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Zwischen Humor und Machthunger Theatergruppe führt „Die Frist“ auf

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<em>Das engagierte Laientheater</em> hat viele männliche Rollen mit Frauen besetzt. Foto: Elvira PartonDas engagierte Laientheater hat viele männliche Rollen mit Frauen besetzt. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. 1975 schrieb Friedrich Dürrenmatt die Komödie „Die Frist“. Das Stück, das nicht zu den berühmtesten Werken des Schweizer Dramatikers zählt, wurde jetzt von der Theatergruppe Regenbogen im Ersten Unordentlichen Zimmertheater inszeniert und entwickelte skurrilen Reiz.

Mit zackigem Schritt betritt Möller, der Chef des Geheimdienstes, den Salon, in dem Seine Exzellenz, Herr Ministerpräsident, gerade die Hinrichtung von sechs Terroristen befohlen hat. Der Machtkampf der beiden spielt sich nicht nur verbal ab, sondern findet auch in einem soliden Armdrücken seinen Ausdruck. Wer gewinnt in diesem Ränkespiel, in das sich später auch andere Vertreter von Klerus, Adel und Politik einmischen? Die Ausgangssituation ist klar: Ein alter Diktator liegt im Sterben. Während sich die einen freuen, weil sie denken, ob ihrer hohen Geburt bald die Nachfolge des tyrannischen Herrschers antreten zu können, versuchen andere, das Ableben des Generalissimus hinauszuzögern, um die Herrschaftsnachfolge in der Zwischenzeit in Ruhe anders regeln zu können.

Die Gruppe Regenbogen der VHS macht ihrem Namen als engagiertes Laientheater alle Ehre und inszeniert ein farbenfrohes Spektakulum, das sich dadurch auszeichnet, dass viele männliche Rollen durch Frauen besetzt sind. So wird beispielsweise der Kardinal von Monika Röseler zur Kardinälin gemacht, derweil Kirsten Schuhmann den Geheimdienstchef Möller mit Pep und Schneid überzeugend darstellt. Als einziger Mann im Ensemble führt Nils Stickan in der Rolle des zynischen Ministerpräsidenten mit morbidem Charme durch eine Komödie, die heitere Züge aufweist, aber schonungslos den Machthunger des Menschen seziert. Die Idee, die Letzte Ölung des Diktators vor laufenden Kameras öffentlich zur Schau zu stellen, um die Sensationslust des Publikums zu befriedigen, schlägt einen Bogen in das Zeitalter der Medientechnologie. Regie führt Jörn Glitzenhirn, der das Stück von den Live-Musikern Andreas Wilczek und Karsten Fischer virtuos einleiten und begleiten lässt.

Weitere Aufführung: Freitag, 5. Juli, 20 Uhr, im Ersten Unordentlichen Zimmertheater. Eintritt frei, Platzreservierung empfohlen.


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