„Oshi-Deutsch“ in Osnabrück Premiere von deutsch-namibischem Theaterprojekt

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Sandy Rudd und Gernot Grünewald inszenieren das Rechercheprojekt „Oshi-Deutsch – die DDR-Kinder von Namibia“. Foto: Michael GründelSandy Rudd und Gernot Grünewald inszenieren das Rechercheprojekt „Oshi-Deutsch – die DDR-Kinder von Namibia“. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. 400 namibische Kinder sollten in der DDR zu Führungskräften erzogen werden. Das Rechercheprojekt „Oshi-Deutsch“ am Theater Osnabrück erzählt ihre Geschichte.

Osnabrück sei ein „Deutschland für Anfänger“, sagt Sandy Rudd. Die Regisseurin leitet das von der Aussage ab, dass ihr Heimatland Namibia ein „Afrika für Anfänger“ sei. Die Friedensstadt empfindet die Regisseurin als freundlich und offen – und eben als einen guten Anfang für einen Aufenthalt in Deutschland.

Mit Pionierliedern erzogen

Zusammen mit Gernot Grünewald inszeniert sie das Stück „Oshi-Deutsch – Die DDR-Kinder von Namibia“ , das eine Geschichte erzählt, die in Namibia jeder, in Deutschland dagegen kaum jemand kennt. Ab 1979 wurden 400 namibische Kinder in der DDR im Sinne des Sozialismus erzogen. Im Jagdschloss Bellin bei Güstrow und auf der „Schule der Freundschaft“ in Staßfurt (Sachsen-Anhalt) sollten sie zur Führungselite ihrer afrikanischen Heimat ausgebildet werden. Denn die DDR unterstützte damals den Unabhängigkeitskampf Südwestafrikanischen Volksorganisation (SWAPO) gegen Südafrika.

Nach der Wende und nachdem Namibia 1990 unabhängig geworden war, wurden die Kinder, inzwischen Teenager, aber zurückgeschickt. Aufgezogen mit sozialistischen Pionierliedern war das Land aber nicht mehr ihre Heimat.

Deutsch-namibische Produktion

Das Theater Osnabrück greift diese Geschichte mit dem Rechercheprojekt auf. Grundlage des Stücks, das am Freitag im Emma-Theater uraufgeführt wird, sind Interviews mit den ehemaligen Heimkindern . Ihre Geschichte auf den Punkt zu bringen, sei gar nicht so leicht, erklärt Sandy Rudd. Denn letztlich hat jedes Kind seine eigene Geschichte.

Rudd inszeniert den in Namibia spielenden Teil, während Grünewald für den Part in Deutschland zuständig ist. Auch der Rest des Produktionsteams besteht aus Deutschen und Namibiern . Neben Marie Senf vom Theater Osnabrück ist der Namibier Ndinomholo Ndilula für die Dramaturgie zuständig, steht aber auch als Performer auf der Bühne. Dort ist er neben drei Osnabrücker Schauspielern einer von zehn Namibiern, von denen fünf erwachsen und fünf jugendlich sind. Das Besondere: Unter den Teenagern sind drei Kinder von in der DDR erzogenen Namibiern. „Die Kinder der Kinder – das war unser Hauptkriterium bei der Suche“, sagt Regisseur Gernot Grünewald . Denn sie können auch Deutsch sprechen, weil sie auf eine deutschsprachige Schule gehen. Theatererfahrung hatten die meisten jugendlichen Darsteller nicht.

Stück wird auch in Namibia gespielt

Sandy Rudd wollte schon 2000 ein Stück über die namibischen DDR-Kinder machen. Rudd hat schon vier Mal Stücke in Deutschland präsentiert. Dass sie hier auch inszeniert, ist eine Premiere. Und es ist sehr anders für sie als in ihrer Heimat. Ein Unterschied: das schnelle Tempo. Hier sei alles durchgetaktet, so Rudd. Das ist in ihrer Heimat anders.

„Oshi-Deutsch“ wird nicht nur in Osnabrück gezeigt, sondern geht anschließend nach Güstrow und Staßfurt und schließlich auch durch Namibia.


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