flaniermeile wieder eröffnet.

Blick nach Westfalen

Das Technische Rettungsteam der Freiwilligen Feuerwehr Lotte wird in Osnabrück Deutscher Meister der Unfallretter.

Der Glaselementehersteller und -veredeler Mussweiler GmbH in Alt-Lotte meldet Insolvenz an. Weil einige Großkunden ihre Rechnungen nicht bezahlt haben, ist das Traditionsunternehmen in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Der Betrieb soll jedoch weiter laufen und die Mitarbeiter werden weiter beschäftigt.

Persönlich

Liz Frank und Elizabeth Khaxas erhalten im Osnabrücker Rathaus den Preis „Rosa Courage“. Die beiden Aktivistinnen aus Namibia werden für ihr herausragendes Engagement für die Belange von Schwulen und Lesben gewürdigt.

Joachim Maßner, der ehemalige Superintendent des Kirchenkreises Osnabrück, stirbt im Alter von 86 Jahren.

Eva Berger, Leiterin des Kulturgeschichtlichen Museums Osnabrück, wird in den Ruhestand verabschiedet.


Hier fassen wir jeweils zum Ende eines Monats die wichtigsten Themen der vorangegangenen Wochen in Kurzform zusammen. Ähnlich wie in den beliebten Jahresrückblicken der Zeitung können Sie hier alles Wissenswerte des Monats aus Osnabrück und Umgebung Revue passieren lassen. Hyperlinks im Text führen Sie bequem zu vorheriger Berichterstattung.

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