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„Source Code“ dürfte so manchen Zuschauer überfordern

Von Reinhard Westendorf

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Jake Gyllenhaal ist Colter Stevens. Foto: KinoweltJake Gyllenhaal ist Colter Stevens. Foto: Kinowelt

Osnabrück. Was würden Sie tun, wenn Sie nur noch acht Minuten zu leben hätten – noch dazu im Körper eines anderen Menschen? Für den von Jake Gyllenhaal („Brokeback Mountain“, „Prince of Persia“) gespielten Protagonisten des visionären Thrillers „Source Code“ stellt sich diese Frage gleich mehrfach. Als US-Army-Hubschrauberpilot Colter Stevens muss er wiederholt nicht nur schnell seine eigene Existenz retten, sondern quasi die Welt.

Um die Zukunft der Menschheit positiv zu beeinflussen, wird der versprengte Soldat in einem militärisch-wissenschaftlichen Experiment der CIA immer wieder in die Vergangenheit geschickt. Eigentlich begibt sich nur sein Bewusstsein auf manipulative Kurztrips in zurückliegende Momente, denn Colter Stevens’ bei einem Afghanistan-Einsatz schwer verstümmelter Körper ist klinisch tot. Sein Gehirn ist jedoch noch mit einer anderen Realität verbunden, in der Stevens über eine mitfühlende Videobotschafterin (Vera Farmiga) den Auftrag erhält, einen Bombenattentäter in einem Regionalzug nach Chicago zu finden.

Und so wird Colter stets aufs Neue für jeweils acht Minuten in einen Doppelstock-Wagen platziert, wo er als geistig alternative Version eines real existierenden Lehrers die Explosion des voll besetzten Personenzuges verhindern muss. In einer Zeitschleife à la „Und täglich grüßt das Murmeltier“ sitzt er zu Beginn immer wieder gegenüber einer jungen Frau (Michelle Monaghan), deren vertraute Zuneigung ihn gleichermaßen verstört und erlöst.

„Source Code“ ist ein Film, der in doppelter Hinsicht das Gehirn beansprucht – einerseits das der Hauptfigur, andererseits das des Zuschauers. Das komplexe Spiel mit den verschiedenen Realitäts- und Bewusstseinsebenen fordert beide gleichermaßen heraus, es strengt zuweilen an und versperrt sich der Spannung des Geschehens. Wer einen gewohnt rasanten Action-Thriller erwartet, dürfte von der verinnerlichten, nahezu kammerspielartigen Inszenierung sogar enttäuscht sein.

Die bewusst reduzierte Anzahl von Handlungsorten und Charakteren sowie die existenziellen Diskurse zeichneten schon vor zwei Jahren des futuristische Spielfilm-Debüt „Moon“ von Regisseur Duncan Jones aus. Bereits mit sieben Jahren drehte der heute 40-jährige Sohn von David Bowie kleine Science-Fiction-Filme im Super-8-Format. Nach „Moon“ sprudelt nun auch „Source Code“ aus der Gedanken-Quelle der Zukunft.

Source Code. USA/F 2011,

R: Duncan Jones; D: Jake Gyllenhaal, Michelle Monaghan, Vera Farmiga; 93 Min., ab 12 Jahren.

Cinema Arthouse, CineStar, Filmpassage.


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