Katrin Lazaruk von madeinosnabrueck Darth Vader vom Band – Osnabrückerin fertigt Kassetten-Porträts


Osnabrück. Die Kassette hat in deutschen Haushalten ausgedient. Doch eine Osnabrücker Künstlerin verhilft dem nostalgischen Tonträger zu einem hippen Revival. Mit ihrem Label „madeinosnabrueck“ fertigt Katrin Lazaruk Porträts aus Kassettenbändern.

Lange Flure, große Räume, viele Bilder. Die meisten Kinder langweilen sich im Museum. Katrin Lazaruk nicht. In ihrer Kindheit musste der Spielplatz nicht das Ziel aller Ausflüge sein. Viel lieber verbrachte sie ihre Zeit in Ausstellungen, bestaunte die Werke von Künstlern und griff zu Hause selbst zu Stift, Farben, Papier oder Pappe und Schere. Heute gleicht ihr Arbeitsplatz einer Ausstellung. Einen Unterschied zu den alten Meistern im Museum gibt es allerdings. Katrin Lazaruk fertig ihre Porträts weder mit dem Pinsel noch mit Ölfarbe. Kassettenband und ein Cuttermesser sind ihre Werkzeuge.

Auf den Regalen in ihrem Wohnatelier reihen sich verschiedenste Kassettenbilder aneinander. Im untersten steht ein Porträt des Regisseurs Woody Allen, direkt über ihm rekelt sich eine nackte Frau. Gegenüber warten Darth Vader und Elvis in Folie verpackt auf ihren Versand.

Tape Art verhilft Kassette zu Revival

Tape Art nennt sich die Kunst, die auch aus Klebebändern gefertigt wird. Bunte Streifen lassen auf Außenfassaden, Leinwänden oder Holz abstrakte und farbenfrohe Bilder entstehen. Vor acht Jahren kam Lazaruk die Idee, mit ihrer Kunst der Kassette zu einem Revival zu verhelfen. Kleben, zeichnen, schneiden, abziehen und polieren: Lange probierte sich die gebürtige Weißrussin, die seit mehr als 18 Jahren in Osnabrück lebt, mit Klebstoffen und Schneidetechniken aus, ehe sie mit ihren Werken wirklich zufrieden war. „Meine ersten Bilder sahen alles andere als gut aus“, sagt die 28-Jährige. „Heute arbeite ich viel detaillierter.“

Während sie anfangs vor allem Musiker darstellte, schafft sie heute aus dem Kassettenband auch Film- und Videospielfiguren, Kinder- und Alltagsmotive oder individuelle Porträts ihrer Kunden. Zu ihrem beliebtesten Bild gehört ein schaukelndes Kind. „Aber bärtige Männer laufen aktuell auch sehr gut, und ich weiß nicht warum“, sagt sie und lacht. Mit ihrem Label „madeinosnabrueck“ hat sie sich in den vergangenen Jahren auf Märkten und Messen in ganz Deutschland als selbstständige Künstlerin einen Namen gemacht.

Verzicht auf Sicherheit und Einfachheit

Dabei dachte Katrin Lazaruk zuvor nie darüber nach, sich selbstständig zu verwirklichen. In ihrer Jugend träumte sie davon, Abitur zu machen und Kunst zu studieren. Doch nach der Schule ging es für sie zum Modehaus Lengermann und Trieschmann. Dort absolvierte sie eine Ausbildung zur Schaufensterdekorateurin. Hier lernte sie in ihrem letzten Lehrjahr ihren Lebensgefährten Steve McGuire kennen, der für L+T die Markthalle gestaltete. Das freie Arbeiten des Osnabrücker Künstlers ließ in Lazaruk den Wunsch reifen, sich auszuprobieren. So verzichtete die damals 19-Jährige auf Sicherheit und Einfachheit durch eine Übernahme bei dem Modehaus und wagte sich in die Selbstständigkeit.

Bis zu vierzig Bilder am Tag

Bereut hat Katrin Lazaruk diesen Schritt nicht. Bis zum Jahr 2014 verkaufte sie ihre Tape Art und weitere Kunststücke gemeinsam mit McGuire in einem eigenen Laden in der Redlingerstraße, der genau wie ihr Label den Namen „Made in Osnabrück“ trug. Heute wird in dem Shop Kaffee verkauft, das Künstlerpaar arbeitet von zu Hause aus. Mit der Aufgabe des Ladens veränderte sich auch ihr Alltag. Inzwischen fokussiert sich Lazaruks Schaffen vollkommen auf die Kassettenkunst. In ihrem Atelier produziert sie an manchen Tagen wie am Fließband. „Wenn ich gut gelaunt bin, schaffe ich zwischen dreißig und vierzig Bilder am Tag“, sagt die Künstlerin. Meist arbeitet sie an verschiedenen Bildern parallel. Bis zu zehn Kunstwerke gestaltet sie parallel: Band befestigen, Motiv aufzeichnen, Form ausschneiden, Folie abziehen und polieren.

Arbeiten bis spät in die Nacht

Katrin Lazaruk liebt ihren Job. So sehr, dass sie an manchen Abenden bis tief in die Nacht über ihren Werken sitzt. Von der freien Zeiteinteilung ihrer Arbeit profitiert nicht nur die junge Frau, sondern auch Hund Charly. Bei gutem Wetter wird die Pause von Frauchen einfach verlängert, und der Mops-Spitz-Mischling freut sich über lange Spaziergänge. Die Zeit, die sie durch das Gassigehen verliert, hängt die Unternehmerin einfach an ihre Arbeitszeit dran.

Feste Einnahmen über Märkte

Auch das Wochenende findet für Lazaruk anders statt. Während sie unter der Woche an ihren Bildern arbeitet und Bestellungen verschickt, verbringt sie ihre Samstage und Sonntage auf Messen und Märkten. Denn ihr Stand in Hamburg, Köln oder Berlin sichert ihr feste Einnahmen. Hier gewinnt sie neue Kunden und kann für ihren Onlineshop werben. An die Rolle der Verkäuferin gewöhnt sich Katrin Lazaruk immer noch. Anfangs sei es für sie schwierig gewesen, mit ihrer Kunst nach außen zu treten. „Als Künstlerin gebe ich mit meinen Bildern Persönliches preis.“

Kassetten von Freunden und Kunden

Ein Schritt, der sich gelohnt hat. Heute erhält Lazaruk über ihren Onlineshop Bestellungen aus ganz Deutschland, mehr als tausend Kunstwerke verkauft sie pro Jahr. Für ein Bild verbraucht Lazaruk eine Kassette. Sorge, dass ihr die Bänder einmal ausgehen könnten, hat sie nicht. Wie von selbst füllt sich ihre Box regelmäßig mit alten Kassetten. Freunde und Kunden schicken ihr die Tonträger oder die Künstlerin holt sie bei den Spendern ab. Einen Stopmodus wie im Kassettenrekorder wird es somit nicht geben. Die Bänder von Katrin Lazaruk spielen zwar keine Musik mehr ab, dafür jedoch an der Wand der Menschen mit deren Fantasie.


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