Kaum Nachfrage Niedersachsen-Ticket: Region Osnabrück bleibt weißer Fleck

Von Sebastian Stricker

Verkehrsgemeinschaft Osnabrück und Anbieter Niedersachsentarif GmbH sehen keine Veranlassung, den Geltungsbereich des Niedersachsen-Tickets über Osnabrück und Belm hinaus auszudehnen. Foto: NOZ-Archiv/Michael GründelVerkehrsgemeinschaft Osnabrück und Anbieter Niedersachsentarif GmbH sehen keine Veranlassung, den Geltungsbereich des Niedersachsen-Tickets über Osnabrück und Belm hinaus auszudehnen. Foto: NOZ-Archiv/Michael Gründel

Osnabrück. Mit dem Niedersachsen-Ticket preiswert und simpel einen Tag lang den gesamten ÖPNV nutzen? Was rund um Hamburg, Bremen und viele Großstädte im Nordwesten längst geht, bleibt in der Region Osnabrück wie in weiten Landesteilen vorläufig unmöglich.

Die Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) als Betreiber des regionalen Busverkehrs und die Niedersachsentarif GmbH (Nitag) als Anbieter des Niedersachen-Tickets sehen derzeit keine Veranlassung, den Geltungsbereich der Bus/Schiene-Zeitkarte über Osnabrück und Belm hinaus auszudehnen. Grund dafür sei fehlendes Kaufinteresse der Fahrgäste, erklären beide Vertragspartner übereinstimmend auf Nachfrage unserer Redaktion.

Zu fünft ab 23 Euro unterwegs

In Osnabrück und Belm (VOS-Tarifzone 100) ist das Niedersachsen-Ticket seit 2015 gültig. Hier berechtigt es einen Tag lang zu beliebig vielen Fahrten mit dem Stadtbus. Darüber hinaus lassen sich damit alle Regionalzüge in Niedersachsen, Hamburg und Bremen nutzen, außerdem sämtliche öffentliche Nahverkehrsmittel wie U-Bahnen, Straßenbahnen und S-Bahnen in insgesamt sechs Verkehrsverbünden und Tarifgemeinschaften.

Das Niedersachsen-Ticket ist für bis zu fünf Personen gültig und kostet zwischen 23 und 39 Euro. Wegen seiner gestaffelten Preise ist es besonders für Familien und Kleingruppen interessant. Eigene Kinder zwischen 6 und 14 Jahre fahren in Begleitung von maximal zwei Erwachsenen kostenlos mit. Während der diesjährigen Sommerferien kann das Niedersachsen-Ticket ausnahmsweise schon vor 9 Uhr morgens eingesetzt werden.

Partner gesprächsbereit

Wer allerdings seine Reise durch den Norden mit Bussen im Landkreis Osnabrück beginnt, braucht dafür auch in Zukunft zusätzliche Fahrscheine. „Seit der Ausweitung der Gültigkeit des Niedersachsen-Tickets auf den ÖPNV im Tarifgebiet der Stadt Osnabrück einschließlich Belm verzeichnen sowohl wir als auch die anderen VOS-Partner bislang keine gestiegene Nachfrage aus der Region Osnabrück“, stellt Marco Hörmeyer, Sprecher der Stadtwerke Osnabrück, für den Betreiber des örtlichen Stadtbusnetzes fest. Bei einer vorhandenen Nachfrage seien die VOS-Partner aber „gerne bereit, Gespräche mit allen Beteiligten zu einer möglichen Ausdehnung auf das weitere VOS-Gebiet zu führen“.

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Bei Nitag-Sprecher Thilo Knoblich klingt das so: „Wir müssen einräumen, dass wir eine annähernd vergleichbare Nachfrage für eine Einbeziehung des Landkreises Osnabrück bislang nicht wahrnehmen konnten. Deshalb haben wir dem bislang auch keine besonders hohe Priorität eingeräumt.“ Sollte sich „ein verstärkter Bedarf“ abzeichnen, sei die Nitag „jederzeit gesprächsbereit“. Knoblich weist jedoch darauf hin, dass die Gegebenheiten im Landkreis Osnabrück „ungleich heterogener“ seien als in der Stadt Osnabrück und dass „wesentlich mehr Beteiligte unter einen Hut gebracht werden“ müssten.

Halb Niedersachsen ausgeschlossen

Und wie sieht es im Rest des Landes mit dem Niedersachsen-Ticket aus? Auch das Emsland und die Grafschaft Bentheim sind diesbezüglich weiße Flecken, ebenso Ostfriesland einschließlich seiner Inseln. Nicht begünstigt werden ÖPNV-Kunden außerdem in den Regionen Nordsee-Elbe-Weser, Lüneburger Heide, Elbe und Wendland. Ferner sind Teile von Mittelweser und Weserbergland sowie die Gegend in und um Hildesheim von dem Pauschaltarif ausgeschlossen.

Und das wird vorläufig auch so bleiben. Zwar stelle die Nitag „generelle Überlegungen“ an, wie mit den verbleibenden Landesteilen umgegangen werden soll, in denen es keine Anerkennung des Niedersachsen-Tickets im weiterführenden ÖPNV gibt. „Hierzu können derzeit aber noch keine konkreten Aussagen getroffen werden“, so Sprecher Knoblich.