Neue Leitlinien Inklusion Kreis Osnabrück fordert: Behinderte beschäftigen

Von Jean-Charles Fays

Der Kreistag Osnabrück hat einstimmig zehn neue Kernziele zur Inklusion beschlossen. Auf Basis einer Bestandsanalyse haben acht Arbeitsgruppen Handlungsvorschläge für zukünftige Maßnahmen von Erziehung und Bildung über Kultur, Sport, Pflege bis hin zu Mobilität und Barrierefreiheit erarbeitet. Das Bild zeigt Kinder mit und ohne Behinderung beim Sportunterricht an einer Schule in Bayern.Archivfoto: DPADer Kreistag Osnabrück hat einstimmig zehn neue Kernziele zur Inklusion beschlossen. Auf Basis einer Bestandsanalyse haben acht Arbeitsgruppen Handlungsvorschläge für zukünftige Maßnahmen von Erziehung und Bildung über Kultur, Sport, Pflege bis hin zu Mobilität und Barrierefreiheit erarbeitet. Das Bild zeigt Kinder mit und ohne Behinderung beim Sportunterricht an einer Schule in Bayern.Archivfoto: DPA

Osnabrück. Der Landkreis Osnabrück kritisiert in den neuen Leitlinien zur Inklusion eine „zurückhaltende Beschäftigung“ von Menschen mit Behinderungen. Viele Arbeitgeber hätten Vorurteile im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit schwerbehinderter Bewerber.

Auch die Sorge vor höheren finanziellen Belastungen und Einschränkungen durch den besonderen Kündigungsschutz schwerbehinderter Beschäftigter spiele eine Rolle. „Darüber hinaus sind die möglichen Unterstützungsleistungen zur Förderung der Beschäftigung nicht allen Arbeitgebern hinreichend bekannt oder werden aus unterschiedlichen Gründen nicht in Anspruch genommen“, heißt es in den Leitlinien. Um mehr Behinderte auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln, wollen die Maßarbeit und der Fachdienst Soziales stärker ihre bestehenden Netzwerke bei Wirtschaftsförderung, Agentur für Arbeit, Bildungsträgern, Kammern und Verbänden nutzen, um Unternehmen vom Nutzen schwerbehinderter Arbeitnehmer zu überzeugen.

Imagekampagne mit vorbildlichen Unternehmen

Dabei soll die Vermittlung weitestgehend aus einer Hand erfolgen und die verschiedenen Maßnahmen sollen gebündelt und koordiniert durchgeführt werden. Zudem sollen in einer Imagekampagne Unternehmen vorgestellt werden, die in dieser Hinsicht vorbildlich arbeiten. Außerdem sollen Integrationsprojekte und die Beratung von Menschen mit Behinderung weiter ausgebaut werden. Der Landkreis will selbst mit gutem Beispiel vorangehen, indem er keine Ausgleichsabgabe bezahlt, sondern die vorgeschriebene gesetzliche Zahl von schwerbehinderten Menschen beschäftigt.

Leitlinien werden in Kürze als Broschüre veröffentlicht

Das ist ein Ergebnis einer Bestandsanalyse des Landkreises. Für die Leitlinien Inklusion haben acht Arbeitsgruppen Handlungsvorschläge für zukünftige Maßnahmen erarbeitet. Die Leitlinien auf Basis der UN-Behindertenrechtskonvention werden in Kürze in Form einer Broschüre veröffentlicht. Acht Handlungsfelder von Erziehung und Bildung über Kultur, Sport, Pflege bis hin zu Mobilität und Barrierefreiheit wurden identifiziert. Über das Erreichte und die Notwendigkeit einer Fortschreibung der Leitlinien wird der Landkreis alle zwei Jahre berichten und dem Kreistag Mitte 2018 einen ersten Bericht vorlegen.

( Weiterlesen: Neue Leitlinien für Inklusion im Landkreis Osnabrück )

Der Landkreis hat sich in den Leitlinien zum Ziel gesetzt, für ein bedarfsdeckendes Wohnangebot für Menschen mit Behinderungen zu sorgen. Dazu sollen Infoblätter zu barrierefreiem Wohnraum herausgegeben und die Wohnberatung für Menschen mit Behinderung sowie die Beratung der Kommunen weiter ausgebaut werden. Der Landkreis will Informationen zu geeigneten Wohnungsangeboten sammeln und bis spätestens 2019 alle entsprechenden aktuellen Wohnungsangebote online stellen.

Von 765 Bushaltestellen im Kreisstraßennetz nur 115 barrierefrei

Beim Thema Mobilität und Barrierefreiheit moniert der Landkreis, dass von 765 Bushaltestellen im Kreisstraßennetz nur 15 Prozent und damit rund 115 barrierefrei ausgebaut sind. Bis Januar 2022 sollen auch die 650 anderen Bushaltestellen barrierefrei umgebaut werden. Damit müssten in den kommenden fünfeinhalb Jahren mehr als 100 Bushaltestellen pro Jahr barrierefrei werden. Die Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück und der Fachdienst Straßen arbeiten zurzeit an einem Umsetzungskonzept für alle Kreisstraßen-Bushaltestellen. Darüber hinaus sollen Bahnhöfe und Bushaltestellen flächendeckend mit akustischen und visuellen Hinweisen zu Abfahrtszeiten und Verspätungen ausgestattet werden. Außerdem ist geplant, Mitfahrerportale speziell für die Belange behinderter Menschen aufzubauen.

Weniger als die Hälfte der Wahllokale in Georgsmarienhütte und Bad Iburg sind barrierefrei

Für die Kommunalwahl am 11. September ist auch der Punkt „Barrierefrei zugängliche Wahllokale“ interessant. Die schlechtesten Quoten im Landkreis haben diesbezüglich Georgsmarienhütte und Bad Iburg. Von insgesamt 34 Wahllokalen sind in der Hüttenstadt nur 16 barrierefrei zugänglich, und in Bad Iburg sind von elf Wahllokalen nur drei barrierefrei zugänglich. Vorbildlich sind in dieser Hinsicht Bramsche, Wallenhorst, Hagen, Dissen, Bad Laer und die Samtgemeinde Neuenkirchen. Dort sind alle Wahllokale barrierefrei zugänglich.

Alle Kitas werden zertifiziert

In seinem Aktionsplan hat der Landkreis Maßnahmen genannt, die er gezielt angehen will. Dazu gehört unter anderen, dass alle Kitas in den kommenden drei Jahren zertifiziert werden und einen Qualitätsentwicklungsprozess durchlaufen. Die Zahl der barrierefreien Jugendtreffs soll in den kommenden fünf Jahren erhöht werden.

Bedarfsgerechte Ausstattung und Aufzüge bei Bedarf

Innerhalb von einem Jahr sollen alle Schulen in Trägerschaft des Landkreises mit Mobiliar sowie Lehr- und Lernmitteln bedarfsgerecht für inklusiv beschulte Kinder ausgestattet werden. Bezogen auf bauliche Maßnahmen wie Aufzüge sollen alle kreiseigenen Schulen innerhalb von einem Jahr „entsprechend dem notwendigen Bedarf“ barrierefrei ausgestattet werden.

Gesundheitsleistungen für Menschen mit Behinderungen im „Wegweiser Gesundheitsförderung“

Bis 2017 soll die bestehende Plattform „Wegweiser Gesundheitsförderung“ mit den Gesundheitsleistungen für Menschen mit Behinderungen erweitert werden. Eine Liste mit barrierefreien Praxen und Gesundheitseinrichtungen soll im Portal Arztauskunft Niedersachsen erstellt werden.

41.000 Menschen mit Behinderung im Landkreis Osnabrück

Im Landkreis Osnabrück leben aktuell rund 41.000 Menschen mit Behinderung und damit rund 12 Prozent der Einwohner im Landkreis.