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Wenn im Bus nichts mehr geht Das ganz normale Chaos vor der Schule

Mit dem Gedrängel ist es jetzt vorbei: Seit der Entlastungsbus fährt, kann Johannes (hier mit dem grünen Anorak) sogar mit einem Sitzplatz rechnen. Foto: Archiv/PentermannMit dem Gedrängel ist es jetzt vorbei: Seit der Entlastungsbus fährt, kann Johannes (hier mit dem grünen Anorak) sogar mit einem Sitzplatz rechnen. Foto: Archiv/Pentermann

Osnabrück. Wenn der siebenjährige Johannes Blum morgens in die Linie 91 steigt, bleibt ihm oft die Luft weg. Im Gewühl zwischen den großen Schülern kommt er sich vor wie unter Wasser. Noch schlimmer ist es, wenn der Bus an der Rehmstraße einfach durchfährt – weil er schon hoffnungslos überfüllt ist. Das kommt auch auf anderen Linien immer wieder vor. „Wir kennen die Probleme“, heißt es bei den Stadtwerken.

Johannes wartet morgens um 7.30 Uhr an der Haltestelle „Moskaubad“ auf seinen Bus. Fahrgäste berichten, dass der Solowagen schon bei seiner Abfahrt am Neumarkt so voll ist, dass eigentlich nichts mehr geht. Aber an den folgenden Haltestellen steigen noch mehr Schüler zu. Spätestens in der Rehmstraße stehen die Insassen auch im Eingangsbereich vor dem Fahrer. Eigentlich eine heikle Angelegenheit, denn die Beförderungsrichtlinien verbieten das. Aber mancher Fahrer nimmt das im morgendlichen Chaos auf seine Kappe. Oder er lässt die nächsten Haltestellen einfach aus.

Wenn alles gut geht, steht Johannes, der Zweitklässler, zwischen den großen Schülern eingekeilt im Gang und hofft, dass er ohne ernsthafte Quetschungen bis zur Haltestelle an der Grundschule Wüste kommt. Aber eine Station davor, am Gymnasium „In der Wüste“, zieht ihn der Schwarm aussteigender Schüler mit nach draußen, ob er will oder nicht. Wenn er wieder einsteigen will, sind die Türen oft schon wieder geschlossen, und der Zweitklässler muss das letzte Stück zu Fuß gehen.

Schon mehrfach hat sich Nicola Blum beschwert. Als berufstätige Mutter will sie sich darauf verlassen können, dass ihr Sohn problemlos zur Schule kommt. Wenn Johannes nicht mitgenommen wird, dauert es 20 Minuten, bis der nächste Bus kommt. Dann schafft er es nicht, zum Unterrichtsbeginn in der Schule zu sein.

Gelegentlich fährt dann eine andere Mutter mit dem Auto an der Haltestelle vor und liest die wartenden Schüler auf. Nicola Blum ist nicht ganz wohl dabei, wenn ihr siebenjähriger Knirps zu fremden Menschen ins Auto steigt. Sie weiß von anderen Eltern, dass sie ihre Kinder regelmäßig mit dem Auto zur Schule bringen, weil der Bus entweder völlig überfüllt ist oder gar nicht hält. Das sei doch unsinnig, sagt Nicola Blum, denn so entstehe noch mehr Verkehr.

Sie schlägt vor, dass die Linie 91 morgens im Schülerverkehr mit größeren Fahrzeugen ausgestattet wird, mit Gelenkbussen oder zusätzlichen Einsatzwagen. Das mache die Sache teurer und unwirtschaftlich, wurde ihr gesagt, als sie beim Beschwerdemanagement der Stadtwerke anrief. Und das widerspreche dem politisch gewollten Sparkurs.

„Wir haben keine Reservebusse“, sagt Katja Diehl, die Pressesprecherin der Stadtwerke. Sie ist auch nicht sicher, dass ein Gelenkbus das Problem lösen kann. Denn die Erfahrung zeige, dass die Schüler sich vorne drängten, obwohl hinten noch Platz sei.

Immerhin: Die Stadtwerke wollen die Probleme im Schülerverkehr gemeinsam mit ihren Partnern von der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) ansprechen. Eine Lösung von jetzt auf gleich sei aber nicht zu erwarten, sagt die Pressesprecherin, weil morgens schon alle Kapazitäten genutzt würden.

Vielleicht lässt sich aber doch etwas machen. Für die Linie 91 durch die Wüste ist die Weser-Ems-Bus GmbH zuständig, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn AG. Pressesprecherin Sabine Brunkhorst erklärte auf Anfrage, die Sache werde überprüft. Möglicherweise lasse sich ja doch ein größeres Fahrzeug einsetzen.


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