Ehemalige Essigfabrik Osnabrücker Bauprojekt „Kühnehof“ startet im Spätsommer


Osnabrück. Es riecht nicht mehr nach Essig. Vor zwölf Jahren schloss im „Blinddarm“-Abschnitt der Bohmter Straße die Produktionsstätte der Carl Kühne KG. Seit dem Abriss klafft dort eine Naturbrache. Der Projektentwickler kündigt den Beginn für das Bauprojekt „Kühnehof“ für den Spätsommer an.

Für Neumarkt-geschädigte Osnabrücker ist es nicht ungewöhnlich, wenn die in Aussicht gestellten Termine für einen Baustart mehrfach verschoben werden. Doch so langsam fragen sich die Nachbarn an der Bohmter Straße, die seit zweieinhalb Jahren auf eine zugewucherte Naturbrache schauen, ob es vielleicht doch alles Essig ist mit dem schon lange beworbenen „Kühnehof“ und seinen kühnen „Townhouses“, die laut Prospekt den heutigen Ansprüchen an modernes barrierefreies Wohnen gerecht werden und dabei mit ihrer „hanseatischen Klinkerarchitektur“ einen Anknüpfungspunkt an die alte Kühne-Bausubstanz setzen.

„Keineswegs, wir fangen im Spätsommer an“, versichert Frank Höving. Er ist Geschäftsführer der OS-Concept GmbH, die als Projektentwickler für den Bauherrn, die Futura Invest GmbH aus Bohmte-Hunteburg, auftritt. So schnell wie zunächst gedacht, als man noch den Baubeginn für 2014 angekündigt hatte, sei es nicht gegangen. Unter anderem, weil die Stadt eine Veränderungssperre bis zur Verabschiedung des neuen Bebauungsplans Nr. 536 „An den Klausegärten“ verhängt hatte. Die Stadt verfolgte damit die Absicht, den Innenbereich des Straßengevierts Bohmter Straße/Buersche Straße/ Humboldtstraße/Bülowstraße komplett neu zu ordnen und auch zusätzlichen Wohnraum zuzulassen, ohne dass der grüne Charakter des Blockinnenbereichs unkontrolliert verloren geht. Dazu war auch ein Umlegungsverfahren mit Neuparzellierungen notwendig. Die ehemalige Kühne-Liegenschaft, die Futura Invest Mitte 2013 von der Kühne-Zentrale in Hamburg erworben hatte, macht zwar nur einen kleineren Teil des 5,5 Hektar großen Plangebiets aus, musste aber dennoch das Gesamtverfahren abwarten.

Vermarktung läuft

Der erste Bauabschnitt wird sich auf die Wohneinheiten direkt an der Bohmter Straße beziehen. Hierfür läuft jetzt laut Frank Höving die Vermarktung auf Hochtouren. Zur Blockinnenseite hin folgt ein Hof, auf dem nach jetzigem Planungsstand ein riesiges stehendes Fass, der „Essigbildner“, als Erinnerungsposten an die frühere Nutzung seinen Platz finden wird. Daran anschließend, ist ein zweiter Bauabschnitt „Klausegärten“ geplant, der „in schonender Nachverdichtung“ den Übergang zu vorhandenen Gärten darstellt. Der Name „Klausegärten“ greift die Namensherkunft des Klushügels auf.

Zu Beginn der 1930er-Jahre hatte die Firma Carl Kühne aus Hamburg die Osnabrücker Betriebsstätte gegründet. Warenlogistik und Speditionsgewerbe waren noch weit vom heutigen Stand entfernt. Da machte es Sinn, Zweigbetriebe für die Belieferung der regionalen Märkte zu unterhalten. In besten Zeiten lag die Jahresproduktion in Osnabrück bei zehn Millionen Litern Essig. Bis zu 200 Mitarbeiter stellten auch Senf und Sauerkraut her und legten Gurken ein.

Aus für den Kühne-Standort

Als Kühne zu Beginn dieses Jahrtausends eine weitere Essigfabrik in Hamm hinzugekauft hatte, schlug das Pendel gegen den Standort Osnabrück aus. Einige Feinkosthersteller in Dissen und anderswo im Umland fanden die Nachricht gar nicht gut. Sie schätzten den Osnabrücker Essig wegen der Gärung ausschließlich in Holztanks ganz besonders. Die Zentrale in Hamburg ließ sich eine halbjährige Verlängerung abhandeln, aber zur Jahresmitte 2004 wurde die Produktion endgültig eingestellt. Neun Jahre lang stand die Immobilie leer. Regelmäßig schaute ein Wachdienst nach dem Rechten, bis dann 2013 die Verhandlungen mit dem Investor aus Hunteburg einen positiven Abschluss fanden.

Der „Essigbildner“, der als Anschauungs- und Denkmal-Objekt im neuen „Kühnehof“ aufgestellt werden soll, ist der zentrale Bestandteil der Essigproduktion. In ihm wurden der angelieferte hochprozentige Alkohol mit Wasser verdünnt und darüber Buchenholzspäne zur Oberflächenvergrößerung geschichtet. Unter fleißiger Mithilfe von Bakterienkulturen entstand in einem Oxidationsprozess Branntweinessig.


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