EMAF-INIT als Verjüngungskur „Die Zukunft des Festivals hat Zukunft“

Von Frank Jürgens


Osnabrück Datenkraken, Überwachung, Skepsis – beinahe musste man annehmen, beim EMAF sei „No Future“ ausgebrochen. Zum Glück war da noch der Nachwuchs des EMAF INIT.

Düster, düster, diese Zukunft. „Don’t expect anything“, übersetzt: „Erwarten Sie nichts“ haben die EMAF-Veranstalter sich und ihren Besuchern auf die Fahnen und Stofftaschen geschrieben. Galten soziale Netzwerke und digitale Techniken auch bei den Festival-Machern noch vor ein paar Jahren als Segnungen und Heilsbringer für eine bessere Welt , so stehen sie nun als Datenkraken und Überwachungsmonster am Pranger.

No Future 2016? Da kann einem als Besucher auch im Nachhinein noch Angst und bange werden. Aber bevor uns nun die digitale Depression erreicht, sollten wir doch lieber einen beruhigenden Blick zurück auf den erfrischendsten Kontrapunkt des diesjährigen Festivals werfen.

„Erwarte Alles“

Mit „Expect Everything“, auf deutsch: „Erwarte alles“ klingt das wohlig trotzige Motto der Media Campus -Nachfolgeplattform EMAF INIT nach. Aber wie blickt der Nachwuchs in die Zukunft? Mit welchen Mitteln verleihen junge Künstler ihren Erwartungen Ausdruck? Und welchen Stellenwert wird die Medienkunst in kommenden Tagen haben?

INIT-Teamleiter Robert Schnüll bringt die Dinge anschaulich auf den Punkt. Erstens: „Die Zukunft des Festivals hat Zukunft“, verrät er im Gespräch mit unserer Redaktion. Weil schließlich zweitens die jungen Künstler von heute das Festival von morgen gestalten werden. Dahinter stecken weder Arroganz noch Selbstüberschätzung, sondern ganz einfach nur eine gesunde Portion Pragmatismus und Zuversicht.

Was noch lange nicht heißen soll, dass sich die jungen Künstler um Schnüll und dessen Team unkritisch mit den digitalen Techniken und Möglichkeiten auseinandersetzen. Im Gegenteil. Auf einen kurzen Nenner gebracht lautet die einfache Formel: Begeisterung für die immer komplexer werdende Technik sei schön. Aber gerade die eigene, jüngere Generation der Digital Natives müsse aufpassen, sich nicht von diesen verlockenden Möglichkeiten einlullen zu lassen. Vielmehr müssen diese Verlockungen auch permanent kritisch hinterfragt werden.

Eine Aufforderung, die sich in zahlreichen Exponaten zwischen Turm Bürgergehorsam bis zur Hase 29 wiederspiegelt. Wobei die jungen Aussteller eine enorme Bandbreite ihres Schaffens von anwendungsorientierten Wearables, also tragbaren Alltags-Helferlein, bis hin zu erstaunlichen Licht- und Klanginstallationen präsentierten. Natürlich blitzte auch Ironie , das Motto des letztjährigen EMAFs, aus zahlreichen Exponaten heraus.

Offen und kommunikationsfreudig

Am auffälligsten aber bleibt der offene und extrem kommunikationsfreudige Charakter sämtlicher INIT-Veranstaltungsbereiche in Erinnerung. Die Rechnung, mehr junge Menschen über einen grundsätzlich praktizierten Event-Charakter anzulocken und auch generell für das Festival zu interessieren, ist aufgegangen. Schon bei der Eröffnung am Mittwochabend habe es laut Schnüll rund 600 meist jüngere Besucher in die Hase 26 gezogen. Wo vor allem das INIT-Offspace als offener Treffpunkt für Künstler und Besucher eine großartige Zukunft verspricht. Die sowieso noch lange nicht vorbei ist.