„Digitaler Nomade“ Ex-Osnabrücker verdient sein Geld am Strand in Thailand


Osnabrück. Arbeiten am Strand, umgeben von Palmen, Sonnenschein und Meer – wer träumt nicht davon? Für den früheren Osnabrücker Studenten Sören Weber und seine Freundin Lena Meyer ist das in Thailand Realität.

Sören Weber und Lena Meyer haben Deutschland im vergangenen September verlassen. „Wir haben unser komplettes Hab und Gut verkauft, um etwas Startkapital zu haben, und dann ging es los“, sagt Weber. Zurückgeblieben seien nur zwei Umzugskartons mit wichtigen Dokumenten und Erinnerungsstücken.

Unabhängig als digitale Nomaden

Ziel ihrer Reise war Thailand, wo sie seitdem als digitale Nomaden unterwegs sind. Darunter versteht man Menschen, die fast ausschließlich am Computer arbeiten und daher nicht an einen bestimmten Ort gebunden sind. „Wir haben festgestellt, dass uns ein Job im Büro zu festen Zeiten unzufrieden macht. Wir wollen selbstbestimmt arbeiten“, erklärt der gelernte Fachinformatiker, der nach seiner Ausbildung Kognitionswissenschaften in Osnabrück studiert hat.

Geld verdienen die beiden als Web-Entwickler. „Wir haben viel Erfahrung beim Aufbau von Internetpräsenzen“, sagt der 28-Jährige. Zuletzt haben sie unter anderem die Refotografie-Plattform www.re.photos technisch umgesetzt – ein Portal, das die Produktion und Verbreitung von Vorher-Nachher-Bildern unterstützt, etwa von der Großen Straße in Osnabrück – einmal im Jahr 1973 und einmal heute.

Kreativität statt Soziologie

Meyer ist eigentlich Soziologin und war zuletzt am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung tätig. „Web-Design habe ich mir im Selbststudium beigebracht“, sagt die 27-Jährige. Aufgegeben habe sie die Soziologie aber noch nicht: „Ich finde das Gebiet nach wie vor spannend.“ Im Moment schätze sie aber das flexible Leben und die kreativen Möglichkeiten ihrer Arbeit.

Nach Thailand hat es das Paar aufgrund positiver Urlaubserinnerungen verschlagen. „Deshalb kannten wir uns bereits etwas aus und wussten, dass uns Klima, Leute und Essen zusagen würden“, sagt Weber. Außerdem sei die Universitätsstadt Chiang Mai mit ihren rund 140.000 Einwohnern wegen des günstigen Wohnungsmarktes und einer guten technischen Infrastruktur zum internationalen Zentrum für digitale Nomaden geworden. (Weiterlesen: Werden Touristen in Thailand abgezockt?)

Thailand hat gute technische Infrastruktur

Weber und Meyer haben bislang in Bangkok, Krabi und auf der Insel Koh Lanta gelebt. Hinzu kamen einige Wochen Urlaub in Vietnam. Entscheidend für die Wahl des Wohnortes: eine gute und günstige Schlafmöglichkeit sowie eine hohe Bandbreite der Internetanschlüsse. Technisch sei Thailand in den Großstädten und touristischen Zentren gut ausgerüstet. „Wir haben bereits Anschlüsse nutzen dürfen, von deren Bandbreite viele deutsche Dorfbewohner nur träumen können“, sagt Weber und lacht.

Ihre Heimat würden sie nicht vermissen. „Wir haben unser sesshaftes Leben in eine dauerhafte Reise verwandelt und sind mit unserer Entscheidung sehr zufrieden. Wenn wir uns nach etwas anderem sehnen, können wir kurzfristig weiterziehen“, schildert Meyer. Immer am Meer sitzen die beiden beim Arbeiten übrigens nicht. In Chiang Mai hätten sie vor allem in Cafés und Coworking Spaces (Bürogemeinschaften) gearbeitet. „Auf Koh Lanta arbeiten wir in unserer klimatisierten Wohnung und nutzen Cafés oder den Strand bei kleineren und kreativen Aufgaben“, sagt Weber.

Thailändische Gepflogenheiten

Reicht das verdiente Geld zum Überleben? „Wir haben das Glück, derzeit genug zu verdienen, um auch langfristiger planen zu können“, freut sich der 28-Jährige. Für den Notfall hätten sie ein wenig Geld beiseitegelegt, um jederzeit nach Deutschland zurückkehren zu können. Daran würden sie aber im Moment nicht denken. „Thailand bietet uns eine vergleichsweise hohe Lebensqualität zu einem sehr günstigen Preis“, sagt Weber und fügt hinzu: „Mahlzeiten sind beispielsweise in Garküchen und Restaurants so günstig, dass wir nur wenige Male selbst gekocht haben.“

Die thailändische Kultur unterscheide sich in vielen Punkten von der deutschen: So begrüße man sich nicht mit einem Händedruck, sondern mit einem Wai, einer Geste mit aneinandergelegten Handflächen. Und private Häuser würden ohne Schuhe betreten. Die Thais beschreibt Weber als rücksichtsvoll: „Hier ist es wichtig, dass das Gegenüber nicht sein Gesicht verliert. In Konfliktsituationen verzichten die Thais auf Schuldzuweisungen und versuchen, mit beharrlicher Freundlichkeit ans Ziel zu kommen.“

Kosten in Höhe von 800 bis 2000 Euro

Nachteile ihres Nomadenlebens wollen den beiden nicht einfallen – außer, dass die Wohnungssuche nach einem Ortswechsel anstrengend und der Aufbau langfristiger Freundschaften schwierig sei. Die Lebenshaltungskosten lägen im Monat zwischen 800 und 2000 Euro, je nachdem wie teuer die Wohnung ist, wie oft die beiden verreisen und wie viele Sonderausgaben anfallen – etwa für Kleidung oder Arztbesuche.

Da ihr Visum für Thailand in wenigen Wochen ablaufe, planen sie, für zwei Monate auf Bali zu leben. Danach könnte es Richtung Europa gehen. „Wir würden uns gerne Georgien anschauen“, sagt Meyer. Langfristige Planungen, irgendwann nach Deutschland zurückzukehren, hätten sie derzeit nicht: „Dafür gibt es noch zu viel zu entdecken.“

Internetadressen

Lena Meyer berichtet auf www.dieweltentdecken.org über die Erlebnisse des Paares, die Reisekosten und gibt Tipps für Nachahmer. Die Seite www.gedankenspieler.org stellt die geschäftliche Webpräsenz der beiden dar.


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