Haus der Jugend Überzeugend: Theatermacher zeigen „Mein Freund“

Von Uta Biestmann-Kotte

Alina (2. von links Ute Schwidden) ist im Liebeswahn. Foto: Elvira PartonAlina (2. von links Ute Schwidden) ist im Liebeswahn. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Das Ensemble „Die Theatermacher Osnabrück“ zeigte ein psychologisch überzeugendes Stück „Mein Freund“ im Haus der Jugend auf.

Alina ist in Flo verliebt. Der will es lieber „langsam angehen lassen“. Alina überrascht ihn trotzdem mit frischen Brötchen, belästigt ihn mit SMS-Botschaften und lauert vor seiner Tür. Sie ist einfach wahnsinnig verliebt in ihren „Freund“.

Entwicklung zur Stalkerin

Am Mittwoch und am Donnerstag ging im Diskoraum vom Haus der Jugend die Eigenproduktion „Mein Freund“ des freien Off-Ensembles „Die Theatermacher Osnabrück“ über die Bühne. Gemeinsam mit elf Spielerinnen und Spielern des gruppeninternen „Geisterdreieck - Junges Ensemble“ entwickelte Autorin und Regisseurin Swaantje Ohlrogge ein 80-minütiges Psychogramm über eine verhuschte Studentin, die zur Stalkerin wird (künstlerische Leitung: Nils Stickan). Und das gelang dem jungen Ensemble im Alter zwischen 14 und 35 Jahren geradezu beängstigend authentisch.

„Liebe auf den ersten Blick“

Alina-Darstellerin Ute Schwidden bot die psychologisch überzeugende Metamorphose vom schüchternen grauen Mäuschen hin zur klammernden Stalkerin. Bereits vor dem Treffen mit Flo befindet sich Alina wegen familiärer Probleme bei einem Psychologen (Burhan Taylan Aytac) in Behandlung. Ansonsten räumt sie in der gemeinsamen Wohnung hinter ihrem jüngeren Bruder Basti (Gerritt Pols) her. Als sie auf Bastis Geburtstagsfeier den unbekümmerten Flo (Samuel James Stakemeier) trifft, steigert sie sich in die Wahnvorstellung einer „Liebe auf den ersten Blick“. Diese Liebe bestimmt fortan Alinas Alltag und lässt sie die Annäherungen des etwas stoffeligen Aaron (Fabian Sander) ignorieren.

Sucht nach Nähe

Um Alinas Sucht nach Nähe begreifbar zu machen, wurde in mehreren szenischen Rückblenden das Beziehungsdrama ihrer Eltern (Julian Khodadadegan und Miriam Burfeind) in die Handlung eingeschoben: vom ersten Kennenlernen über die Vorfreude aufs erste Kind bis zum bitteren Beziehungs-Aus, als der Vater die Familie verlässt.

Romantische Verirrung

Mit rasch austauschbaren Requisiten, einem Tisch und Stühlen konnten die verschiedenen Schauplätze voneinander abgegrenzt werden. Sanfte Gitarrenklänge von Komponist und Basti-Darsteller Gerritt Pols leiteten die einzelnen Szenen ein; penetrantes Türklingeln und aus dem Off gesprochene SMS-Botschaften verdeutlichten Alinas Liebeswahn. Dazu kamen Szenen, in denen die zwischen romantischer Verirrung und Realismus ringenden Persönlichkeitsanteile Alinas durch die Spielerinnen Lisa Greve und Regina Wolf personalisiert wurden. Ihre hoffnungslose Liebe drückte Alina auch in Songs aus. Am Ende singt sie dem flüchtigen Flo nach: „Ich bin immer für dich da“. Was für eine Drohung!