„Pub-Science“ der Uni am 9. Juni Osnabrücker Kneipen werden zum Chemielabor


Osnabrück. Ein Gummibärchen wird zur Rauchbombe, ein Grappa zum Flammenwerfer: Am Abend des 9. Juni lässt es die Uni richtig krachen und zischen – nicht im Chemielabor, sondern in acht Osnabrücker Kneipen. Beim „Pub-Science“ gibt‘s Experimente am Biertisch.

Chemie ist für ganze Schülergenerationen alles andere als das Lieblingsfach gewesen, aber das hindert Marco Beeken nicht, dafür zu werben. Nicht im Elfenbeinturm der Wissenschaft, sondern dort, wo sich Menschen auf ein Bier treffen. Der Juniorprofessor für Chemiedidaktik an der Osnabrücker Uni hat schon einen „Pub-Science“ (das heißt so viel wie „Kneipen-Wissenschaft“) in Cloppenburg veranstaltet. In Osnabrück wird alles noch eine Nummer größer.

Besser nicht trinken

Die lange Nacht der Experimente beginnt am Tag vor der Fußball-Europameisterschaft, am Donnerstag 9. Juni ab 18.30 Uhr. 50 Schülerinnen und Schüler von drei Osnabrücker Gymnasien ziehen durch die Kneipen und präsentieren den Gästen spektakuläre Schauexperimente. Im Grünen Jäger gab es am Donnerstag schon mal eine Kostprobe für die Presse. Nicolas Riedel und Linus Kreutzfeld (beide 16) von der Angelaschule brauten aus Schwefelsäure, Aethanol und Natriumsulfat einen Höllentrank zusammen, der optisch glatt als Bier durchgehen würde. Ihr Hinweis, „das sollte man nicht trinken!“ war angesichts dieser Zutaten entbehrlich.

Bei der Weinprobe gelang es den beiden Elftklässlern, mit Ammoniak und Schwefelsäure, Phenolphthalein und Eisen-III-Oxid Flüssigkeiten herzustellen, die mit ihrer charakteristischen Färbung jedem Weinkenner die Augen verdrehen würden – aber vor allem den Magen. Mit einer kleinen Einschränkung: Der angebliche Roséwein erinnerte denn doch mehr an Himbeerbrause mit künstlichem Aroma.

Gummibärchen sind nicht harmlos

20 Experimente haben die Schüler der Angelaschule, des Ratsgymnasiums, des Gymnasiums „In der Wüste“ und des Schülerforschungszentrums in ihrem Repertoire, und damit ziehen sie im Umlauf von Kneipe zu Kneipe. Wer also lange genug in einer Gaststätte bleibt, kann alle Versuche am Stück erleben. Bei schönem Wetter kommen vielleicht noch zwei Experimente dazu.

Wegen der starken Rauchentwicklung kann etwa die Gummibärchenhölle nur im Freien stattfinden. Dabei erscheint alles so harmlos. Das bei Kindern und Erwachsenen so beliebte Geleetierchen plumpst in eine Salzschmelze aus Kaliumchlorat, und schon ist die Feuerwehr im Anmarsch. Jedenfalls, wenn sie nicht schnell wieder abbestellt wird.

Besser als Pauken

Mit dem „Pub-Science“ will die Uni die Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) stärker in den Fokus rücken. Dafür hat sie sogar Ministerpräsident Stephan Weil als Schirmherrn gewonnen. Uni-Präsident Wolfgang Lücke spricht von einer „tollen Idee“, um interessierte Laien in einer angenehmen Atmosphäre mit Naturwissenschaften in Berührung zu bringen.

Iniatiator Marco Beeken, der Spezialist für Chemiedidaktik, sieht in dem Kneipenexperiment einen lebendigen Wissenstransfer. Seine wichtigste Zielgruppe sind natürlich Schüler, die vor der Entscheidung stehen, welches Fach sie studieren. Er ist überzeugt, dass die Präsentationen auf jeden Fall die Schüler voranbringt, die vor dem Publikum experimentieren. So würden auch die kommunikativen Fähigkeiten geschult. Wer so etwas mache, lerne mehr als beim Pauken für eine Klausur.

Folgende Gaststätten beteiligen sich am „Pub-Science“: Grüner Jäger, Zimmer Nr. 4, Zwiebel, Grüne Gans, Pollyester’s, Hausbrauerei Rampendahl, Alte Gaststätte Holling, bottled Café & Flaschenbar.


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