Ditib-Moschee und Hotel Walhalla Osnabrücker Muslime und Politiker beim Fastenbrechen

Von Gunhild Seyfert


Osnabrück. Im muslimischen Fastenmonat Ramadan ist das abendliche Fastenbrechen („Iftar-Essen“) eine Gelegenheit, Verbundenheit zu pflegen. In diese Tradition stellten sich jetzt Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert und die islamische Ditib-Gemeinde.

Kurz vor 22 Uhr füllt sich der große Saal der türkisch-islamischen Ditib-Gemeinde in der Moschee an der Frankenstraße. Für über 300 Menschen wird hier täglich ein schmackhaftes Essen zubereitet. In den Jahren zuvor waren es nur halb so viele – fast ausschließlich Mitglieder der Gemeinde kamen zum gemeinsamen Gebet und anschließenden Fastenbrechen. Doch inzwischen sind auch viele Flüchtlinge dabei. „Wir prüfen nicht, ob sie Muslime sind, wir wissen auch nicht, ob sie fasten. Jeder, der kommt, kann einfach da sein und ist willkommen“ sagt Sami Sipahi über die neuen Gäste, die überwiegend in einer nahen Flüchtlingsunterkunft leben.

Der 26-jährige ist der neue zweite Imam der Moschee, die zum Dachverband der türkisch-islamischen Ditib gehört. Diese untersteht der Aufsicht des staatlichen Präsidiums für religiöse Angelegenheiten (Diyanet).

Sipahi gehört zu einer neuen, voll integrierten Generation von Imamen: Er wuchs in Herford auf, machte dort sein Abitur, studierte mit einem Stipendium der Diyanet fünf Jahre lang islamische Theologie in Ankara. Über die aktuellen Verstimmungen im deutsch-türkischen Verhältnis wegen der umstrittenen Resolution zum Völkermord an den Armeniern hört man von ihm an diesem Abend kein Wort. Denn er ist als Imam von der Ditib dazu verpflichtet, Politik aus seinem Wirken in der Moschee herauszuhalten.

OB lädt ins Walhalla ein

Einen Tag später im Hotel Walhalla nimmt Wolfgang Griesert dann durchaus Bezug auf aktuelle Geschehnisse: Bei der offiziellen Fastenbrechen-Veranstaltung der Stadt, zu dem der Oberbürgermeister jedes Jahr Vertreter von islamischen Gemeinden und Vereinigungen einlädt, betont er, dass man in Osnabrück eine von Frieden und Respekt geprägte Haltung lebe. Wer nach radikal-islamistisch motivierten Terroranschlägen „unter Generalverdacht gestellt wird, dem gilt jetzt unsere Solidarität“, sagt Griesert.

Der Oberbürgermeister bedankt sich ausdrücklich bei den Osnabrücker Moscheegemeinden, die viele Flüchtlinge unterstützten und ihnen das Gefühl vermittelten, zumindest noch eine religiöse Heimat zu haben. „Die Moscheegemeinden sind ein Netzwerk der Hilfe. Wir brauchen Sie als Mitbürgerinnen und Mitbürger in der Stadt“, hebt der Oberbürgermeister hervor.