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Volkshochschulchor „Tonintakt“ lernt für Musikfestival in Çanakkale sogar Türkisch und erlebt tolle Sängergemeinschaft „Alle kannten den Text und sangen mit“

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Der VHS-Chor „Tonintakt“ bei seinem Konzert in Çanakkale. Foto: Detlef VosgröneDer VHS-Chor „Tonintakt“ bei seinem Konzert in Çanakkale. Foto: Detlef Vosgröne

Osnabrück. Wenn der Osnabrücker Volkshochschulchor „Tonintakt“ den türkischen Hit „Sensiz Olmaz“, was auf Deutsch „Ich kann nicht ohne dich“ bedeutet, anstimmt, spürt man regelrechtes Fernweh in den Stimmen. Diesen Song hatte der Chor für ein Musikfestival in der türkischen Stadt Çanakkale einstudiert, an dem er vom 27. April bis 1. Mai teilnahm. „Es war einfach toll“, ist die einstimmige Meinung der elf Sängerinnen und vier Sänger über die Reise zum Festival.

Çanakkales Städtebotschafterin Melek Akbay hatte „Tonintakt“ auf das Musikfestival aufmerksam gemacht und sie zu einer Bewerbung ermutigt. „Ich war mir erst nicht sicher, ob wir auf einem klassischen Festival mit unserer Musik richtig liegen“, sagt Chorleiter Michael Suhl. „Eigentlich singen wir eher englischsprachige Popmusik.“

Vom Ehrgeiz gepackt, probte der Chor einen türkischen Song, mit dem er dann als einzige Gruppe aus Deutschland zu dem Festival eingeladen wurde. Der Chorleiter absolvierte einen dreimonatigen Türkisch-Sprachkurs, um den Text richtig singen zu können. „Erst beim Auftritt in Çanakkale wurde uns bewusst, dass der Song ein großer Hit in der Türkei ist“, berichtet Suhl. „Alle kannten den Text und sangen mit, viele hatten dabei sogar Tränen in den Augen.“

Dass die Türken emotionaler mit Gesang umgehen, bemerkten die Chormitglieder während des Festivals sehr schnell. „Gesang hat hier viel mehr Bedeutung für den Zusammenhalt. Nach den Auftritten lobten uns fremde Menschen auf der Straße“, erinnert sich Chorsängerin Carmen Vosgröne. Für Monika Schotemeier war es wie „Campus-Feeling“. „Traf man andere Frauen auf der Toilette, versuchten diese mit ein paar Brocken Deutsch positives Feedback zu geben.“

Bei Straßenlärm singen

„Für uns als verhältnismäßig kleiner Chor war es nicht immer leicht. Manchmal fuhr ein großer Lkw direkt an uns vorbei. Da musste man gegen den Straßenlärm ansingen“, berichtet der Chorleiter. Ein spezielles Erlebnis war für ihn das Singen an einer abgelegenen leeren Markthalle. „Zuerst dachten wir, da hört uns niemand. Aber dann kamen traditionell gekleidete ältere türkische Frauen, näherten sich schüchtern und zückten doch tatsächlich ihr Handy, um uns zu fotografieren“, erzählt Suhl lächelnd.

Auftakt des Musikfestivals war ein imposanter Festzug durch die Straßen bis zum Marktplatz. Rund um ein großes Atatürk-Denkmal platzierten sich Fahnenträger und 400 Menschen, aufgeteilt in 18 Chöre, um der Ansprache des Bürgermeisters zu lauschen und zur Einstimmung gemeinsam ein türkisches Lied zu singen. „Da Çanakkale auch Friedensstadt ist, brachten wir dem Bürgermeister einen Osnabrücker Friedenstee und eine Friedensteetasse als Gastgeschenk mit“, berichtet Chormitglied Bettina Szklany. Den feierlichen Abschlussauftritt hatte „Tonintakt“ in einer alten armenischen Kirche. Begleitet wurde der Chor von der Osnabrücker Städtebotschafterin Johanna Schlottke. Am 25. Juni um 20 Uhr hat „Tonintakt“ einen Auftritt in der VHS Osnabrück, bei dem neben Gesang auch Fotos und Geschichten von der aufregenden Reise dargeboten werden. Mehr Infos über den VHS-Chor im Internet auf www.tonintakt.de.


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