VCD Osnabrück will Testverkauf Busfahrer: Niedersachsen-Ticket führt in die Irre

Von Sebastian Stricker

Willkommen an Bord?! Nach Angaben von Busfahrern in der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück führt der eingeschränkte Geltungsbereich des Niedersachsen-Tickets zu ständigen Diskussionen mit Fahrgästen und mithin zu Verspätungen. Foto: Michael GründelWillkommen an Bord?! Nach Angaben von Busfahrern in der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück führt der eingeschränkte Geltungsbereich des Niedersachsen-Tickets zu ständigen Diskussionen mit Fahrgästen und mithin zu Verspätungen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Busfahrer in der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) haben dem Eindruck von Verkehrsbetrieben und Tarifanbieter widersprochen, das Niedersachsen-Ticket stoße für ein flächendeckendes Angebot auf zu geringe Nachfrage. Der Verkehrsclub Osnabrück (VCD) fordert, die preiswerte Bus/Schiene-Tageskarte zur Probe anzubieten.

Ein Niedersachsen-Ticket, das zwar überall im Nordwesten zur freien Fahrt mit Regionalzügen berechtigt, aber nur stellenweise zur pauschalen Nutzung des weiterführenden ÖPNV wie Bus, U-Bahn, Straßenbahn oder S-Bahn, habe den Namen nicht verdient, kommentierte ein Busfahrer der VOS (Name der Redaktion bekannt)einen entsprechenden Bericht unserer Redaktion vom Wochenende . Die Gültigkeit des Billigfahrscheins auf Busse in der Stadt Osnabrück und Belm zu beschränken und den Landkreis Osnabrück auszuschließen, sei „irreführend“ und „enttäuschend für viele Bus- und Bahnkunden“.

„Ständige Diskussionen und Verspätungen“

Als Busfahrer in der VOS könne er nicht bestätigen, dass es in der Region keine Nachfrage nach dem Niedersachsen-Ticket gibt, heißt es in seiner E-Mail. „Es kommen am Hauptbahnhof Osnabrück immer wieder Fahrgäste mit dem Niedersachsen-Ticket an, denen man damit die Weiterfahrt zum Beispiel in unsere Kurorte verweigern muss – was zu ständigen Diskussionen und Verspätungen führt.“

Hinter den weißen Flecken im Geltungsbereich des Niedersachsen-Tickets, von denen der Landkreis Osnabrück nur einer ist, vermutet der VOS-Busfahrer Kalkül. So zeige die löchrige Landkarte auch, „wo eine effektive Vernetzung von Bus und Bahn nicht gewollt ist“.

Anbieter müssen Anreize schaffen

Der Verkehrsclub Deutschland (Kreisverband Osnabrück) hält die räumliche Begrenzung vor Ort für „nicht plausibel“. Beispielsweise sei es Fahrgästen kaum vermittelbar, dass das Niedersachsen-Ticket ausgerechnet in Bussen des VOS-Partners Weser-Ems-Bus nicht gilt – wo es sich doch um eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn handelt, in deren Nahverkehrszügen die Tageskarte wiederum akzeptiert wird. Er wolle sich weiterhin im VOS-Fahrgastbeirat für das vor allem bei Familien und Kleingruppen beliebte Niedersachsen-Ticket einsetzen, kündigte VCD-Vorsitzender Tobias Demircioglu am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion an.

In Sachen Ticketnachfrage schiebt er den Schwarzen Peter an die Verkehrsgemeinschaft Osnabrück zurück. Es sei Aufgabe der Anbieter und nicht der Kunden, Anreize für einen attraktiven ÖPNV zu schaffen, stellte Demircioglu fest. „Warum versucht man es beim Niedersachsen-Ticket im Landkreis Osnabrück nicht mit einem Testangebot?“, fragt der Fahrgastlobbyist.

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Die versuchsweise Herausgabe eines bestimmten Kontingents, verbunden mit geeigneter Werbung, würde die Nachfrage „sicher ankurbeln“. Bei anderen Tarifen wie etwa der „Abo-Jahreskarte XXL“ verfahre die VOS schließlich auch so. Der übertragbare Dauerfahrschein – zuvor exklusiv erhältlich für die Tarifzone 100 (Osnabrück/Belm) – wird Fahrgästen im Landkreis Osnabrück seit Anfang 2016 in begrenzter Stückzahl (100 Exemplare) angeboten und soll laut VOS bei „deutlicher Nachfrage“ zum Standard werden.


In Osnabrück und Belm (VOS-Tarifzone 100) ist das Niedersachsen-Ticket seit 2015 gültig. Hier berechtigt es einen Tag lang zu beliebig vielen Fahrten mit dem Stadtbus. Darüber hinaus lassen sich damit alle Regionalzüge in Niedersachsen, Hamburg und Bremen nutzen, außerdem sämtliche öffentliche Nahverkehrsmittel wie U-Bahnen, Straßenbahnen und S-Bahnen in insgesamt sechs Verkehrsverbünden und Tarifgemeinschaften.

Das Niedersachsen-Ticket ist für bis zu fünf Personen gültig und kostet zwischen 23 und 39 Euro. Wegen seiner gestaffelten Preise ist es besonders für Familien und Kleingruppen interessant. Eigene Kinder zwischen 6 und 14 Jahre fahren in Begleitung von maximal zwei Erwachsenen kostenlos mit. Während der diesjährigen Sommerferien kann das Niedersachsen-Ticket ausnahmsweise schon vor 9 Uhr morgens eingesetzt werden.