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Spitzenkandidat reinmontiert FDP Osnabrück pfuscht am eigenen Wahlkampf-Foto

Von Sebastian Stricker


Osnabrück. Die FDP Osnabrück hat ein offizielles Gruppenfoto für die Kommunalwahl 2016 manipuliert. Ein Spitzenkandidat wurde nachträglich ins Bild montiert. Auf Twitter flog der Schwindel jetzt auf.

Acht Personen zeigt das Foto, das vor dem Osnabrücker Rathaus aufgenommen und am Sonntag in einer Pressemitteilung von der FDP verbreitet wurde. Doch nur sieben Liberale standen bei dem Shooting Mitte Juni tatsächlich vor der Kamera.

„Einen haben wir nachträglich am Computer eingesetzt, weil er an dem Tag verhindert war“, räumte Kreisvorsitzender Moritz Gallenkamp am Montag auf Nachfrage ein. Was leider auch fehlte: ein Hinweis auf die Fotomontage in der Pressemitteilung. So veröffentlichte unsere Redaktion unabsichtlich ein manipuliertes Bild, ohne dies – wie üblich – für die Leser kenntlich zu machen.

Füße in der Luft

Bemerkt hat den FDP-Pfusch zuerst der Osnabrücker Fahrradblogger und Pressereferent der Grünen-Kreistagsfraktion, Daniel Doerk. „Die zweite Reihe auf jeden Fall schon mal großartig ins Bild montiert“, twitterte er am Montag mit Bezug auf unseren Bericht. Ein Vorwurf, den die Freidemokraten in Gestalt von Gallenkamp zunächst bestritten. „Tja, leider nicht richtig hingeschaut, aber irren ist menschlich“, so ihr spitzfindiger Antwort-Tweet.

Erst als Doerk nachhakte („Ernsthaft? Mindestens Jochen Wagner ist reinmontiert“), gaben die Osnabrücker Liberalen zu: „Bei einem Kandidaten mussten wir nachhelfen – ja, das stimmt.“ Und tatsächlich: Wer sich das Gruppenfoto genau ansieht, erkennt, dass bei Wagner zum Beispiel die Füße leicht in der Luft hängen, während sie bei den anderen sieben Spitzenkandidaten fest auf dem Kopfsteinpflaster des Marktes stehen.

Keine Urheberrechtsverletzung

Von unserer Redaktion auf die (zugegebenermaßen sehr gelungene) Fotomontage und die fehlende Kennzeichnung angesprochen, erklärte Gallenkamp, der Sache keine Relevanz beigemessen zu haben. „Ich habe es nicht für wichtig gehalten, darauf aufmerksam zu machen“, so der Jurist. Zumal Wagner selbst wie auch der Fotograf beide mit der Bildbearbeitung einverstanden gewesen seien.

Rechtlich scheint die FDP Osnabrück damit auf der sicheren Seite. Auch der auf diesem Gebiet spezialisierte Osnabrücker Rechtsanwalt Christopher Tenfelde kann keinen Verstoß gegen Urheberrechte erkennen. „Natürlich handelt es sich bei der Fotomontage um eine Fälschung, aber das ist kein juristischer Begriff“, stellte er auf Nachfrage unserer Redaktion fest. Ein Hinweis auf die Manipulation wäre zwar „sicher wünschenswert gewesen, aber eine irgendwie geartete rechtliche Verpflichtung dazu gibt es nach meiner Einschätzung nicht“.

Slogan nicht bei Trump abgekupfert

Gleichwohl kündigte Moritz Gallenkamp an, in solchen Fällen künftig von Anfang an für Transparenz zu sorgen. Noch am Montag lieferte er auf der Facebook-Seite der FDP Osnabrück eine öffentliche Erklärung für das Zustandekommen des Wahlkampf-Fotos.

Was der Kreisvorsitzende außerdem klarstellen möchte: Der mit dem Bild verbreitete Slogan der FDP Osnabrück „Lasst Osnabrück großartig werden!“ sei keineswegs – wie in unserem Bericht assoziiert – dem von Donald Trump im Wettstreit um die US-Präsidentschaftskandidatur verwendeten Wahlspruch „Make America great again“ (Macht Amerika wieder großartig) entlehnt.

Mit Segen der Landes-FDP

„Mit diesem Rechtspopulisten möchten wir nicht in Verbindung gebracht werden“, sagte der FDP-Kreisvorsitzende. Vielmehr habe man sich bei der Mottofindung am FDP-Landesvorsitzenden Stefan Birkner orientiert. Der habe auf dem Landesparteitag im März den Satz geprägt: „Lasst Niedersachsen großartig sein!“ Die auf Osnabrück gemünzte Abwandlung des Ausspruchs sei mit der FDP-Landesgeschäftsstelle abgestimmt.