Evangelische Stiftungen informieren Seit 750 Jahren Hilfe für Arme und Kranke in Osnabrück

Von Rainer Lahmann-Lammert


Osnabrück. Ohne sie gäbe es manche Kindertagesstätte und manches Seniorenheim nicht, ebenso wenig das Café Oase. Bisher hielten sich die Evangelischen Stiftungen vornehm im Hintergrund. Am Montag ging der Vorstand zum ersten Mal an die Öffentlichkeit, um über seine Arbeit zu berichten.

Mit einem Stiftungsvermögen von 46 Millionen und einer jährlichen Ausschüttung von einer Million Euro zählen sich die Evangelischen Stiftungen in Osnabrück zu den großen Playern der Wohltätigkeit. Während andere Treuhänder mit ihrem Barvermögen unter der Niedrigzinspolitik leiden, verfügt das von Stadt und Kirche paritätisch besetzte Hilfswerk über sichere Werte wie 150 Mietwohnungen, 600 Erbbaurechte und 450 Hektar Wald. Die Fördertätigkeit sei kein Strohfeuer, erklärte Stiftungsvorstand Johannes Andrews im Jahrespressegespräch im Hotel Walhalla, „wir können nachhaltig finanzieren“.

Die Stadt sitzt mit im Boot

Der Verwaltungsvorstand setzt sich zu gleichen Teilen aus Vertretern der evangelischen Kirche und der Stadt Osnabrück zusammen. Als Vorsitzender dieses Gremiums wies Oberbürgermeister Wolfgang Griesert auf die Förderung für das Café Oase und das Café Mandela hin. In dem einen wird Menschen geholfen, die von Armut, Einsamkeit, psychischen Erkrankungen oder Sucht betroffen sind, das andere ist ein Begegnungsraum für geflüchtete Menschen und Einheimische.

„Ich bin stolz, dass sich die Stiftung über Jahrhunderte so entwickelt hat“, fügte der OB hinzu. Die Evangelischen Stiftungen berufen sich auf eine jahrhundertealte Tradition. Ihren Ursprung sehen sie in der Gründung des Hospitals zum Heiligen Geist 1250, „in dem Arme, Kranke und Alte Zuflucht finden konnten“, wie es in der Chronik vermerkt ist.

Schnell und unbürokratisch helfen

Die Fördertätigkeit orientiere sich am „Leitbild Menschlichkeit“, vermerkte Pastor Martin Steinke, der als stellvertretender Superintendent und stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats an dem Pressegespräch teilnahm. Für viele hilfsbedürftige Menschen in Osnabrück seien die Evangelischen Stiftungen ein Segen. Nicht nur für große Projekte gebe es Unterstützung, auch im Kleinen werde unbürokratische und schnell geholfen, erklärte Stiftungsvorstand Andrews. Das könne die Zuzahlung für die Brille einer Seniorin mit kleiner Rente sein oder ein Geldbetrag für die Beerdigungskosten einer Flüchtlingsfamilie.

Signal in die Öffentlichkeit

In der Vergangenheit hatten die Evangelischen Stiftungen gegenüber der Öffentlichkeit keine Rechenschaft abgelegt. Mit ihrer neuen Satzung und der Auszeichnung „zertifizierte Treuhandstiftung“ will die Traditionseinrichtung ihre Arbeit aber transparenter machen. Andrews räumte ein, dass auch öffentlich geäußerte Kritik zu diesem Umdenken geführt habe. Wer über Stiftungsvermögen verfüge, trage große Verantwortung. Der Stiftungsrat nehme sich viel Zeit, um sicherzustellen, dass das Geld an der richtigen Stelle ankomme, wie es Pastor Steinke ausdrückte. Dieses Signal wolle man auch in die Öffentlichkeit senden, erklärte OB Wolfgang Griesert.

In naher Zukunft ist ein Förderstipendium für bedürftige junge Menschen geplant, die an den Diakoniepflegeschulen in Osnabrück ausgebildet werden. Im Mai 2017 wollen sich die Evangelischen Stiftungen beim Deutschen Stiftungstag in Osnabrück vorstellen, zu dem 1800 Stifter, Mitarbeiter und Multiplikatoren erwartet werden.


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