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Zahlung zulässig? Spitzenbeamter Reinhold Kassing lässt sich Überstunden auszahlen


Osnabrück. Kurz vor seinem Abschied aus der Kreisverwaltung in zwei Wochen gerät der Erste Kreisrat Reinhold Kassing noch einmal in die Schusslinie. Landrat Manfred Hugo lässt nach einer Anfrage der SPD-Kreistagsfraktion prüfen, ob die Vergütung von Überstunden des 54-Jährigen aus den Jahren 1989 bis 1995 zulässig ist.

Weitere Angaben wollte Hugo am Montag mit dem Hinweis auf das schwebende Verfahren nicht machen. Bestätigt wurde lediglich, dass im nicht öffentlich tagenden Kreisausschuss gestern die schriftliche Anfrage der SPD-Kreistagsfraktion vom 4. Mai behandelt worden ist. Der Landrat lässt von einem Rechtsanwaltsbüro die Sach- und Rechtslage prüfen.

Kassing selbst betonte auf Anfrage, auf die Zahlung eines Betrages von unterm Strich gut 5000 Euro netto nicht verzichten zu wollen, weil er bei der gescheiterten Wiederwahl zum Ersten Kreisrat vor knapp einem Jahr von der Kreistagsmehrheit „nicht fair und nicht gerecht behandelt“ worden sei. „Ich empfinde kein Gefühl der Rache“, versicherte der scheidende Erste Kreisrat, er habe den Anspruch auf die Überstundenvergütung juristisch prüfen und bestätigen lassen.

Insgesamt sind nach Angaben Kassings in den Jahren 1989 bis 1995 rund 1450 Überstunden angefallen. Das sind bei einer Wochenarbeitszeit mit 40 Stunden mehr als 36 Wochen. Kassing war in dieser Zeit zunächst tätig als Kreisassessor mit der Vergütungsgruppe A13 des höheren Dienstes, später als persönlicher Referent des damaligen Oberkreisdirektors Heinz-Eberhard Holl, und wurde befördert zum Kreisverwaltungsrat, Kreisverwaltungsoberrat und Kreisverwaltungsdirektor bis hin zum leitenden Kreisverwaltungsdirektor mit der Vergütungsgruppe A 16. Bevor der heute 54-Jährige die Kreisverwaltung verließ, war er als sogenannter Ämtergruppenleiter tätig – eine herausgehobene Funktion innerhalb des Kreishauses, die es vor und nach dieser Zeit nicht gegeben hat.

Von Juli 1996 bis Mai 2003 war Kassing Erster Stadtrat in Melle. Danach kehrte er zurück zum Landkreis Osnabrück und wurde zum Ersten Kreisrat gewählt.

Vor seinem Ausscheiden aus der Kreisverwaltung 1996 sei vereinbart worden, dass die seit 1989 insgesamt angefallenen rund 1450 Überstunden nicht verfielen, sagte Kassing am Montag. Tatsächlich auszahlen lasse er sich davon aber nur etwa ein Drittel. Auf zwei Drittel der Überstundenvergütung verzichte er, weil er in den zurückliegenden Jahren als Dezernent Ähnliches von seinen Mitarbeitern erwartet habe. Wenn Beschäftigte zu viele Überstunden angesammelt hätten, seien bis zu 50 Prozent ausgezahlt und die andere Hälfte gestrichen worden. Kassing: „Deshalb möchte ich für mich nichts anderes in Anspruch nehmen.“


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