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Autoverkauf neben Facebook und Google Osnabrücker Start-up-Gründer zieht ins Silicon Valley

Verkauft: Bislang kauft und verkauft Carlo Jesse, Gründer des Start-ups „Wir kaufen Ihr Auto“, Fahrzeuge nur deutschlandweit. Im Oktober zieht der Osnabrücker ins kalifornische Silicon Valley, um dort das Geschäftsmodell zu etablieren. Foto: David EbenerVerkauft: Bislang kauft und verkauft Carlo Jesse, Gründer des Start-ups „Wir kaufen Ihr Auto“, Fahrzeuge nur deutschlandweit. Im Oktober zieht der Osnabrücker ins kalifornische Silicon Valley, um dort das Geschäftsmodell zu etablieren. Foto: David Ebener

Osnabrück. Wer schon mal selbst ein Auto verkauft hat, weiß, wie viel Aufwand das sein kann. Das Unternehmen „Wir kaufen Ihr Auto“ nimmt derzeit deutschlandweit Privatverkäufern die Arbeit ab. Gegründet hat es der Osnabrücker Carlo Jesse, der im Oktober ins kalifornische Silicon Valley zieht – um in direkter Nachbarschaft von Facebook, Tesla und Google im amerikanischen Markt Fuß zu fassen.

Im Oktober 2014 hat Carlo Jesse das Unternehmen „Wir kaufen Ihr Auto“ gegründet. Die Idee dahinter: „Wir nehmen privaten Autoverkäufern die zeitaufwendige und nervenaufreibende Arbeit beim Verkauf ab“, sagt der 39-jährige Jesse. Anstatt den Wert des Fahrzeugs zu ermitteln, Fotos von diesem zu machen, eine Anzeige in der Zeitung oder im Internet aufzugeben und sich mit diversen Interessenten zu treffen, die das Fahrzeug dann doch nicht kaufen wollen, muss der Verkäufer nur auf der Internetseite des Unternehmens seine Daten eingeben. „Dann erhält er ein Angebot und wir holen das Auto innerhalb von 24 Stunden ab“, sagt Jesse. Dabei gelte der angebotene Preis, ein Schachern wie beim privaten Verkauf gebe es nicht.

Mehr als 30.000 Kunden

Das Unternehmen, dessen Logistikzentrale in Ibbenbüren ist, nimmt nur Fahrzeuge, die nicht älter als zehn Jahre alt und nicht mehr als 200.000 Kilometer gefahren sind. „Der Durchschnittswert liegt bei etwa 11.000 Euro“, sagt Jesse. Interessiert sich jemand für ein Auto, bringen die Mitarbeiter dieses zu ihm hin – der Interessent muss es dann allerdings auch kaufen, bekommt aber eine 100-Tage-Geld-zurück-Garantie. Wer das Auto doch nicht behalten will, darf nicht mehr als 1500 Kilometer damit gefahren sein. „Etwa ein Prozent der Käufer kommt auf das Angebot zurück“, sagt Jesse.

Seit der Gründung habe er mehr als 30.000 Kunden gewinnen können. Dank einer Google-Anzeige hätten sie bereits am ersten Tag das erste Auto gekauft. Und Jesse sieht noch viel Luft nach oben: „Jeden Monat wird in Deutschland 23.000 Mal bei Google nach ‚Auto verkaufen‘ gesucht. Wir können hier noch weiter wachsen, das Modell hat unendliches Potenzial.“

Umzug ins Silicon Valley

Während seine 20 Mitarbeiter das Unternehmen in Deutschland vorantreiben wollen, nimmt der Osnabrücker noch ein anderes Ziel in Angriff: Er will das Geschäftsmodell unter dem Namen „We buy your car“ in Amerika etablieren. Zum 1. Oktober zieht er deshalb mit seiner Frau und dem gemeinsamen drei Monate alten Kind in die Staaten. In unmittelbarer Nachbarschaft von Firmen wie Google, Tesla und Facebook wird Jesse ein Büro im Silicon Valley im US-Bundesstaat Kalifornien beziehen und mit der Unterstützung eines Praktikanten die Arbeit aufnehmen. Die Chance dazu bekommt der Osnabrücker vom Förderprogramm German Accelerator, das insgesamt 18 Start-up-Unternehmen aus 100 Bewerbern ausgewählt hat, die sich in New York oder dem Silicon Valley weiterentwickeln können. Die Unternehmen durften nicht älter als fünf Jahre sein und müssen bereits in Deutschland ihr Potenzial unter Beweis gestellt haben. Das German-Accelerator-Programm stellt den Start-ups ein Büro und Mentoren, die den Jungunternehmern dabei helfen, Fuß zu fassen.

Ein Bootcamp zum Start

„Diese Möglichkeit zu bekommen, ist ein absoluter Traum. Das Silicon Valley ist das Epizentrum der Gründerszene. Ich glaube, das ist eine riesige Inspirationsquelle“, sagt Jesse, für den es langsam ernst wird. Kommenden Monat muss er zur amerikanischen Botschaft in Frankfurt, um sein Business-Visum zu beantragen. Am 3. Oktober beginnt dann ein zweiwöchiges Bootcamp zusammen mit den Mentoren.

Der 39-Jährige, der drei Jahre in Bristol (England) und ein Jahr im niederländischen Rotterdam BWL studiert hat, hat „Respekt vor diesem Schritt“. Doch die Vorfreude überwiege – und er sei zuversichtlich, dass er auch in den USA Erfolg haben werde: „Der vollständig digitalisierte Prozess und der Service, dass wir das Auto beim Kunden abholen, ist in Deutschland einmalig und das gibt es auch in den USA nicht“, sagt Jesse. „Und die Amerikaner sind noch mehr auf Komfort gepolt.“


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