„Friesenstadt“ Osnabrück Rosa Friesen erhält Yilmaz-Akyürek-Preis 2016

Rosa Friesen hat den Yilmaz-Akyürek-Preis der Stadt Osnabrück erhalten. Überreicht wurde er von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert im Friedenssaal. Foto: Thomas OsterfeldRosa Friesen hat den Yilmaz-Akyürek-Preis der Stadt Osnabrück erhalten. Überreicht wurde er von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert im Friedenssaal. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Für ihr vielfältiges Engagement für Migranten ist Rosa Friesen im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses der Yilmaz-Akyürek-Preis 2016 verliehen worden. Die Auszeichnung der Stadt Osnabrück ehrt Menschen, die sich für die Integration und Gleichberechtigung von Zugewanderten einsetzen.

Irgendwann gibt Wolfgang Griesert auf. Das Engagement von Rosa Friesen sei so vielgestaltig, sagt der Oberbürgermeister während seiner Laudatio, „dass eine komplette Aufzählung all der Projekte, an denen sie beteiligt ist oder die sie initiiert hat, den Rahmen der heutigen Festveranstaltung sprengen würde“. Davor hatte er allerdings bereits einiges aufgelistet, wofür der gebürtigen Kasachin der Yilmaz-Akyürek-Preis verliehen wurde.

„Endlich“ könnte man fast sagen, denn mehrfach war die engagierte Frau bereits für die Auszeichnung vorgeschlagen worden. Auf sie geht einiges zurück, was heute zum selbstverständlichen Angebot für Migranten in Osnabrück gehört. Bezeichnenderweise sagte Griesert ein Mal unter dem Schmunzeln der Gäste „Friesenstadt“ statt „Friedensstadt“. Kurz zuvor hatte er die Werte aufgezählt, die für eine erfolgreiche Integration wichtig seien: Menschenwürde, Religions- und Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung, Nichtdiskriminierung und Toleranz.

Seit 20 Jahren in Deutschland

Dafür stehe Rosa Friesen, die vor 20 Jahren nach Deutschland kam, seit dem Jahr 2000 in Osnabrück lebt und sich seither in diversen Organisationen engagiert. Laut Griesert hat sie bei Solwodi begonnen, einem Verein, der Frauen hilft, die durch Menschenhändler, Sextouristen oder Heiratsvermittler nach Deutschland gekommen sind. Friesen absolvierte 2006 den Kurs zur Integrationslotsin, um sich als Mittlerin zwischen Migranten, Behörden und Einwohnern einsetzen zu können. Sie ist beim Exil-Verein aktiv und beim Internationalen Frauennetz. Friesen leitet Frauengruppen und hat beispielsweise den Anstoß für den Willkommenstag gegeben, mit dem die Stadt ein Mal jährlich Zugewanderte begrüßt.

Mit all dem und vielem mehr habe sie dazu beigetragen, auch das Engagement der Stadt für Integration zu unterstützen, das Griesert so benennt: „Es geht um die Förderung des Wir-Gefühls, das allen, die neu oder bereits seit Jahrzehnten in unserer Stadt leben, einen Platz – ja, auch Heimat – in unserer Gesellschaft bietet.“

Kurze, humorvolle Rede

Tief war der Seufzer von Rosa Friesen, während sie das Manuskript für ihre Dankesworte auf dem Rednerpult ablegte: „Ich bin kein Mensch der großen Reden.“ Und so fielen ihre mit Humor durchzogenen Worte kurz aus. Sie habe nach ihrer Ankunft in Osnabrück zunächst keine Arbeit gefunden und mit einem Praktikum beim Verein für die Arbeit mit Zuwandererkindern (VPAK) einen Einstieg ins soziale Engagement in der Hasestadt gefunden. Das allerdings könne sie nicht allein leisten, weshalb sie den Preis stellvertretend entgegennehme für alle haupt- und ehrenamtlich Engagierten in Sachen Integration.

(Weiterlesen im Archiv: Akyürek-Preis der Stadt Osnabrück für Reinhold Mokrosch)


Mit dem Yilmaz-Akyürek-Preis würdigt die Stadt Osnabrück Personen, die sich um die Integration und Gleichberechtigung von Zugewanderten sowie um die Anerkennung der Kulturen verdient gemacht haben. Der Preis wird seit 2009 jährlich verliehen. Der Namensgeber, Yilmaz Akyürek (1937-2007), war 1965 als Gastarbeiter aus der Türkei nach Osnabrück gekommen und hatte sich für die Integration eingesetzt.

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