So klingt Willkommenskultur Exil-Festival „Come As You Are“ in Osnabrücker Lagerhalle

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Osnabrück. Fast alles, was in der Osnabrücker Musikszene Rang und Namen hat, wurde aufgeboten beim ersten „Come As You Are“-Benefiz-Festival in der Lagerhalle, das der Verein Exil für Geflüchtete und zugunsten der Flüchtlingshilfe auf die Beine gestellt hat.

Die gerade erst mit dem Study-Up-Award Pop ausgezeichnete Ausnahmesängerin Toja und ihre frische neue Band eröffneten den bunten und abwechslungsreichen Abend, der den in der Friedensstadt gelandeten Geflüchteten im doppelten Sinne zugute kam. Denn zum einen standen einhundert von ihnen auf der Gästeliste; und zum anderen fließt der Reinerlös sowohl in das Café International, in dem sie sich seit November alle zwei Wochen mit Einheimischen treffen können, als auch in das neue, als Starthilfe für angekommene Familien konzipierte Tandem-Projekt „Familientreffen“.

 

Ein Stück deutsche Musikkultur

Einen Einblick in deutsches Liedgut erhielten die Gäste schon einmal von den Angefahrenen Schulkindern, die vom „Land mit dem Daumen im Po“ sangen, „Eckis Samba Express“ auffuhren und Peter Maffay, Udo Lindenberg und Udo Jürgens gemeinsam mit dem Publikum „Worte der Weisheit“ singen ließen. „Lass es sein“ ist dagegen nicht gerade das Motto des selbstverliebten Osnabrücker Schlagergotts und „Arbeiters der Liebe“ Christian Steiffen, der als „Special Guest“ angekündigt war – und in der Tat war es für die Geflüchteten sicher speziell, auf dessen selbstironische Weise ein Stück deutscher Musikkultur nahegebracht zu bekommen. Immerhin durften sich am Ende aber auch alle ein bisschen „Disco“ fühlen.

Zuvor servierte der Saxofon-Virtuose Tommy Schneller samt ebenso hochkarätiger, vierköpfiger Band entspannten Blues-Rock „made in Osnabrück“; und gleich drei fulminante Bläser bereicherten die Live-Premiere der nicht nur wegen der schwarzen Anzüge und schicken Abendkleider orchestral feinen, mitunter aber auch wilden Formation Seven PM um Exil-Organisatorin und Ex-Northern Star-Sängerin Sara Höweler.

Unvermeidlich tanzbar

Ein furioses Finale bescherte der gelungenen Erstausgabe des „Come As You Are“-Festivals schließlich das Rockabilly-Trio 777 – Triple Seven. Als unvermeidlich tanzbar erwies sich ihr kraftvoll treibendes Soundfeuerwerk, das erst weit nach Mitternacht endete. Ihr die Beatles auf Rock drehender Opener „Come Together“ hätte sicher auch ein passendes Motto für den integrativen Abend abgegeben. Die Nirvana-Hymne auf Authentizität und Außenseiter steht dem neuen Format indes ebenso gut zu Gesicht. Mit einem halben Dutzend vollkommen unterschiedlicher musikalischer Heimspiele hat es gezeigt, wie vielfältig gelebte anstelle von einfältig verordneter Willkommenskultur klingen kann.


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