Osnabrücker Probebühne feiert Ältestes Amateurtheater der Stadt wird 50

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Osnabrück. Die Probebühne, Osnabrücks erstes und ältestes Amateurtheater, wird Anfang Juni 50 Jahre alt und hat mit diesem stolzen Jubiläum viel zu erzählen – auch über die Geschichte und Kultur der Stadt.

Jüngere mögen sich vielleicht fragen, warum sich viele eingefleischte und „stadtprominente“ Theatergänger und -kenner über Jahrzehnte möglichst keine Premiere in der Probebühne auslassen. Gibt es doch schließlich das Osnabrücker Stadttheater mit professionellem Ensemble und ungleich viel größerer finanzieller Ausstattung. Die Bühne in der Wiesenstraße dagegen arbeitet mit Amateuren, trägt sich wesentlich durch Mitgliedsbeiträge und nebenberufliches Engagement, kann also mit einem Profi-Spielbetrieb strukturell gar nicht mithalten.

Leidenschaftliches Engagement

Es ist vor allem das leidenschaftliche Engagement fürs Theater, das die Bühne seit ihren Anfängen trägt, so erklärt sich Hans Jürgen Meyer , seit 50 Jahren künstlerischer Leiter, den Erfolg. „Anders als Berufsschauspieler können wir uns Monate lang mit einem Stück beschäftigen und sind ungeteilt ergriffen davon“. Ein Engagement, dass zu künstlerischen und inhaltlichen Leistungen geführt hat, die schließlich auch so gewichtige und prominente Qualitätsprüfer wie das Berliner Theatertreffen honorierten.

Es ist eine Truppe aus Darstellern und Regisseuren, die sich durch kontinuierliche Arbeit gegenseitig dazu animiert hat, über sich hinauszuwachsen, professionell zu werden. So dass ein so profilierter und prominenter Schauspieler wie Klaus Schreiber 2010 im Interview mit unserer Zeitung die Probebühne, an der er angefangen hatte, „ein Juwel“ und „etwas Einzigartiges“ nannte. Weil sie ein professionelles Theater sei, das „von Leuten geführt wird, die das nicht beruflich machen“. Und es ist nicht zuletzt ein Spielplan, der immer wieder das Ungewöhnliche, selten Aufgeführte bringt: Die „Probebühne“ hat ein klar definiertes Programm.

Gründung im Juni 1966

Doch vorerst kurz zurück zu den Anfängen: Der 1. Juni 1966 war der Tag der Initialzündung für die Probebühne. Ein Grüppchen von protestierenden Separatisten setzte sich an diesem Tag vom Volkshochschulkurs „Amateurtheater“ ab, weil es Differenzen zwischen ihnen und einem (über-)vorsichtigen Kursleiter über in seinen Augen anrüchige oder provokante Stückinhalte gab. Noch am selben Abend, so kann man es in der Chronik zum 40. Bühnenbestehen lesen, wird Hans Jürgen Meyer zum Regisseur und Leiter der Gruppe gewählt - und ist es in dieser Funktion durchgehend bis heute.

Die Theaterenthusiasten formulieren damals ihre „Absicht, neue Formen des darstellenden Spiels auf nichtprofessioneller Basis auszuprobieren“ - der Name der Probebühne leitet sich davon ab. Das neue Ensemble besteht anfangs aus 29 Mitgliedern im Alter von 17 bis 56, gespielt wird bis 1970 im Haus der Jugend, danach wieder in der Volkshochschule. Das erste Stück ist Goethes bürgerliches Trauerspiel „Clavigo“ in selbst gebauten Kulissen und selbst geschneiderten Kostümen.

Doch bald widmet sich die Bühne mit Vorliebe und bis heute gesellschaftskritischen amerikanischen Autoren wie Tennessee Williams oder Sam Shepard und den „verbannten und verbrannten Dichtern“ aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, wie sie Meyer im Gespräch nennt. Marieluise Fleißer, Ödön von Horvàth, Hans Henny Jahnn, Walter Hasenclever, Bertolt Brecht, Elias Canetti oder Klaus Mann gehören dazu. „Einakterbühne“ wurde die „Probebühne“ anfangs auch mal genannt.

Remarque als „Hausautor“

Erich Maria Remarque wuchs seit den 80er Jahren geradezu zum „Hausautor“ der Probebühne heran: Allein auf neun Inszenierungen und szenische Lesungen von Remarque-Romanen oder bearbeiteten Remarque-Stoffen, darunter auch Uraufführungen, brachte es das Ensemble, oft fachkundig unterstützt von Remarque-Gesellschaft und -Dokumentationsstelle und in Person von Tilman Westphalen , Thomas Schneider oder Peter Junk . Die Probebühne verzahnte sich immer mehr mit der Geschichte der Stadt und ihrer Identität.

Einladung zum Theatertreffen

Schon bald nach dem Start in den 60ern schätzte das Publikum die kleine Bühne so sehr, dass sie Stücke schon bald zehn Mal und öfter aufführen konnte. Der eigentliche Durchbruch kam aber 1980, als Hans Jürgen Meyers Inszenierung von Wedekinds „Frühlings Erwachen“ mit Osnabrücker Schülern zum Berliner Schülertheatertreffen eingeladen wurde, die Probebühne in ihr heutiges, anheimelnd verschachteltes Domizil in der ehemaligen Komtureikirche an der Wiesenstraße ziehen und mit einem jährlichen Zuschuss von der Stadt rechnen konnte, den aber gleich wieder die Miete an die Stadt schluckte.

Seitdem fährt die Bühne ihr gesellschaftlich engagiertes Programm auch mit zeitgenössischen Stücken , das sich oft für Minderheiten einsetzt. 109 Inszenierungen sind bislang zu verzeichnen, darunter keine Wiederholungen von Stücken – eine reife Leistung. Das Ensemble bringt nach wie vor andere Regisseure hervor als Hans Jürgen Meyer (auf dessen Konto allein 80 Probebühnen-Produktionen gehen) und Reinhard Duhme, der in den letzten Jahren Vieles inszenierte.

Nach zwischenzeitlich deutlichen Verjüngungsschüben ist das heute rund 30-köpfige Ensemble mit Gründungscrew und Stammpublikum älter geworden, wie Hans Jürgen Meyer einräumt. Er hofft die Regie in absehbarer Zeit in jüngere Hände legen zu können.


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