Subtile Entdeckungstour Drei künstlerische Positionen im Kunstquartier


Osnabrück. Während einer Sommerakademie lernten sie sich in Salzburg kennen: Claudia Bartholomäus aus Bremen, Beate Köhne aus Berlin und die in Osnabrück lebende Regine Wolff. Weil sich die drei Künstlerinnen auf Anhieb gut verstanden, planten sie eine gemeinsame Ausstellung. Das Ergebnis ist jetzt unter dem Titel „Long Time No See“ im BBK-Kunst-Quartier zu sehen.

„Ich male Seestücke“, behauptet Beate Köhne. Wer allerdings im Kunstquartier nach Bildern von aufgewühltem Meer, wohlmöglich  mit Segelschiffen im Kampf mit den Naturgewalten, Ausschau hält, wird enttäuscht. Köhnes „Seestücke“ sind nicht die, die man im konservativen Sinne erwartet. Ihre erschließen sich erst auf den zweiten Blick. Wenn man will, kann man dann in den Bildern Reflektionen im Wasser und die typischen kleinen Wellenbewegungen ausmachen, die der Wind auf einer Wasseroberfläche hinterlässt.

Ein Moment des Verstehens

Daher trägt die Ausstellung auch den Titel „Long Time No See“. Er hat nicht unbedingt mit der Urbedeutung der englischen Redewendung zu tun, dass man sich „lange nicht gesehen“ hat. Nein, der Titel will von den drei Künstlerinnen auch so verstanden werden, dass man ein Bild lange betrachten kann, ohne etwas zu erkennen, ohne einen Bezug dazu zu finden. Doch dann kann es passieren, dass plötzlich ein Moment des Verstehens oder Gefallens entsteht. Kunst hat ja seitens des Betrachters weniger mit Erkenntnis als mit Ästhetik und Geschmack zu tun. Jedenfalls sind die Blätter auf Papier, die Köhne während eines einmonatigen Künstleraufenthalts in einer spartanischen Hütte am Gartower See im Landkreis Lüchow-Dannenberg anfertigte, stimmungsvolle Naturimpressionen, die durchaus ansprechen.

Bezug zum Indianerfilm

In den Bildern von Regine Wolff geht es allerdings sehr viel lebendiger zu. „Heros“ nannte sie einen Bilderzyklus, mit dem sie Bezug zum Indianerfilm nimmt. Auf seinem Schimmel jagt der junge Indianer durchs Bild, wild und nur von einigen vertikalen Balken und Kreuzen stilistisch gebrochen. Es ist ein Statement, mit dem die Künstlerin eine Brücke zu Genres wie der Werbung und des Films nimmt, in denen eine prägnante Motivwahl und signifikanter Farbeinsatz gefragt sind.

Vom Figürlichen zum Abstrakten bewegt sich derweil Claudia Bartholomäus. Ihre Bilder, die sie in den vergangenen zwei Jahren anfertigte, weisen eine stetige Entwicklung auf. Die strukturierte Bildkomposition löst sich immer mehr auf, Figuren und Plätze verschwinden, machen filigranen Formen Platz, die die Künstlerin mit Ölfarbe und Buntstiften malt und zeichnet, fein, transluzid, mit einem Hauch Jugendstil. Kaum noch gegenständlich erscheinen diese Motive, sie sind aber offenbar floralen Ursprungs.


0 Kommentare