zuletzt aktualisiert vor

EU-Austritt Großbritanniens Brexit: So denkt die Royal British Legion in Osnabrück

Von Robert Schäfer


Osnabrück. Bei den Mitgliedern der Royal British Legion in Osnabrück wird der Brexit heiß diskutiert. Befürworter und Gegner sehen sich jedoch alle als Briten.

„Schwieriges Thema“ oder „Keiner hatte damit gerechnet“ – das sind die ersten Reaktionen, wenn man in der Vereinsgaststätte der Royal British Legion an der Berghoffstraße nach dem Brexit fragt. „Wer hier lebt, wird Probleme bekommen“, befürchtet zum Beispiel David Mason.

Gespaltenes Königreich

 

Im Club der Royal British Legion, einem britischen Wohltätigkeitsverein zur Unterstützung aktiver und ehemaliger Soldaten und deren Familien, erlebt man die Vielfalt, aber auch den besonderen Zusammenhalt der Briten – und ihre aktuelle Spaltung. Jeder hat seine persönliche Meinung, die meist im privaten Umfeld begründet ist. Liz Steele beispielsweise.

Sie ist die Einzige an diesem Abend, die bei der Entscheidung abstimmen durfte – und sie hat für den Brexit gestimmt, auch wenn sie erst drei Jahre in Deutschland lebt und im Falle einer strengen Trennung zwischen der EU und dem Königreich eventuell sogar mit einer Ausweisung rechnen müsste. Für sie zählen die Chancen, die sich aus dem Brexit ergeben. Ihre Kinder leben in England als Landwirte. Sie spüren den nachteiligen Effekt der EU. Regularien, Fremdbestimmung. Als Brite wolle man das nicht, sagt sie.

Eher Briten als Europäer

Und auch die Einwanderung gefalle ihr nicht. Eine größere Terrorgefahr sehe sie allerdings nicht. Es sei eher die „Einwanderung in die Sozialsysteme“, die ihr Sorgen bereitet. Die britischen Sozialsysteme seien anders aufgebaut als die deutschen, sagt sie. Schon jetzt reiche es nicht. Das Geld, was durch einen EU-Austritt gespart würde, solle unbedingt in diesem Bereich investiert werden – selbst wenn es nicht so viel werde, wie von den Politikern versprochen.

Das Thema Brexit wird in der Vereinsgaststätte heiß diskutiert. So unterschiedlich die persönlichen Ansichten und nationalen Ursprünge der Mitglieder sein mögen, in einem sind sich alle einig: Sie sind Briten, keine Europäer. Eine Aussage, die besonders bei den schottischen Briten üblich zu sein scheint. „Britisch von Geburt, schottisch durch die Gnade Gottes“, sagt Michael Riddoch und lacht. Eine Loslösung vom Vereinigten Königreich möchte der überzeugte Schotte dennoch nicht. Die Stimme seiner Heimat sei schon in London schwer zu hören, in einem großen Europa würde sie sicher total untergehen. Und ein Referendum, wie es die schottische Regierung jetzt ankündigt, könne eh nur von der britischen Regierung angesetzt werden.

Große Ungewissheit

Dennoch hätte er sich gewünscht, dass Großbritannien in der EU bleibt. „Aus Europa sind viele gute Ideen nach Großbritannien gekommen“, meint er. Allerdings habe die EU seiner Meinung nach auch zu viel politische Macht an sich gezogen. Wäre es bei einer reinen Wirtschaftsunion geblieben, wäre es wohl nie zu so einer Ablehnung der EU gekommen. Ihn bewegen die wirtschaftlichen Aspekte des Austritts. Der Wertverlust des britischen Pfunds, die Probleme im Handel – und nicht zuletzt der persönliche Aufenthaltsstatus. Trotz allem glaubt Riddoch jedoch nicht, dass er demnächst wieder eine Aufenthaltsgenehmigung braucht, wie er sie früher schon einmal hatte und die er noch immer bei sich trägt.

Einig ist allen die Ungewissheit. „Wir wissen nicht, was jetzt kommt“, sagen alle. Jetzt habe man die Büchse der Pandora geöffnet, meinen die Gegner des Brexit; jetzt haben wir die Chance etwas zu ändern, denken die Befürworter. Was die Briten in der Royal British Legion auszeichnet ist, wie fair und offen sie über das Thema diskutieren. Unterschiedliche Meinungen werden ausgetauscht, abgewogen und hart angegriffen. Eine persönliche Spaltung oder gar Gräben zwischen den Menschen gibt es anscheinend nicht.

Exil-Briten ohne Wahlrecht

Wahlrecht hatten die meisten Briten in Osnabrück übrigens nicht. Das war schon beim letzten schottischen Referendum so. „Wir fühlen uns nicht gut dabei“, bedauert Riddoch die Ausgrenzung durch die eigene Regierung. Schließlich seien sie alle Briten und wollten die Geschicke ihres Landes mitbestimmen – selbst wenn sie schon 30 Jahre in Deutschland leben.