„Pimp your town“ Osnabrücker Schüler schlüpfen in die Rolle von Politikern

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Osnabrück. Schüler des Osnabrücker Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums und der Realschule Dissen sind in dieser Woche in die Rolle von Kommunalpolitikern geschlüpft – inklusive Ausschüsse und Ratssitzung. Hintergrund ist das vom Land Niedersachsen geförderte Projekt „Pimp your town“.

Ein Tagesordnungspunkt ist Elina Laas besonders wichtig: Freier WLAN-Zugang in der gesamten Innenstadt. Ob für die Navigation, den Busfahrplan oder die Nachrichtendienste Whatsapp und Snapchat – die Achtklässlerin vom Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium nutzt mit ihrem Smartphone viele Programme, die einen permanenten Internetzugang benötigen. „Viele Jugendliche tun das, aber was ist, wenn man kein Geld mehr auf dem Handy hat oder sich keine Flatrate leisten kann?“ Deshalb fordert sie ein kostenloses Netz in der Innenstadt – und begründet diesen Antrag vor dem vollbesetzten Osnabrücker Ratsplenum.

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Rund 90 Schüler vom Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium und von der Realschule Dissen haben in dieser Woche am Planspiel „Pimp your town“ (zu deutsch etwa: „Verbessere deine Stadt“) teilgenommen. Dabei schlüpften die Acht- und Zehntklässler für drei Tage in die Rolle von Kommunalpolitikern. Sie entwickelten Ideen und Anträge, berieten in Ausschüssen und stellten die Ergebnisse schließlich in einer fiktiven Ratssitzung zur Abstimmung. Organisator war der Verein „Politik zum Anfassen“ aus Hannover, der das Planspiel bereits seit 2009 in verschiedenen Städten und Gemeinden durchgeführt. Es wird vom niedersächsischen Kultusministerium gefördert und soll Jugendlichen „Lust auf Demokratie“ machen, wie es in der offiziellen Pressemitteilung heißt.

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Erster Schritt: Denkblockaden beseitigen

Das Konzept des Planspiels ist schnell erklärt: Am Montag bekamen die Jugendlichen eine Einführung in die Kommunalpolitik und sammelten die ersten eigene Ideen. Dabei musste das 16-köpfige Team um Projektleiterin Monika Dehmel so einige Denkblockaden aus dem Weg räumen: „,Das geht bestimmt nicht, das kostet ja Geld…‘ – da haben sich die Schüler häufig gleich am Anfang selbst eingeschränkt. Wir haben gesagt: ,Spinnen erlaubt!‘. Stellt euch vor, der Weihnachtsmann hätte Geschenke zu verteilen.“ Heraus kamen insgesamt 45 Vorschläge, unter anderem für ein grüneres Osnabrück, mehr Sauberkeit im öffentlichen Raum und einen Vorbereitungstag für Jugendliche vor der Kommunalwahl im September.

Am zweiten Projekttag stellten die Teilnehmer die gesammelten Ideen dann ihren Mitschülern vor und ließen sie ihre Meinung dazu äußern. „So haben wir mit dem Planspiel zwischen 400 und 500 Jugendliche erreicht“, so Projektleiterin Dehmel.

Wie richtige Ratspolitiker

Der Höhepunkt war zweifellos die fiktive Ratssitzung. Viele Schüler kamen sogar extra in Hemd und Bluse, „obwohl das keine Vorgabe von uns war“, wie Dehmel betonte. Bürgermeister Burkhard Jasper, der die Sitzung leitete, begrüßte die Schüler im Ratssaal und lobte ihre Dialogkultur. Über einen der Anträge sagte er mit einem Augenzwinkern: „Das war kurz und knackig. Ich würde mich freuen, wenn das im Rat auch immer so wäre.“

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Lehrer Alexander von Essen zeigte sich noch während der Sitzung überrascht: „Einige, die sonst im Unterricht eher still sind, blühen hier richtig auf.“ Außerhalb der Schule, ohne die Kontrolle der Lehrer und in der Diskussion unter Schülern trauen sich die Jugendlichen eher, für ihre Meinung einzutreten, so seine Erklärung. Aber auch im Politikunterricht in der achten Klasse am EMA-Gymnasium seien die Jugendlichen diskussionsfreudig: „Diese angeblich so passive Jugend, die sich nicht für Politik interessiert, erlebe ich in meiner Klasse nicht.“ Er sei wirklich stolz, wie gut sich die Schüler nach nur einem Jahr Politikunterricht in das Thema eingearbeitet hätten.

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Gar nicht so langweilig wie befürchtet

Elina Laas gab allerdings zu: Am Anfang hatte sie überhaupt keine Lust auf das Planspiel. „Ich habe mir das echt langweilig vorgestellt, aber es hat wirklich Spaß gemacht“, berichtet sie kurz nach ihrem großen Auftritt vor dem versammelten Plenum. „Im großen Saal aufzustehen und zu sagen: ‚Lieber Herr Ratspräsident, Liebe Kollegen...‘, das war schon schwierig. Aber es macht einen auch selbstbewusster.“

Ihr Antrag auf einen freien WLAN-Zugang in der Innenstadt wurde übrigens mit überwältigender Mehrheit angenommen. Ob er auch seinen Weg in eine echte Ratssitzung findet, wird sich noch zeigen. Die Ergebnisse des Planspiels werden in jedem Fall als Empfehlungen an die Osnabrücker Politiker weitergegeben. Anders als die Jugendlichen bleibt diesen allerdings nichts anderes übrig, als stets den Gedanken „das kostet ja Geld...“ im Hinterkopf zu haben.



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