"Second Hand Klamotte" Umjubelte Premiere für Musicaldarsteller in Osnabrück

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Der zweite Teil der "Second Hand Klamotte" von und mit Osnabrücker Musicaldarstellern hat im voll besetzten Kesselhaus eine umjubelte Premiere gefeiert

Am Ende singen alle inbrünstig „Wahnsinn“. Dabei passte es wie eine alte Jacke, dass ausgerechnet dieser reichlich abgenutzte Gassenhauer von Wolfgang „Wolle“ Petry noch einmal als Zugabe gespielt wurde nach einem rund zweistündigen Verwirrspiel um bunt verstrickte Identitäten, dem der auf der Bühne aufgebaute Second Hand Klamottenladen als symbolischer Rahmen dient.

Denn wie ihre Kleidungsstücke tauschen die fünf Darsteller auch ihre Rollen - mit Ausnahme von Sabrina Vieweber, die als in ihrer selbstständigen Existenz bedrohte, aber dennoch angstfreie ehemalige Friseurin und Ladenbesitzerin Bianca Dressler den ruhenden Pol im Beziehungsgewusel bildet. Gemeinsam mit Michael Przewodnik hat sie ihre Geschichte, deren erster Teil bereits im letzten Jahr erfolgreich war, weitergestrickt. Der einzige Mann im Ensemble spielt genau wie die übrigen drei Damen nicht nur mehrere Rollen, sondern innerhalb derer auch mit multiplen Persönlichkeiten. Denn im modernen Online-Dating-Dschungel gibt niemand so schnell sein wahres Ich preis.

Kurzweiliger Premierenabend

Dort ist er dann gleich zweimal Hahn im Korb - einmal rührend verstockt, zum anderen bipolar schizophren als jemand, der nicht ohne Grund den Nicknamen „Doppelkopf“ gewählt hat. Im flotten Musiktheaterstil wechseln sich gesprochene wie gesungene Dialoge mit souverän vorgetragenen Gesangseinlagen ab. Zum fröhlich hüpfenden Pianospiel von Jörg Niedderer will etwa Frauke Strohbecke als Biancas Freundin Gudrun „keine Schokolade“, sondern dem entsprechenden Schlager gemäß „lieber einen Mann“. In die gleiche Kerbe singt auch das gesamte Mädels-Quartett, wenn es aus Bonnie Tylers „Holding Out For A Hero“ ein fein synchron choreografiertes und vierstimmig intoniertes „Wer will mein Held sein?“ macht. Eine Frage, die am Ende freilich so offen bleibt wie so vieles an diesem nichtsdestotrotz oder gerade deshalb kurzweiligen und unterhaltsamen Premierenabend, der zwar mit dem Schlager „Ich weiß, was ich will“ entschlossen begann - am Ende half aber nur ein „Spring über deinen Schatten“ raus aus dem Dating-Wahnsinn.


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