Deutschlandweit angeboten Bebilderte Baderegeln aus Osnabrück für Flüchtlinge

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Osnabrück. Bunte Zeichnungen aus Osnabrück könnten bald überall in Deutschland Flüchtlingen die Baderegeln erklären. Sie stammen aus der Feder des Netti-Erfinders Uli Klomann.

Schwimmen ist in Ländern wie Syrien und dem Irak kein Schulsport. Deshalb kann ein Teil der nach Deutschland geflüchteten Menschen nicht schwimmen. Sehen sie in einem Schwimmbad den Beckenboden, meinen sie, dort stehen zu können, und springen hinein. „Die Rettungsschwimmer und Schwimmmeister in den Bädern waren noch nie so oft im Wasser wie in den vergangenen Monaten, um den Gästen zu helfen“, sagte kürzlich Berthold Schmitt, Vorstandschef der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen, in einem Interview.

Peinliche Situationen verhindern

Viele der Neubürger wissen auch nicht, dass Unterhosen keine adäquate Badebekleidung sind. Dann gibt es auch vereinzelte Fälle von Belästigung: Junge Männer, die leicht bekleidete Schwimmerinnen anstarren, fotografieren oder bedrängen . Ausnahmen, wie die beteiligten Fachleute erklären, aber es komme vor.

Wie können peinliche oder gefährliche Situationen verhindert werden? Mit dieser Überlegung wandte sich der Düsseldorfer Bäderchef Roland Kettler an die Osnabrücker Spring Werbeagentur. Mit den beiden Geschäftsführern Gisbert Wegener und Uli Klomann hatte Kettler schon zusammengearbeitet, als er noch Bäderchef in Osnabrück war. Klomann ist Erfinder der Netti, der kessen Werbefigur für das Nettebad.

Neutrales Aussehen der Handelnden

Klomann, Creative Director und Illustrator bei Spring, entwarf Zeichnungen, die auch ohne Untertitel wichtige Baderegeln erklären: Etwa, dass Männer und Frauen getrennte Umkleiden nutzen (müssen). Dass man vor dem Gang ins Becken duscht, welche Badekleidung erlaubt ist oder dass das Fotografieren von Badegästen nicht erlaubt ist.

Manche Zeichnungen waren nach Klomanns Auskunft einfach zu erstellen. Kniffeliger sei es beim Thema sexuelle Belästigung geworden: „Selbstverständlich wollten wir vermeiden, das Problem so darzustellen, als sei es ein spezielles Verhalten von Flüchtlingen.“ Deshalb habe er der handelnden Person ein neutrales westliches Aussehen bei Hautfarbe und Frisur gegeben. Schließlich entspreche das auch den Tatsachen: Sexuelle Belästigung und Unterhosen als Badebekleidung sind für alle Badegäste tabu. Generell legte der Illustrator Wert auf eine positive Aussage: zufriedene Akteure, die die Regeln befolgen.

Untertitel in neun Sprachen

Eine Zeichnung musste allerdings noch nachgebessert werden: Daumen hoch, in westlichen Breitengraden als Zeichen der Zustimmung oder Freude bekannt, haben in anderen Kulturen eine ganz andere Bedeutung, zum Beispiel als Stinkefinger.

Um die ganze Sache noch sicherer zu machen, wurden Untertitel zu den Zeichnungen in neu Sprachen verfasst:Englisch, Französisch, Albanisch, Türkisch, Russisch, Urdu, Arabisch, Farsi (Dari) und Pashto, das Ostiran gesprochen wird. In all diesen Sprachen heißt es dann zum Beispiel: Straßenkleidung ist im Schwimmbad nicht erlaubt, sondern nur Badebekleidung (Badehose, Badeanzug, Bikini, Burkini) aus entsprechendem Material. Die Texte, darauf verweist Wegener explizit, wurden mit einer Gleichstellungsbeauftragten abgestimmt. Der Auftraggeber Kettler habe die Übersetzungen finanziert.

Beitrag zur Integration

In ganz Deutschland ist der Umgang mit Geflüchteten in Bädern ein Thema. So veranstaltet die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen Tagesseminare „Interkulturelle Unterweisung – Umgang mit Flüchtlingen“. In Absprache mit dem Auftraggeber Kettler bietet die Osnabrücker Werbeagentur nach Pfingsten die illustrierten Baderegeln deutschlandweit über die Gesellschaft für das Badewesen mit ihren 6000 Mitgliedern an. „Das ist unser Beitrag zur Integration“, sagt Wegener.

Polizei, Verkehrswacht und Landkreis Osnabrück hatten Ende April zwei Piktogramme vorstellt , auf denen die wichtigsten Verkehrsregeln für Fußgänger und Radfahrer erklärt werden, um gefährliche Situationen zu vermeiden.


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