Künftig eigener Honig Leih-Bienen für das Osnabrücker „La Vie“

Von Stefanie Hiekmann

Zwei Bienenvölker leben seit Dienstag im Innenhof des Restaurants „La Vie“. Thomas Bühner (links) und sein Team bleiben aber weiterhin in der Küche. Um die Versorgung der Bienen kümmert sich Imker Dieter Schimanski. Foto: Stefanie HiekmannZwei Bienenvölker leben seit Dienstag im Innenhof des Restaurants „La Vie“. Thomas Bühner (links) und sein Team bleiben aber weiterhin in der Küche. Um die Versorgung der Bienen kümmert sich Imker Dieter Schimanski. Foto: Stefanie Hiekmann

Seit Dienstag wird im Osnabrücker Drei-Sterne-Restaurant „La Vie“ nicht nur gekocht, sondern auch geimkert: Im Innenhof des Gourmettempels stehen jetzt unmittelbar neben der großen Linde zwei Bienenstöcke. Der erste Honig ist im Juni 2017 zu erwarten.

Osnabrück. Unter die Imker gehen Starkoch Thomas Bühner und sein Team deswegen allerdings nicht. Stattdessen haben sie Dieter Schimanski aus Bremen mit der Aufgabe betraut, die „La Vie“-Bienen zu versorgen, zu pflegen und sich anschließend auch um das Abfüllen des Honigs zu kümmern. „Bee-Rent“ heißt das Unternehmen des Imkers. Die Idee dahinter: Unternehmen Bienenstöcke zu vermieten und sich durch ein Abo-Prinzip gleich mit um die Versorgung der Völker zu kümmern.

Schimanski sieht dies als ein Hilfsprojekt für den Bienenerhalt in Deutschland an. Denn immer mehr Bienen sterben, weil sie von der Varroamilbe befallen werden, berichtet er. Dieser Parasit gehöre schon seit mehreren Jahrzehnten zu den größten Gefahren für Bienenvölker überhaupt. Und der einzige Weg, etwas dagegen zu tun, so Schimanski, sei das Imkern.

„Bee-Rent“ vermietet Bienen

Schon als Kind habe er neben 25 bis 30 Bienenvölkern gelebt, die sein Vater gepflegt habe. Mittlerweile hat auch ihn die Leidenschaft gepackt, die er durch sein junges Unternehmen „Bee-Rent“ im vergangenen Jahr zu seinem zweiten Beruf gemacht hat – außerdem ist Schimanski geschäftsführender Gesellschafter einer Werbeagentur.

Thomas Bühner, Patron des „La Vie“, ist im Internet auf die Möglichkeit aufmerksam geworden, Bienen zu mieten. „Es freut mich, dass wir auf diese Weise etwas für den Erhalt der Bienen tun können“, sagt der Spitzenkoch. Honigbienen zählen in Deutschland zu den wichtigsten Nutztieren überhaupt, sind durch das Bienensterben aber bedroht. Die Idee von „Bee-Rent“ ermöglicht laut Schimanski die Unterstützung des Bienenerhalts ohne eigenen Zeiteinsatz. Dafür wird monatlich eine Leasing-Gebühr zwischen 139 und 169 Euro (je nach Laufzeit) erhoben, die die Besuche von Schimanski und seinem Imker-Team, die Pflege und die Begleitung der Bienen durch das Jahr abdeckt. Das Team des „La Vie“ wird also direkt gar nichts mit seinen neuen Bewohnern zu tun haben – wohl aber mit ihren Produkten.

Honigeis & Co

In rund einem Jahr, wenn der erste Honig fertig ist, wird es ans Experimentieren in der Küche gehen. Bereits jetzt gab es einige Kostproben: Ein Gemüse-Müsli mit Honig, ein cremig-karamellig schmeckendes Eis aus Honig – es gebe da noch so einige weitere Ideen, versichert Thomas Bühner. Denn selbstverständlich soll der eigene Honig dann auch in der „La Vie“-Küche verarbeitet werden. Zudem sollen einige der rund 100 Kilogramm, die pro Jahr an Ertrag zu erwarten sind, an Gäste verschenkt werden.

Angst vor unangenehmen Begegnungen mit den Bienen muss im Übrigen kein Restaurantbesucher und auch kein Nachbar haben, versichert Dieter Schimanski. Bienen interessierten sich nämlich weder für Kuchen und Desserts noch für Hauptgerichte. „Nur Honig selbst lockt sie an.“ Selbst Cola sei ihnen noch nicht süß genug. Außerdem beruhigend: Die Flughöhe der Tiere liegt normalerweise bei vier bis fünf Metern – die Altstadt-Bienen werden auf der Straße auf Augenhöhe also eher selten anzutreffen sein.


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