Saison gestartet Osnabrücker Stadtspielerin ist Braut und Nonne zugleich

Von Matthias Liedtke

Mit spitzer Feder: 
              
              Als Nonne Émelie begleitet Claudia Leufker (vorne links) den von Jürgen Wojcik gespielten französischen Gesandten Abbé Joly und macht sich Notizen zur Friedensstadt. Foto: Michael Gründel Mit spitzer Feder: Als Nonne Émelie begleitet Claudia Leufker (vorne links) den von Jürgen Wojcik gespielten französischen Gesandten Abbé Joly und macht sich Notizen zur Friedensstadt. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. In gleich zwei Rollen schlüpfte Claudia Leufker an ihrem Hochzeitstag. Neben der echten als frisch gebackene Braut überraschte die Stadtspielerin die Gäste mit einem Auftritt als Nonne Émelie.

Die Frage, ob die Gemahlin ihrem Ehegatten am Hochzeitstag wohl etwas vorspielt, ließ sich in diesem Fall leicht bejahen. Denn zur Überraschung und Freude der gesamten Hochzeitsgesellschaft tauschte sie das Brautkleid gegen ein Nonnenkostüm. Unter dem Vorwand, zwischen Kaffeetafel und Abendessen im Hotel-Restaurant Walhalla etwas frische Luft zu schnappen und auf Brautsuche zu gehen, wurden die Gäste zur Rathaustreppe gelockt, wo sie die Schauspieleinlage bestaunen konnten.

Die Rolle der frechen Ordensschwester Émelie, die seinerzeit leibhaftig den französischen Gesandten Abbé Joly zu den Verhandlungen über den Westfälischen Frieden nach Osnabrück begleitete, ist der 32-Jährigen ans Herz gewachsen. Seit fünf Jahren ist sie fester Bestandteil des gemischten Laientheater-Ensembles, das derzeit aus sechs Männern und zehn Frauen ganz unterschiedlichen Alters besteht, die mitunter schon viele Jahre aus purer Lust am gemeinsamen Schauspielern einmal in der Woche im Keller der Backhaus-Schule proben für rund zwei Dutzend Auftritte im Jahr.

Spektakulum mit Musik

Angestoßen vom Kulturverein Fokus, wurden die Osnabrücker Stadtspieler im Jahr 2000 gegründet, um Stadtgeschichte szenisch erlebbar zu machen. Seitdem wurde das Programm immer wieder erweitert und ergänzt, sodass inzwischen vier verschiedene szenische Stadtführungen angeboten werden können – inklusive Kämpfen auf Biegen und Brechen, blauen Wundern, geschichtsträchtiger Handschläge, wahrhaftiger Fechtszenen auf dem Heger Tor oder der Lüftung des Geheimnisses um den Löwenpudel des Stadtgründers Karl dem Großen. Neu ist in der aktuellen Spielzeit ein historisches Spektakulum mit Musik. Stadtspieler Karim McLeod wird dabei eine Moraharpa erklingen lassen, ein historischer Dudelsack aus dem 16. Jahrhundert, der nach seinem schwedischen Fundort Mora benannt worden ist.

Seit zehn Jahren führt Ralph Vorbach als Spielleiter Regie und bringt dabei auch seine Erfahrungen aus dem Improvisationstheater in die einzelnen Szenen mit ein. Ensemble-Mitglied Anni Voss schneidert seit vier Jahren die Kostüme, einer ihrer Kollegen ist für Dekoration und Reparaturen zuständig, ein weiterer für den Schriftverkehr und Gründungsmitglied Margret Renzenbrink schließlich für die Organisation. So trägt jeder einzelne mit seinen spezifischen Fähigkeiten dazu bei, dass die Auftritte gelingen.

Dabei sind die Stadtspieler auch für private oder gewerbliche Anlässe buchbar, wenn es darum gehen soll, den Gästen oder einer Festgesellschaft auf humorvolle und spielerische Weise die Geschichte der Friedensstadt näher zu bringen – und mit einer Braumeisterszene am Schluss zudem Lust auf das Feiern zu machen.


Treffpunkt: jeweils Rathaustreppe

Dauer: jeweils ungefähr 2 Stunden an verschiedenen historischen Orten des Stadtkerns mit StadtführerIn und Stadtspieler-Ensemble in historischen Kostümen

Preise: Kinder 5 Euro, Erwachsene 10 Euro, Familienkarte sonntags 20 Euro

Keine Anmeldung erforderlich, Sonderführungen auf Anfrage.

Kontakt: Osnabrücker Stadtspieler: Tel. 0541/51775

E-mail: info@stadtspieler-os.de

Internet: www.stadtspieler-os.de

ZeitSeeing Stadtführungen: Tel. 0541/3232152

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