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Streit ums Altkleider-Geschäft Landkreis Osnabrück bestückt Awigo-Höfe mit Sammelcontainern – Karitative Einrichtungen verärgert

Von Nadine Grunewald

So wie in der Stadt von den Service-Betrieben stellt der Landkreis auf den Awigo-Höfen Container auf. Foto: Michael HehmannSo wie in der Stadt von den Service-Betrieben stellt der Landkreis auf den Awigo-Höfen Container auf. Foto: Michael Hehmann

Osnabrück. Anfang des Jahres hat die Stadt Osnabrück die Altkleidersammlung für sich entdeckt und Container aufgestellt. Jetzt verändert sich auch die Sammlung im Osnabrücker Land. Haben dort bislang nur karitative Einrichtungen Container aufgestellt, beteiligt sich nun auch der Landkreis an der Sammlung. Die Recyclinghöfe der Abfallwirtschaftsgesellschaft Osnabrücker Land (Awigo) wurden mit Sammelbehältern bestückt. Kritiker fragen: Warum mischt sich der Landkreis da ein?

„Seit Jahren schon betreiben bewährte karitative Organisationen erfolgreich dieses Geschäft“, sagt Heinz Gravenkötter. Er leistet seit langer Zeit Entwicklungshilfe und kann nicht nachvollziehen, warum sich der Landkreis jetzt in dieses Thema einmischt. Ihn bewegt vor allem die Frage, wo die Altkleider aus den Containern der Awigo hingeschickt werden. „Der Landkreis soll nachweisen, dass die Sachen an Menschen gehen, die Not leiden“, erläutert Gravenkötter sein Anliegen. Der Geschäftsaspekt dürfe nicht im Vordergrund stehen. Denn: „Die Leute sollen das Gefühl haben, mit ihrer Kleiderspende etwas Gutes zu tun.“

Gravenkötter befürchtet zudem, dass die karitativen Organisationen unter dem Einfluss des Landkreises leiden. Die Sammlungen könnten in Geschäfte übergehen, die nicht kontrollierbar sind. „Die Gelder bleiben in der Geschäftskette stecken, und die Organisationen hier erhalten kaum etwas davon“, sagt er.

Mit den seit vergangenem Herbst aufgestellten Altkleidercontainern möchte der Landkreis die karitativen Organisationen aber nicht ausbooten. „Die bestehenden Container bleiben bestehen“, sagt Burkhard Riepenhoff, Pressesprecher des Landkreises. Ergänzend seien die 30 Grünabfallsammelplätze und die sechs Recyclinghöfe, die von der Awigo betrieben werden, mit jeweils einem oder zwei Sammelbehältern ausgestattet worden.

Vorteile für die Bürger

Riepenhoff sieht darin einige Vorteile. Den Bürgern werde auf diese Weise ein Weg abgenommen, da sie ihre ausgedienten Sachen alle an einem Ort entsorgen könnten. Außerdem arbeite auf den Recyclinghöfen Personal, und die Höfe hätten nachts zu. Dass Unglücke geschehen und beispielsweise jemand in einen Container falle, könne so vermieden werden. Kosten entstünden keine – von der Anschaffungsgebühr der Container abgesehen. Die belaufen sich pro Stück auf rund 400 Euro. Geld wolle der Landkreis mit den Kleidern aber nicht verdienen. Zurzeit rechne sich die Anschaffung für die Awigo auch nicht. „Wir wollen den Kunden einfach diesen Service anbieten“, erklärt Christian Große-Hartlage, Meister für Kreislauf-, Abfallwirtschaft und Städtereinigung bei der Awigo.

Der Kreisgeschäftsführer des DRK Osnabrücker Land, Karl Hermann Dittmar, bringt das Problem indes auf den Punkt: „Es wäre nicht richtig, wenn ich sagen würde, dass das keine Konkurrenz zu den Wohlfahrtsorganisationen ist.“ Außer dem DRK haben auch die Kolpingfamilie, die DLRG, die Malteser sowie die Heilpädagogische Hilfe Altkleidercontainer im Landkreis aufgestellt. „Aus der Sammlung ergibt sich ein Erlöspotenzial, auf das wir nicht verzichten können“, sagt Dittmar. Diese Mittel benötigten die Einrichtungen, um ihre Aufgaben wahrnehmen zu können.

Zurzeit befinden sich die Wohlfahrtsorganisationen und die Awigo in Gesprächen. Es soll nach einer Lösung gesucht werden, die für alle Parteien vertretbar ist. „Wir reden darüber, wie wir am sinnvollsten kooperieren können“, sagt Riepenhoff. Einig seien sich die Gesprächspartner bereits darüber, dass man etwas gegen die schwarzen Schafe der Altkleidersammlung, die ihre Container illegal aufstellen, unternehmen will.Außerdem sollen die Bürger selbst auswählen können, wem sie ihre Altkleider geben wollen, wie Dittmar sagte.

Zum aktuellen Stand der Dinge will sich niemand äußern. Christian Niehaves, Geschäftsführer der Awigo, sagt lediglich so viel: „Es läuft harmonisch.“ In der kommenden Woche sollen die Ergebnisse bekannt gegeben werden.

Doch was passiert überhaupt mit den Sachen, die in die Altkleidercontainer auf den Awigo-Höfen geworfen werden? Diese werden zunächst in einem Sortierbetrieb in Bohmte sortiert. Etwa 90 Prozent der Textilien werden anschließend in den Libanon und nach Jordanien verkauft. Der Rest geht nach Polen und Litauen, wie Große-Hartlage erläutert. Putzlappen und Reißwolle blieben in Deutschland.

Auch das Deutsche Rote Kreuz gibt die gespendeten Textilien nicht nur an seine Kleiderkammern, -initiativen und -läden. Was nicht mehr verwertbar ist, müsse kostenpflichtig auf Deponien entsorgt werden. Nicht mehr tragbare Textilien würden zu Dämmstoffen verarbeitet.

Osnabrück sammelt auch

Auch die Stadt Osnabrück hat das Feld der Altkleidersammlung für sich entdeckt. Die Osnabrücker Service-Betriebe haben Anfang des Jahres Container aufgestellt.

In diesem Zusammenhang äußert sich Reinhold Tarte, Geschäftsführer des Sortierbetriebs Wasteland aus Melle. „Jahrzehntelang hat es mit den karitativen Organisationen geklappt. Dieses System soll jetzt aufgegeben werden, weil die Kommunen das Geschäftsfeld entdeckt haben“, sagt er.

Die Altkleidersammlung habe jedoch dazu beigetragen, dass die karitativen Organisationen ein bestimmtes Budget zur Verfügung hätten. Statt einer öffentlichen Ausschreibung, zu der es laut Detlef Schnier, stellvertretender Betriebsleiter des OSB, im kommenden Jahr kommen könnte, empfiehlt Tarte eine Zusammenarbeit zwischen Kommune und karitativen Einrichtungen. „Die Kommune würde die Kontrolle behalten, und ein vernünftiger Recyclingweg wäre gesichert“, sagt er.