Hilfe für Menschen in Idomeni Initiative will 50 Flüchtlinge nach Osnabrück holen

Von Rainer Lahmann-Lammert

Sie harren am Zaun aus und hoffen, dass es doch eines Tages weiter geht: In Idomeni sitzen über 10000 Flüchtlinge fest. Foto: dpaSie harren am Zaun aus und hoffen, dass es doch eines Tages weiter geht: In Idomeni sitzen über 10000 Flüchtlinge fest. Foto: dpa

Osnabrück. 50 Flüchtlinge aus Idomeni nach Osnabrück bringen – das ist das Ziel einer Initiative, hinter der die Flüchtlingshilfe Rosenplatz, Generalvikar Theo Paul, der Verein Exil und weitere Organisationen stehen. Damit soll ein Zeichen gesetzt werden für Solidarität und Menschlichkeit.

„Es ist eine humanitäre Katastrophe, da muss man was tun!“, sagt die Ärztin Renate Vestner-Heise mit Blick auf die mehr als 10000 Flüchtlinge, die an der mazedonischen Grenze in Idomeni festsitzen. Die Aktivistin aus der Flüchtlingsinitiative Rosenplatz hatte die Idee, 50 von ihnen nach Osnabrück zu holen – in der Hoffnung, dass andere Initiativen diesem Beispiel folgen würden.

Dem Appell an die Stadt Osnabrück haben sich inzwischen mehr als 350 Unterzeichner angeschlossen. Sie stehen für Organisationen wie Pax Christi, Helpage, Attac, Amnesty International oder Terre des Hommes.

„Das ist konkrete Friedensarbeit“

Von Anfang an dabei ist Generalvikar Theo Paul. Ihm geht es darum, dass die Friedensstadt Osnabrück ein konkretes Projekt startet. Wer mit Flüchtlingen arbeite, habe es sich nicht mit einer anonymen Masse zu tun, sagt der Theologe. Man müsse den Menschen ins Gesicht schauen und ihre Lebensgeschichten anhören. Die Leute aus den Kriegsgebieten zu holen, sei konkrete Friedensarbeit.

Fakt ist aber, dass die Balkanroute gesperrt ist und viele Flüchtlinge im griechischen Idomeni am Zaun ausharren. Deutschland habe zugesagt, 10000 Menschen aufzunehmen, dann aber nicht Wort gehalten, argumentiert Renate Vestner-Heise. In den ersten drei Monaten dieses Jahres seien gerade mal 37 Geflüchtete aus Griechenland und 20 aus Italien gekommen.

Osnabrück habe sich für die Unterbringung Tausender Flüchtlinge vorbereitet, aber jetzt stünden viele Unterkünfte leer, sagt Klaus Schwietz, der ebenfalls zu den Initiatoren gehört. Es müsse doch möglich sein, den Weg frei zu machen, statt vor dem Elend an der mazedonischen Grenze die Augen zu verschließen.

Kein Vor und kein Zurück

Im Aufruf der Initiative „50 Menschen aus Idomeni nach Osnabrück bringen“ werden die hygienischen Zustände in Idomeni als katastrophal beschrieben. Die Menschen müssten im Schlamm leben und würden nur unzureichend mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt. In dieser provisorischen Zeltstadt gebe es kein Vor und kein Zurück. Mit Blendgranaten, Gummigeschossen und Tränengas würden sie von der mazedonischen Polizei daran gehindert, die Grenze zu überqueren. In die Kriegsgebiete ihrer Heimatländer könnten sie nicht zurückkehren, in Griechenland zu bleiben und dort einen Asylantrag zu stellen, sei für die Geflüchteten ebenfalls keine Option. Das Asylsystem in Griechenland weise gravierende systemische Mängel auf, immer wieder komme es zu Menschenrechtsverletzungen an Schutzsuchenden.

Vorrang für Angehörige

Wenn Osnabrück 50 Menschen aus Idomeni aufnehme, werde damit ein Zeichen gesetzt, schreiben die Initiatoren des Appells. „Das ist nicht viel und doch mehr als nichts“, heißt es in dem Aufruf. Die Stadt wird gebeten, sich beim Land Niedersachsen und der Bundesregierung dafür einzusetzen, die Aufnahme der 50 Geflüchteten in Deutschland zu bewilligen und ihnen die sichere Einreise zu ermöglichen. „Wir werden Sie dabei ausdauernd und mit all unseren Möglichkeiten unterstützen“, versprechen die Aktivisten.

Wenn es grünes Licht aus Berlin gibt, stellt sich die Frage, nach welchen Kriterien die Menschen ausgesucht werden sollen, die nach Osnabrück reisen dürfen. In der Initiative besteht Konsens, dass Angehörige von Kriegsflüchtlingen Vorrang haben sollen, die schon hier leben. Eine Entscheidung werde aber sicherlich von den Mitarbeitern des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) getroffen.


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