„El Cuarteto“ im Lortzinghaus Streichquartett Nr. 8 von Dimitri Schostakowitsch

Christoph Beyer

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Mit großer Präzision: Formation „El Cuarteto“ im Lortzinghaus. Foto: Egmont SeilerMit großer Präzision: Formation „El Cuarteto“ im Lortzinghaus. Foto: Egmont Seiler

cby Osnabrück. Mit seinem berühmten Streichquartett Nr. 8 übte der russische Komponist Dimitri Schostakowitsch (1906–1975) subtile Kritik am Sowjetregime. Das 1960 in Leningrad uraufgeführte Werk wurde nun bei einem Konzert im Haus der Freimaurerloge „Zum Goldenen Rade“ präsentiert.

Zwischen künstlerischem Freiheitsanspruch und den starren Konventionen des Stalinismus suchte sich Schostakowitsch seinen musikalischen Weg. Bedrängt von der Zensur, zugleich mit zahlreichen Preisen in seinem Heimatland bedacht, versuchte der berühmte Komponist seine künstlerische Würde im Totalitarismus zu wahren. Zahlreiche Beispiele für diese spannungsreiche Ambivalenz konnte Franziska Kießling (Geige) bei ihrer Werkeinführung zum Streichquartett Nr. 8 im Lortzinghaus beisteuern.

Gemeinsam mit Constanze Elster (Geige), Raphael Rahe (Cello) und Ingrid Pic Donaire (Bratsche) bildet Kießling die Formation „El Cuarteto“. Bevor die Musiker das Streichquartett in Gänze darboten, erläuterte Kießling eine knappe Stunde lang die Entstehungsgeschichte und die musikalischen Finessen des anspruchsvollen Stücks, dass sich vor allem durch zahlreiche musikalische Zitate und Verweise auszeichnet und nicht zuletzt dadurch eine Vielzahl unterschiedlicher Interpretationsansätze bietet. Unterbrochen wurden die Ausführungen jeweils von kurzen Hörbeispielen aus den insgesamt fünf Sätzen des Stücks. Schostakowitsch nahm dabei in Form einer autobiografischen Reflexion auch Bezug auf sein eigenes Werk, transformierte diese Bezüge allerdings stark.

Durch die Auswahl und Bearbeitung illustrierte er sein Spannungsverhältnis zum Regime. Komplex, düster und ernst, mit teilweise fast schon apokalyptisch anmutenden Passagen muteten nicht nur die präsentierten Hörbeispiele an, sondern auch die Darbietung des gesamten Stückes. Dabei gingen die vier Musiker mit enormer Präzision zu Werke, bewältigten etwa die treibenden Passagen des zweiten Satzes ebenso gekonnt wie die starke Variation der musikalischen Signatur im dritten Satz. Eine Klangwelt tat sich hier auf, die als beeindruckendes musikalisches Synonym für die totalitären Verirrungen des 20. Jahrhunderts gelten kann und ihre Wirkung auch in der Gegenwart nicht verfehlt, wie der anhaltende Applaus der Zuhörer belegte.


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