Neues zur Unfallursache Triebwerkspanne führte zu Absturz in Atter

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Foto: Swaantje HehmannFoto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Ein Leistungsverlust im linken Triebwerk hat zum Flugzeugabsturz im März in Atter geführt, bei dem vier Menschen verletzt wurden. Das geht aus einem Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung hervor.

Das monatliche Bulletin der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig dokumentiert die Ereignisse und den Flugverlauf vom 10. März. Der Flug endete nach nur zwei Minuten auf einer Wiese in der ehemaligen Kaserne an der Landwehrstraße in Atter. Der Pilot und ein Passagier erlitten schwere Verletzungen, die anderen beiden Insassen wurden leicht verletzt. Der Zwischenbericht bestätigt die ersten Mutmaßungen, dass es dem Piloten gelungen ist, einen Absturz in bewohntem Gebiet und damit ein viel schlimmeres Unglück zu verhindern.

Die Piper war um 11.05 Uhr vom Flugplatz Atterheide zu einem Geschäftsflug nach Offenburg gestartet. Die Maschine hob gegen den Wind Richtung Osten ab, anschließend flog der Pilot eine Kehre Richtung Westen auf die Stadt zu.

Nach Aussage des Piloten verlor das linke Triebwerk unmittelbar nach dem Start schlagartig an Leistung. Der Leistungsverlust sei leichtzeitig mit dem Einfahren des Fahrwerks eingetreten. Er habe das Einrasten des Fahrwerks deutlich wahrgenommen. Daraufhin habe er die Leistungshebel beider Triebwerke nach vorne geschoben. Er habe kurz versucht, die Linksdrehung des Flugzeugs zu korrigieren, sich dann aber – weil er das Klinikum vor sich sah – entschieden, die Linkskurve fortzusetzen und auf dem ehemaligen Kasernengelände zu landen. Ihm sei wichtig gewesen, die Geschwindigkeit zu halten und die Kontrolle über das Flugzeug nicht zu verlieren. Die Maschine habe aber an Höhe verloren.

Wie aus dem Zwischenbericht hervorgeht, musste der Pilot sehr schnell reagieren. Es sei keine Zeit geblieben, die im Handbuch enthaltenen Anweisungen für den Fall eines Triebwerksausfalls abzuarbeiten, zitiert der Bericht die Aussage des Piloten. Um keine Zeit zu verlieren, habe er den Restart des Triebwerks nicht mehr begonnen.

Augenzeugen hatten berichtet, dass die Maschine mit sehr lautem Motorengeräusch flach über die Häuser an der Landwehrstraße geflogen sei und mit letzter Energie das freie Feld in der Kaserne erreichte.

Ziel der Untersuchung durch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ist es, künftige Unfälle und Störungen zu verhüten. Die Ursachenforschung diene nicht dazu, Schuld- oder Haftungsfragen zu klären. Über eine Blackbox, die alle Flugdaten und den Funkverkehr aufzeichnet, verfügte die Maschine nicht. Deshalb stützt sich die Untersuchung vor allem auf die Aussagen der Beteiligten und auf Spuren am Unglücksort. Das eingebaute GPS-Gerät ermöglichte es den Experten von der Bundesstelle, den Flugweg exakt nachzuzeichnen. Bis ein Schlussbericht vorliegt, kann es noch Monate dauern.

Der Absturz und die Rettungsaktion hatten auch deshalb bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, weil ein irakischer Tierarzt, der zu dem Zeitpunkt in einer Flüchtlingsunterkunft auf dem Kasernengelände lebte, die Erstversorgung der Verletzten übernahm und einem Passagier dadurch das Leben rettete.


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