Theaterstück „Where is the Party“ Osnabrücker Remarque-Realschule parodiert Märchen

Von Florian Moritz


flom Osnabrück. Mit der Theaterpremiere von „Where is the Party“ stellen Neunt- und Zehntklässler der Osnabrücker Erich-Maria-Remarque-Realschule konventionelle Märchengeschichten auf den Kopf. Das Bühnenstück von Isabell Götz und Vera Minchio begeistert Schüler und Zuschauer gleichermaßen.

„Die Schüler haben nur eine Leseprobe gebraucht und sich sofort für dieses Stück aus dem Deutschen Theaterverlag entschieden“, sagte Stephanie Sprick, Leiterin des Wahlpflichtkurses Theater. Wirft man einen ersten Blick auf das Stück, ist diese Entscheidung nachvollziehbar.

Handys im Hexenwald

Bei „Where is the Party“ fließen die Märchen Hänsel und Gretel, Rotkäppchen und Schneewittchen ineinander und projizieren diese in die Gegenwart – besonders sprachlich wird versucht, die Jugend widerzuspiegeln. Weitere Bezüge zur heutigen Zeit schafft der Gebrauch von Handys und der Austausch des Knusperhäuschens durch eine Dönerbude.

Auch mit Homosexualität setzt man sich auseinander: Hans im Glück startet einen Flirtversuch bei Hänsel, als er ihn auf dem Waldboden schlafen sieht. „Verpiss dich, du Schwuchtel“, ruft ein sichtlich genervter Hänsel, der sich mit seiner Schwester im Wald verlaufen hat. Denn die Kartoffelchips, die Gretel extra auf den Weg warf, sind nicht mehr aufzuspüren. Sie stehen vor einem Dilemma. Ihr Vater ist über das Handy nicht zu erreichen und kann sie nicht aus dem Wald abholen. Das Netz ist sowieso schlecht.

Ein Korb voll Big Macs

Ein Moralapostel darf in dem Stück natürlich auch nicht fehlen. Das Spotlight zielt häufiger ins Publikum, damit ein Lehrer aus dem Off zum Beispiel die vulgäre Sprache kritisieren kann: „ Also ich als Lehrer kann es nicht dulden, wenn man so spricht! Das gehört sich einfach nicht!“. Hänsel erwidert: „Halt’s Maul! Du spielst in diesem Stück überhaupt nicht mit!“

Im Verlauf wird Rotkäppchen vom Wolf „Don Juan“ zweideutig angesprochen und im Haus der Großmutter festgehalten. Beide sitzen, vom Wolf gefesselt, im Wohnzimmer. Schneewittchen muss derweil den hinterhältigen Mordversuchen der Stiefmutter aus dem Weg gehen. Im Wald trifft sie auf eine Person, die einen Korb voller Big Macs verkauft. Schneewittchen greift zu und wird vergiftet. Gerettet wird sie abermals von den sieben Zwergen. Herzog Carl-Eugen von Württemberg schafft es letztlich, in Strumpfhosen Schneewittchen zu retten und mit auf sein Gut zu nehmen. Im letzten Akt treffen sich alle auf dem Schloss und feiern eine Party als wäre 2016.

Tosender Applaus

Seit Ende September 2015 haben die Realschüler für diese Aufführung geprobt. Lohn der Mühe: tosender Applaus für die Nachwuchsschauspieler am Ende des Stücks.


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