Jules Verne live in Osnabrück Schillernde Figuren beim Steampunk-Festival am Piesberg

Von Thomas Wübker

Schillernde Figuren und viel Kreativität konnten die Besucher beim Festival „Steampunkspass“ am Wochenende am Museum Industriekultur erleben. Foto: André HavergoSchillernde Figuren und viel Kreativität konnten die Besucher beim Festival „Steampunkspass“ am Wochenende am Museum Industriekultur erleben. Foto: André Havergo 

Osnabrück. So viel zu gucken gab es lange nicht mehr in Osnabrück. Am Museum Industriekultur trafen sich am Samstag und Sonntag etwa 400 schillernde Figuren, die von mehreren tausend Besuchern bestaunt und fotografiert wurden.

Das Festival „Steampunkspass“ ist nach Angaben der Veranstalter das größte seiner Art in Europa . Es soll in den kommenden Jahren zu einer festen Institution in Osnabrück werden und nach Angaben von Veranstalter Marc Mense immer Anfang Mai stattfinden. Was fängt ein erfinderischer Geist mit einer alten Kaminuhr, ausgedienten Abdeckungen für Röhren und einem Wein-Koffer an? Er baut eine Ätherfilteranlage daraus. So tat es Barnabas von Cronenberg, der mit seiner Gruppe „Wupperdampf Laboratorium“ aus Wuppertal nach Osnabrück kam. „Die ersten Dampfmaschinen Deutschlands standen in Wuppertal“, sagte der 48-Jährige und die mechanische Hand, die wie das eiskalte Händchen der Addams Family wirkte, nickte dazu.

Industrielles Ambiente

Das industrielle Ambiente des Museums Industriekultur faszinierte viele der 400 Teilnehmer des Steampunk-Festivals. Der Amerikaner David Lee schwärmte vom Haseschacht: „Man hat das Gefühl, als wäre man in dem Buch ,Reise zum Mittelpunkt der Erde.‘“ Der Verfasser des Romans war Jules Verne. Er und sein Kollege H. G. Wells werden von Steampunkern als größte Einflüsse gesehen, sagt Marc Mense, der das Festival zusammen mit der Firma US-Veranstaltungen aus Mecklenburg-Vorpommern organisierte. Als Professor Abraxo hat er das Schlangenöl „Serpentixx“ erfunden, das angeblich gegen jede Art von Ärger hilft und alle erdenklichen Krankheiten heilt.

Steam bedeutet auf Deutsch Dampf

Mense ist seit einigen Jahren Steampunker . Das Wort Steam bedeutet auf Deutsch Dampf. Das verbindet er mit dem viktorianischen Zeitalter. „Punk steht für künstlerische Freiheit“, fügt er an. 90 Prozent aller Kostüme, die die Mitwirkenden am Wochenende trugen, seien frei erfunden, so Mense. Häufig mischten sich alte mit neue Technologie in den Kostümen. Den Niederländer Dankaert Lexicon kleidete zum Beispiel ein Mantel, wie ihn Soldaten im Ersten Weltkrieg trugen, und ein kybernetisches Auge wie die Borg in der Serie „Raumschiff Enterprise“. Dazu prangte an seinem rechten Handgelenk ein mechanisches Zählwerk und ein Smartphone. Seine Rolle stelle die eines Paparazzis dar, so der Mann aus Arnheim, der im echten Leben als Archivar arbeitet. Nebenbei berichtet er auf seinem Blog TupperwareSteampunk.blogspot.nl und auf seinem Youtbue-Kanal „Radio Retrofuture“ über die Steampunk-Szene.

Spektakuläre Feuershow

Laut Dankaert Lexicon ist David Lee eine der bekanntesten Steampunker der Welt. Der 43-jährige Amerikaner, der in der Realität als Beamter bei der US-Armee tätig ist, war auf Festivals in New Jersey, wo 8000 Menschen waren, in Neuseeland und in Europa. Die Osnabrücker Veranstaltung sei die größte ihrer Art, die er auf dem alten Kontinent miterlebt habe, sagte er. Zusammen mit seiner 19-jährigen Tochter Jessica erlebte Lee zahlreiche Programm-Punkte wie Lesungen, Konzerte, eine spektakuläre Feuershow am Samstagabend und das erste Teapot-Rennen, das auf europäischem Boden stattgefunden hat.

Wie ein römischer Soldat

David Lee sagt, der Steampunk sei eine Ader für seine Kreativität ( https://www.facebook.com/Hatton-Cross-Steampunk-197288240319444/ ). Ein Blick auf sein Kostüm bestätigte dies. Er sah aus wie ein römischer Soldat, der durch die Jahrtausende gepurzelt ist und dabei einen viktorianischen Feuerwehrhelm, eine ausgediente Sonnenbrille und eine Art überdimensionale Wasserpfeife aufgegabelt hat. Lee hat bislang einen Steampunk-Roman veröffentlicht. Seine Tochter brachte es auf drei; den ersten hat sie mit 13 Jahren geschrieben. „Das normale Leben ist langweilig. Ich nehme mich nicht so ernst. Bei Steampunk habe ich meinen Spaß“, sagte Lee.

Margret Baumann vom Museum Industriekultur sagte, das Festival am Wochenende sei ein Testlauf gewesen. Marc Mense bestätigte auf Nachfrage, er wolle den „Steampunkspass“ an dem alten Gemäuer jedes Jahr Anfang Mai veranstalten.