Giftstoffe unsachgemäß entsorgt Amtsgericht Osnabrück verurteilt Zion-Geschäftsführer


Osnabrück. Weil er die Gesundheit anderer Menschen gefährdet habe, muss der Geschäftsführer der Zion GmbH eine Geldstrafe in Höhe von 1950 Euro zahlen. Dazu kommen weitere 5000 Euro als Ersatzleistung für einen finanziellen Vorteil. Vom Amtsgericht wurde er verurteilt, weil er vor zwei Jahren auf dem Güterbahnhof hochgiftige Fußbodenkleber freigelegt hatte.

Selbstgefährdung ist nicht strafbar, aber sobald das Gift von anderen Menschen aufgenommen werden könnte, sind die Umweltbehörden alarmiert. So war es auch, als Ralf Gervelmeyer, der Geschäftsführer der Zion GmbH, vor zwei Jahren das Industrieparkett in der ehemaligen Montagehalle auf dem Güterbahnhof mit einem Radlader zusammenschob. Im teerhaltigen Kleber aus den 50er Jahren wurden später krebserregende, erbgutschädigende und gewässergiftige Substanzen in exorbitant hohen Konzentrationen nachgewiesen.

Teergeruch in der Luft

Im benachbarten Proberaumzentrum sollen Musiker und Künstler durch die giftigen Dämpfe gefährdet worden sein, weil die 750 qm große Halle nicht abgeschirmt wurde. Zeugen berichteten, dass es auch außerhalb des Gebäudeteils mit den eingeschlagenen Fenstern nach Teer und Benzol gerochen habe. Dort fand gerade eine Open-Air-Veranstaltung des Kulturvereins Petersburg mit vielen Besuchern statt. Einer von ihnen war Stadtbaurat Frank Otte, der die Umweltbehörde der Stadt, die Polizei und die Gewerbeaufsicht einschaltete.

In der Verhandlung vor dem Amtsgericht gab es sehr unterschiedliche Aussagen über den markanten Teergeruch, der als Hinweis auf das Gift in der Luft gedeutet werden kann. Im Gegensatz zu verschiedenen Zeugen will der Angeklagte gar nichts davon wahrgenommen haben. Deshalb fand er auch nichts dabei, einen kleinen Jungen auf den Schoß zu nehmen, während er mit dem Radlader die Holzklötzchen aus ihrer Verankerung riss. Das Kind war mit seinen Eltern auf der Baustelle aufgetaucht, und die konnten sich ebenfalls nicht an verdächtige Gerüche erinnern. Beim Vater des Jungen handelt es sich übrigens um den Rechtsanwalt des Angeklagten, der ihn jetzt auch vor Gericht verteidigte.

Arbeiter ohne Schutzanzüge

Nach dem behördlichen Einschreiten im Mai 2014 gab es weiteren Ärger, weil der Geschäftsführer der Zion GmbH eine nicht zur Entsorgung giftiger Abfälle zugelassene Firma eingeschaltet hatte. Die hatte die kontaminierten Parkettklötzchen in offenen Containern transportieren wollen. Vorgeschrieben ist aber eine Verpackung, die ein Austreten der gefährlichen Substanzen verhindert. Außerdem waren bei einer Nachkontrolle Arbeiter ohne Schutzanzüge und in einem weiteren Fall ohne die vorgeschriebene Atemmaske aufgefallen, woraufhin die Baustelle stillgelegt wurde.

Für den Staatsanwalt zeigt sich an diesen „Nachlässigkeiten“, dass der Geschäftsführer der Zion GmbH seine Arbeitnehmer gefährdet habe – zu einem Zeitpunkt, als ihn sogar schon die Behörden auf die giftigen Bestandteile hingewiesen hatten. In seinem Plädoyer forderte er eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 80 Euro. Die Richterin blieb in ihrem Urteil unter diesem Strafmaß und verhängte 30 Tagessätze zu je 65 Euro. Damit akzeptierte sie, dass Gervelmeyer sein monatliches Einkommen lediglich mit „1800 bis 1900 Euro“ angegeben hatte.

Gegen das Urteil ist eine Berufung möglich.


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